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16 Tote bei Selbstmordanschlag auf russischen Markt

Tote bei Anschlag auf Armeebasis im NordkaukasusGroßansicht

Moskau (dpa) - Zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan haben mutmaßliche Fundamentalisten in der Konfliktregion Nordkaukasus ein neues Blutbad angerichtet. Diesmal zündeten Selbstmordattentäter eine Bombe in der christlich geprägten russischen Teilrepublik Nordossetien.

Die Autobombe riss auf einem belebten Markt mindestens 16 Menschen mit in den Tod. Etwa 100 weitere wurden bei der Bluttat in der Großstadt Wladikawkas am letzten Tag des für die Muslime heiligen Fastenmonats Ramadan verletzt. Das teilte das Innenministerium der Teilrepublik Nordossetien nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Kremlchef Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin verurteilten den Anschlag in dem mehrheitlich von russisch-orthodoxen Christen bewohnten Gebiet. Sie forderten die muslimische Gemeinschaft auf, bei der Verhinderung solcher Bluttaten zu helfen. Der Staat werde alles tun, um die «Monster» zu finden, die für den Anschlag verantwortlich seien, sagte Medwedew. «Und wenn sie sich wehren, werden sie vernichtet.»

Andere Quellen sprachen sogar von 22 Toten. Die Terroristen zündeten in ihrem Auto eine Bombe mit einer Sprengkraft von bis zu 40 Kilogramm TNT. Der Wagen hatte ein Nummernschild der angrenzenden muslimisch geprägten Konfliktrepublik Inguschetien. Der Halter des Autos wurde festgenommen. «Die Sicherheitskräfte schließen nicht aus, dass er in den Anschlag verwickelt sein könnte», sagte ein namentlich nicht genannter Beamter der Agentur Ria Nowosti. Die Explosion beschädigte zahlreiche Gebäude, Autos brannten aus. Das russische Staatsfernsehen zeigte Bilder der Verwüstung.

Die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land wurden verschärft. Das Zivilschutzministerium schickte zwei Flugzeuge, die Schwerverletzte nach Moskau bringen sollen. An diesem Freitag will Nordossetien mit einem Tag der Trauer der Opfer gedenken.

Nach einer anonymen Bombendrohung evakuierten die Behörden in der Teilrepublik an der Grenze zu Georgien alle Schulen und Kindergärten. Vor sechs Jahren hatten Islamisten im nordossetischen Beslan den bisher folgenschwersten Anschlag in Russland verübt. Damals starben mehr als 330 Menschen, darunter 168 Kinder.

Bereits im März 1999 waren bei einem Anschlag auf den Zentralmarkt von Wladikawkas 52 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Im November 2008 starben zwölf Menschen, als eine Selbstmordattentäterin sich in der Stadt in die Luft sprengte.

Medwedew beorderte seinen Sondergesandten für den Nordkaukasus, Alexander Chloponin, zum Anschlagsort. Sicherheitskräfte konnten eine zweite Bombe entschärfen, die am Eingang zum Markt versteckt war. Auch in der Hauptstadt Moskau wurde die Alarmbereitschaft erhöht.

Die Terroristen wollten mit dem Anschlag Zwietracht säen, sagte Putin bei einem Treffen mit dem höchsten muslimischen Geistlichen Russlands, Rawil Gainutdin. «Wir zählen darauf, dass die muslimische Bevölkerung einen entscheidenden Beitrag zum Kampf (gegen den Terrorismus) leisten wird.»

In den Konfliktrepubliken im Nordkaukasus - Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan - kämpfen islamistische Separatisten gegen kremltreue Einheiten für ein unabhängiges «Kaukasus-Emirat». Die Lage in der Region gerät trotz milliardenschwerer Investitionen und starker Präsenz von Sicherheitskräften zunehmend außer Kontrolle. Mittlerweile steigt die Zahl der Terroranschläge in südrussischen Städten. Die Untergrundkämpfer hatten wiederholt angekündigt, den Terror auf das ganze Land auszuweiten.

Konflikte / Kaukasus / Russland
09.09.2010 · 16:10 Uhr
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