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13 Tote bei angeblichem Nato-Angriff auf Gaddafi-Intimus

Auf einer Führung der libyschen Behörden wurden Journalisten zum vermeintlichen Ort des Geschehens in Tripolis gebracht.Großansicht

Tripolis/Brüssel (dpa) - Die Nato fliegt weiter Angriffe auf Libyen. Nun wurde augenscheinlich ein Mitglied des engen Kreises um Gaddafi ins Visier genommen. Deckt das UN-Mandat gezielte Attacken auf Regimevertreter?

Nato-Flugzeuge sollen am Montag das Anwesen des libyschen Führungsmitglieds Al-Chuedi al-Hamidi angegriffen haben. Der Politiker, der dem Revolutionären Kommando-Rat Libyens angehört, wurde nicht verletzt, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim in Tripolis. 13 Zivilisten, unter ihnen zwei Söhne und eine Schwiegertochter Al-Hamidis, seien bei dem Angriff ums Leben gekommen.

Acht Luft-Boden-Raketen schlugen in den Gebäudekomplex in Surman 80 Kilometer westlich von Tripolis ein, berichtete ein BBC-Reporter vor Ort. Seinen Angaben zufolge waren unter den Toten zwei Kleinkinder und eine schwangere Frau.

Al-Hamidi gehört zum inneren Machtzirkel um Oberst Muammar al-Gaddafi. Er war ein Gefährte des Diktators, als dieser sich 1969 unblutig an die Macht putschte. Eine seiner Töchter ist mit Gaddafis ältestem Sohn Saadi verheiratet. Zuletzt kursierten allerdings Gerüchte, dass er seine politischen Ämter niedergelegt habe und unter Hausarrest stehe.

Von der Nato lag zunächst keine Stellungnahme zum Angriff auf das Haus in Surman vor.

Das nordatlantische Bündnis greift auf der Grundlage eines UN-Sicherheitsratsmandates militärische Ziele in Libyen an, um die Zivilbevölkerung vor Übergriffen des Gaddafi-Regimes zu schützen. Gezielte Attacken auf Gaddafi selbst oder sein Führungspersonal sind nach Ansicht von Experten durch dieses Mandat nicht gedeckt.

Am Sonntagabend hatte die Nato eingeräumt, irrtümlich ein Wohnhaus in Tripolis bombardiert zu haben. Der Oberkommandeur des Nato-Einsatzes in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, bedauerte in einer Erklärung den Vorfall. Dabei waren nach offiziellen libyschen Angaben in der Nacht zum Sonntag drei Zivilisten, unter ihnen ein Kleinkind, ums Leben gekommen.

«Obwohl wir die Einzelheiten des Zwischenfalls noch ermitteln, scheint es so, dass ein Fehler in einem Waffensystem diesen Zwischenfall verursacht hat», hieß es in der Erklärung Bouchards. «Es scheint, als ob eine Bombe nicht das beabsichtigte Ziel getroffen hat.» Der Verlust unschuldiger Menschenleben werde bedauert.

NATO / Konflikte / Libyen
20.06.2011 · 18:26 Uhr
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