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110 000 Bahnfahrer wollen Geld wegen Winterchaos zurück

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Weimar (dpa) - Tausende Bahnfahrer fordern nach dem Winterchaos im Schienenverkehr ihr Geld zurück. Bei der Deutschen Bahn AG hätten bislang rund 110 000 Fahrgäste wegen Zugausfällen und Verspätungen eine Erstattung beantragt.

Das sagte der für den Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Ulrich Homburg der Nachrichtenagentur dpa. Das seien mehr als im vergangenen Winter. Mit welchen Summen das Unternehmen zu rechnen habe, sei bislang unklar. Viele Anträge würden noch bearbeitet. «Nicht jeder Antrag ist auch berechtigt», sagte Homburg.

Bahnchef Rüdiger Grube verteidigte sein Unternehmen unterdessen gegen wachsende Kritik. Rasche Abhilfe gegen die Technikprobleme der Deutschen Bahn im Winter gebe es nicht, sagte er am Freitag in der ARD. Die Bundesregierung nahm den staatseigenen Konzern angesichts der vielen Zugausfälle und Verspätungen im verscheiten Dezember in Schutz. Das Verkehrsministerium drängte die Bahn zugleich zu Investitionen in eine neue S-Bahn-Flotte für Berlin. Mehr Geld vom Bund soll es dafür jedoch nicht geben.

Grube stellte in dem Interview fest: «Schnelle Lösungen gibt es bei der Bahn nicht, weil alles zertifiziert, alles berechnet, alles freigegeben werden muss vom Eisenbahnbundesamt.» Der Bahnchef wies abermals die Behauptung zurück, die Bahn habe mit einem harten Sparkurs die Probleme selbst verursacht.

«Ich glaube, man darf es sich auch nicht zu einfach machen. Was haben zu dünn konstruierte Räder oder ein falsch ausgewählter Werkstoff an einer Achse mit Sparen zu tun? Überhaupt nichts», sagte Grube. Hier lägen technische und konstruktive Mängel vor. «Das ist beim ICE 3 der Fall, das ist auch bei anderen Fahrzeugen der Fall, das ist auch bei der Berliner S-Bahn der Fall.»

Die Bahn sei zudem mit dem härtesten Winter «seit 40 Jahren» konfrontiert: «Da hat sich die Bahn im Vergleich zum Flugzeug und zum Auto hervorragend geschlagen», meinte Grube.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, man sehe die großen Bemühungen der Bahn, ihre enormen Probleme in den Griff zu bekommen. «Eine ideale Bahn ist eine, die bei Wind und Wetter immer pünktlich kommt und jeden auf die Minute genau abliefert. Das ist noch nirgends erreicht worden», sagte Seibert.

Bei der notleidenden Berliner S-Bahn ist eine Entscheidung über die Anschaffung neuer Züge noch nicht gefallen. Das Verkehrsministerium macht aber Druck auf den Mutterkonzern Deutsche Bahn. Möglichst schnell sollen neue Züge in Auftrag gegeben werden, damit in etwa vier Jahren die ersten eingesetzt werden können.

Bei einem Treffen von Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle mit Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag seien sich beide einig gewesen, dass in den kommenden Jahren «eine neue Flotte her muss», sagte Ministeriumssprecher Richard Schild. Derzeit kann wegen Reparaturen und umfangreicher Wartungen nur rund die Hälfte der Wagen eingesetzt werden.

Die Beschaffung neuer S-Bahn-Züge muss der Bahn-Vorstand beschließen. Die bundeseigene Deutsche Bahn ist der Mutterkonzern der S-Bahn Berlin. Die Länder Berlin und Brandenburg bestellen die Verkehrsleistungen der S-Bahn. Bis die ersten neuen Fahrzeuge einsatzbereit wären, dürften mindestens vier Jahre vergehen. Der Auftrag muss nach EU-Recht ausgeschrieben werden.

Der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) betonte, die Bahn sei ohnehin vertraglich verpflichtet, in bestimmten Abständen neue Züge anzuschaffen. «Das ist nichts Neues. Etwas Konkretes habe ich von Herrn Scheurle noch nicht gehört», sagte Wowereit.

Verkehr / Bahn
07.01.2011 · 20:44 Uhr
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