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1:0 in Moskau: Klose schießt DFB-Elf nach Südafrika

Torjubel im Luschniki-Stadion in Moskau.Großansicht
Moskau (dpa) - Auf nach Südafrika! Als mit dem Kraftakt von Moskau das WM-Ticket vorzeitig gebucht war, gönnten sich die Nationalspieler in der Kabine des Luschniki-Stadions ein verdientes Siegerbier.

«Wir waren nervenstark und haben an uns geglaubt. Deshalb haben wir verdient das Ergebnis erzielt, das wir wollten», sagte Kapitän Michael Ballack nach dem 1:0 (1:0) in Russland, das vor allem Torschütze Miroslav Klose und dem überragenden Torhüter Rene Adler zu verdanken war, erleichtert. Nach der Partie vor 75 000 Zuschauern lagen sich auf dem Rasen alle in den Armen, nur Bundestrainer Joachim Löw legte im Moment des Erfolges auf der Ersatzbank eine kleine Ruhepause ein. «Ich habe über die Aufstellung für Mittwoch nachgedacht», scherzte er anschließend. Doch die Partie gegen Finnland in Hamburg hat jetzt nur noch statistischen Wert.

Obwohl Debütant Jerome Boateng 20 Minuten vor dem Ende mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden war, bestand die Fußball-Nationalmannschaft die Kraftprobe auf Kunstrasen und machte den Gruppensieg perfekt. Zum Erfolgsgaranten wurde neben Klose, dem in der 35. Minute der Siegtreffer gelang, auch Adler. Der Leverkusener Keeper verhinderte gegen stark drängende Russen in der zweiten Halbzeit gleich mehrfach den drohenden Ausgleich. Dazu stand der DFB- Elf in einigen Szenen auch das Glück zur Seite.

«Ich habe vor dem Spiel gespürt, dass jeder meiner Spieler das Sieger-Gen in sich hat», sagte Löw. Auch Adler war einfach happy: «Dass es für mich persönlich so gut lief, macht mich unheimlich glücklich», sagte er nach dem «emotionalsten Spiel meiner Karriere». Unglücksrabe Boateng bekannte: «Natürlich habe ich mich geärgert, aber in dieser Szene musste ich eingreifen. Ich habe danach mitgezittert.» Für Russlands Coach Guus Hiddink machte die Durchschlagskraft den Unterschied zwischen beiden Teams aus.

Hinten sicher stehen, im Mittelfeld die Ordnung behalten und nach vorne Nadelstiche setzen - im ersten Länderspiel auf künstlichem Grün ging Löws Taktik voll auf. Die deutsche Elf agierte taktisch diszipliniert und ließ den Russen lange Zeit kaum Spielraum für ihr gefürchtetes Kurzpassspiel. Ballack war in seinem 96. Länderspiel Chef im Mittelfeld, obwohl er gegen Ende der ersten Halbzeit einen Schlag auf den Knöchel bekam und behandelt werden musste. An seiner Seite deutete Mesut Özil erneut sein enormes spielerisches Potenzial an.

Löws mutige Entscheidung, Boateng als 31. Debütanten in seiner Amtszeit auf die rechte Abwehrseite zu stellen, erwies sich 68 Minuten lang als guter Griff. Der Hamburger zeigte kaum Nervosität, ließ aber doch einen Hang zum Leichtsinn erkennen und wurde in der 69. Minute für sein Ungestüm bestraft. Wegen erneuten Foulspiels flog der bereits verwarnte Abwehrspieler vom Platz.

In vorderster Front unterstrich Klose wieder einmal seine große Bedeutung für das Team. Der im Bayern-Dress in dieser Saison noch torlose Angreifer vollendete den schönsten Angriff des Spiels zu seinem 48. Länderspiel-Treffer und hat damit als alleiniger Dritter der DFB-Rangliste nur noch Joachim Streich und Gerd Müller vor sich. Hinten hielt Adler den Kasten einmal mehr sauber und ist nun seit 297 Länderspiel-Minuten ohne Gegentor. Damit sammelte der Vertreter des erkrankten Robert Enke weitere dicke Pluspunkte im Kampf um den Stammplatz als Nummer 1 gegen den diesmal auf der Bank sitzenden Manuel Neuer sowie Tribünenzuschauer Tim Wiese.

Auf den Rängen machten die russischen Fans ein Heidenspektakel, auf dem Kunststoff-Grün bewies die deutsche Elf Übersicht und Disziplin. Ein Schuss von Alexander Kerschakow (8.), der weit am Tor vorbeiflog, war die ganze Ausbeute in einer Anfangsphase, in der beide Mannschaften Rasenschach boten und großen Respekt voreinander erkennen ließen. Mitte der ersten Halbzeit wurde die Löw-Elf aktiver und kam zur ersten guten Möglichkeit durch Lukas Podolski (23.).

Die erste wirklich kritische Situation vor dem deutschen Gehäuse wurde von Andrej Arschawin eingeleitet, der im Mittelfeld einen seiner gefürchteten Spurts anzog. Wladimir Bystrow (30.) konnte die Vorarbeit seines Teamkollegen allerdings nicht nutzen und scheiterte am herausstürzenden Adler. Die bis dahin schönste Kombination des Spiels führte wenig später zur deutschen Führung. Nach sehenswertem Direktspiel über Podolski und Özil setzte sich Klose an der Grenze des Fünf-Meter-Raums energisch durch und spitzelte den Ball zur Freude der 2500 deutschen Fans im Stadion über die Linie.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs erhöhte die Sbornaja den Druck und Adler rückte immer mehr in den Blickpunkt. In der 53. und 55. Minute entschärfte er Arschawins Geschosse und verhinderte den Ausgleich. Dann zischte ein spektakulärer Fallrückzieher von Bystrow (56.) haarscharf über den deutschen Kasten. Auf der Gegenseite rasierte ein 30 Meter-Schuss von Özil die Lattenoberkante (58.).

Löw reagierte auf den Verlust von Boateng und brachte 18 Minuten vor dem Ende für Özil Abwehrspieler Arne Friedrich aufs Feld, der die stark geforderte Defensive in der Schlussphase stabilisieren sollte. Dennoch ging das Zittern um die drei Punkte bis zum Schluss weiter, denn Entlastungsangriffe gelangen kaum noch. Doch mit Glück und Adlers Paraden hielt das zu Null. Zwei Minuten vor Schluss versagte der Schweizer Schiedsrichter Massimo Busacca den Gastgebern beim Foul von Friedrich an Bystrow sogar noch einen Strafstoß.

Fußball / WM / Qualifikation / Russland / Deutschland
10.10.2009 · 21:06 Uhr
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