Filmkritik - Wie in der Hölle (2005)
 
 

Wie in der Hölle

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,2)
Original: L´ Enfer
Regie: Danis Tanovic
Darsteller: Maryam d'Abo, Guillaume Canet
Laufzeit: 99min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Frankreich)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 29. Juni 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die Bilder im Vorspann – sie zeigen wie ein Kuckucksküken seine Rivalen aus dem Nest stößt – sind wie durch ein Kaleidoskop zersplittert. So beginnt die tragische Geschichte um eine bürgerliche Familie. Erst am Ende wird sich das geheimnisvolle Puzzle zu einem Gesamtbild fügen. Paris in den 80er Jahren. Ein Mann wird nach jahrelanger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Als er nach Hause kommt, steht er vor verschlossener Tür. Seine Frau verwehrt ihm den Einlass. Durch den Türspalt weist sie ihn schroff zurück. Im Inneren der Wohnung sind Kinderstimmen zu hören. Gewaltsam verschafft sich der Mann Zutritt. Er will seine Töchter sehen. Vor den Augen der drei Mädchen entfacht ein heftiger Streit, der ein folgenschweres Ende nimmt. Paris, heute. Die drei Schwestern Sophie, Céline und Anne sind erwachsen; jede in ihrem eigenen traumatisierten Leben gefangen, jeden Kontakt zueinander abgebrochen. Die älteste der Schwestern, Sophie (Emmanuelle Béart), ist Mutter von zwei Kindern und mit dem Fotografen Pierre (Jaques Gamblin) verheiratet. Alles scheint in bester bürgerlicher Ordnung bis Sophie eines schönen Tages in den Sinn kommt, ihr Mann könne sie betrügen. Zuerst ist es nur eine Ahnung, ein fixe Idee. Doch dann will sie Gewissheit. Sie beginnt, Pierre hinterher zu spionieren. Tiefer und tiefer gerät sie in die Spirale der Eifersucht. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, ihn auf frischer Tat zu ertappen, folgt sie ihm eines Abends in ein Hotel und tastet sich vor, von Tür zu Tür - auf der Suche nach verräterischen Geräuschen und quälenden Beweisen bis sie schließlich findet, wonach sie sucht. Endlich kann sie der Rivalin ein Gesicht geben. Sophie behält die Entdeckung für sich. Vorerst. Sie ist verletzt, fühlt sich gedemütigt. Verzweifelt versucht sie, ihren Mann zurückzuerobern. Dazu sind ihr alle Mittel recht. Sie stellt ihn zur Rede, streitet, fleht, erpresst, verführt. Wird aber nicht wiederbegehrt. Sophie muss erkennen, dass ihre Ehe gescheitert ist. Einige Zeit später, nach der Trennung. Als Pierre eines Tages überraschend auftaucht um seine Kinder zu besuchen, verweigert Sophie ihm den Zutritt zur Wohnung. Es bahnt sich das gleiche Szenario an, wie einst bei ihren Eltern. Doch glücklicherweise kann ein Drama vermieden werden. Sophie liegt lethargisch in ihrer Wohnung und beobachtet, wie eine Biene langsam in einem Wasserglas zu ertrinken droht. Sie muss ihre Kräfte bündeln, als alleinerziehende Mutter trägt sie die alleinige Verantwortung und Fürsorge. Langsam überwindet sie den Trennungsschmerz. Sie empfindet sogar wieder Lust am Leben. Aber was wirklich in ihr vorgeht bleibt ein Rätsel. Immerhin hat sie ihr einst so düsteres Appartement in hellen Farben gestrichen - so als stehe sie vor einem echten Neuanfang. Die jüngste Schwester, Anne (Marie Gillain), studiert an der Sorbonne Architektur und hat einen besonderen Faible für die griechische Tragödie. Seit einiger Zeit ist sie leidenschaftlich in Frédéric, einen verheirateten Professor, verliebt. Wenn er an der Universität über die Unterschiede zwischen Schicksal und Zufall doziert, hört sie ihm aufmerksam und voller Faszination zu. Dass der charmante grauhaarige Gelehrte vom Alter her ihr Vater sein könnte, findet sie besonders anziehend. Während Anne mit jugendlicher Radikalität an ihre gemeinsame Liebe glaubt, kommen Frédéric gehörige Zweifel an seinem Doppelleben. Schon seit einiger Zeit plagt ihn das schlechte Gewissen. Er entwickelt Schuldgefühle. Dass seine Tochter mit Anne befreundet ist, macht die Situation noch komplizierter. Frédéric ist entschlossen, er will die Affäre beenden. Er beginnt sich Anne zu entziehen, ihr aus dem Weg zu gehen. Was Frédéric aber nicht weiß: Anne erwartet ein Kind von ihm. Als sie merkt, dass er ihre Liebe nicht mehr erwidert, kann sie sich nicht damit abfinden und greift in ihrer Verzweiflung zu drastischen Mitteln. Sie taucht bei ihm Zuhause auf. Will sie ihn zu einer Stellungnahme zwingen? Vor Frédérics Frau und seiner Tochter schildert sie ihre unglückliche Liebe zu einem verheirateten Mann. Frédérics Frau stellt sich nichtsahnend auf die Seite von Anne. Frédéric bekommt kein Wort raus. Er zieht es vor zu schweigen. Die Anspannung ist ihm ins Gesicht geschrieben. Wird Anne ihn vor seiner Familie bloßstellen? Als Anne klar wird, dass ihre Beziehung keine Chance mehr hat, rennt sie fort und Frédéric hält sie nicht zurück. Zuhause verbrennt sie die Erinnerungsstücke an ihre große Liebe. Anne muss zu einer mündlichen Prüfung an der Universität erscheinen. Ihr Vortrag handelt von Medea (Medea ist eine äußerst leidenschaftliche Frauengestalt der griechischen Sage. In der Tragödie des Euripides gilt sie als Zauberin, Verräterin, Bruder- und Kindesmörderin, aus betrogener Liebe). Frédéric hätte unter den Prüfern sein sollen, aber sein Platz bleibt leer. Er sei mit einer Studiengruppe zur Akropolis gefahren, erklären seine Kollegen. Wenig später sucht Anne eine Abtreibungsklinik auf. Im Wartezimmer fällt ihr Blick auf die Zeitung und darin ist zu lesen, dass Frédéric bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Zufall oder Schicksal? In ihrem Referat wollte sie nicht an die Existenz der Tragödie in der heutigen Gesellschaft glauben. Céline (Karin Viard) lebt allein und zurückgezogen. Als einzige der drei Schwestern kümmert sie sich um die behinderte Mutter (Carole Bouquet), die ihr Leben wortkarg und mürrisch in einem Altersheim außerhalb von Paris fristet. Jeden Sonntag fährt Céline zur ihr aufs Land, schiebt sie im Rollstuhl durch den weitläufigen Park und liest ihr grausame Geschichten von Kannibalen vor. Ihre aufopfernden Bemühungen stoßen auf wenig Gegenliebe. Die alte Frau reagiert kaum auf die Ansprache und Zuwendung ihrer Tochter. Céline kann dem Seniorenheimbewohner Louis (Jean Rochfort) mehr Worte entlocken, als ihrer eigenen Mutter. Auch im wohlgeordneten Alltag kümmert sich die verschlossene und schüchterne Céline eher um das Wohl anderer Menschen als um ihr eigenes Glück. Das Trauma ihrer Kindheit hat sie fest im Griff. Eines Tages wird Céline von einem jungen Mann (Guillaume Canet) auf der Straße angesprochen. Es gelingt ihr ihn abzuschütteln. Vorerst. Denn tags drauf taucht er wieder auf. Und auch an den folgenden Tagen versucht Sébastien Kontakt zu ihr aufzunehmen. Er beobachtet sie aus dem Bistro vor ihrem Haus und wartet auf ihr Kommen. Seine unaufdringliche Beständigkeit verwirrt Céline. Sie kann sein geheimnisvolles Verhalten nicht deuten: Begehrt er sie? Will er sie etwa verführen? Natürlich sehnt sich Céline nach zärtlicher Nähe, nach schützender Geborgenheit. Aber ist ausgerechnet dieser fremde Mann der Richtige? Als ihr Verlangen ihren Zweifel besiegt, fasst sie sich ein Herz und lädt ihn zu sich nach Hause ein. Aber gerade, als sie ihre Hüllen vor ihm fallen lässt und ganz entblößt vor ihm sitzt, legt Sébastien ein erschütterndes Geständnis ab. Seine Geschichte bringt die Schwestern einander wieder näher. Die Drei beschließen, gemeinsam zu ihrer Mutter zu fahren, um sie mit der Wahrheit zu konfrontieren.

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