Filmkritik - Wholetrain (2006)
 
 

Wholetrain

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,1)
Regie: Florian Gaag
Darsteller: Jacob Matschenz, Karina Fallenstein
Laufzeit: 89min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Deutschland)
Verleih: Movienet Film
Filmstart: 05. Oktober 2006
Bewertung: n/a (2 Kommentare, 0 Votes)
Graffiti bedeutet mehr als bunte Buchstaben in Sprühdosen-Technik. Viel mehr. Für David, Tino und Elyas – zusammen die Keep Steel Burning- oder KSB– Crew ist das Writen längst zu einer Leidenschaft geworden, einer Manie, die ihr gesamtes Leben bestimmt. Um Fame in der Szene zu erlangen, müssen sie sich täglich aufs Neue beweisen. Dafür sind sie bereit alles zu riskieren: Das Wohlwollen ihrer Familien, ihren Arbeitsplatz, ja selbst die eigene Freiheit. David ist gerade zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten zur Bewährung verurteilt worden. Wegen Sachbeschädigung. Sein Bewährungshelfer bemüht sich, den Writer auf die rechte Bahn zu bringen, möchte ihm ein Studium an der Kunstakademie vermitteln. Doch David kann es nicht lassen. Er lebt weiterhin den Traum jedes Graffitiwriters, zeichnet manisch an Vorlagen für neue Pieces, hilft seinen Kumpels David und Tino im Baumarkt Sprühdosen zu klauen und hinterlässt mit ihnen auf Zugfenstern und B änken die Tags oder Kürzel ihrer Crew. Als Konkurrenz in ihrer Stadt auftaucht, geht es ums Ganze. Eine andere Crew hat einen Wholecar oder Zugwaggon besprüht und die KSB-Crew in ihrer Writer-Ehre herausgefordert: „Euer Style war schon vor zwei Jahren alt“. Dass die ATL-Crew es auch noch wagt, die alten Pieces von Tino zu Crossen oder zu übermalen, kommt einer Kriegserklärung gleich: Die Emotionen kochen hoch, die Fäuste fliegen – doch letztendlich zählt das bessere Piece. Gewinnen kann nur, wer den Gegner an Kunstfertigkeit und Originalität mit der Sprühdose übertrifft. Zusammen mit Davids Zögling Achim beschließt die KSB-Crew zurückzuschlagen: Einen ganzen Zug zu bemalen. Einen Wholetrain. Und so die Krone der Writer für sich zu gewinnen. Dazu müssen sie sich aber nicht nur den Fängen der Zivilfahnder entziehen, die die Graffitiwriter am Bahnhof abpassen, kontrollieren und notfalls mit physischer Gewalt durchsuchen. Auch sonst geraten Tino, Elyas, David und Achim dauernd in Konflikt mit ihrer Umwelt: Tino etwa riskiert mit seiner hitzigen, aufbrausenden Art ständig Prügeleien, lässt Mutter und Schwester mit ihrer Sorge um seinen Lebenswandel auflaufen und ist überfordert, als er sich einen Tag und eine Nacht um seinen kleinen Sohn kümmern soll. Schließlich versteht er mehr vom Graffitisprühen als vom Windelnwechseln. David hat Angst, wieder erwischt zu werden, sich das Wohlwollen seines Bewährungshelfers endgültig zu verscherzen und letztendlich im Knast zu landen. Zudem muss er Elyas davon überzeugen, seinen Schützling Achim als Neuen in der Crew zu akzeptieren: Weil er aus einer reichen Familie kommt, sich als Writer noch keinen Namen gemacht hat, wird er immer wieder zur Zielscheibe von Elyas Angriffen. Für Achim aber ist es das Größte mit der KSB-Crew abhängen zu dürfen: Dafür malt er nachts heimlich Skizzen, schwänzt die Schule und brüskiert seine Eltern, die ihn lieber auf ein Internat schicken w ürden. So ausgelassen und euphorisch sich die vier Freunde bei HipHop-Musik und Joints zum Skizzen-Austausch treffen – sie stehen unter gewaltiger Anspannung. Ein verdächtiges Klingeln an der Tür reicht aus, um panisch das Zimmer aufzuräumen und alle Beweise ihrer Writer-Tätigkeit ins Klo zu spülen. Fehlalarm hin oder her - die Angst ist ein ständiger Begleiter: Auch nachts, als sich die KSB-Crew maskiert ins Zugdepot schleicht. Tatsächlich tauchen die Sonderfahnder der Graffiti-Einheit auf. David, Tino, Elyas und Achim müssen den halbgesprühten Zug stehen lassen und fliehen fluchtartig über die Gleise. Nach einer Nacht im angrenzenden Waldstück hat David genug. Er will aussteigen. Doch Tino ist verzweifelt, möchte nicht auf den großen Coup verzichten. Er packt bei seiner Writer-Ehre, überredet ihn, seine Crew nicht im Stich zu lassen. Für den Wholetrain noch einmal alles zu riskieren. Dann platzt mitten in die gemeinsame Grillparty am See eine schreckliche Nachricht: Tino ist tödlich verunglückt. Nachdem die Polizei zur Hausdurchsuchung angerückt war, hatte Tino die Flucht ergriffen und dabei blindlings eine belebte Straße gequert. Die Freunde sind geschockt, bleiben in stummer Trauer zur ück. David findet seinen eigenen Weg, mit dem Verlust fertig zu werden: Er stellt sich dem Schmerz, besucht Tinos Familie und zieht anschließend durch die Stadt: „RIP Tino“ – das sprüht er am helllichten Tag, auf Mauern, Fenster, Geschäfte und Wohnhäuser. Ein Abschiedsgruß und eine Widerstandserklärung. So wie Tino hat er sich entschlossen, seine Leidenschaft zu leben. Weiterzusprühen. Mit allen Konsequenzen. Um zusammen mit der einst verfeindeten ATL-Crew doch noch zu erreichen, was dem verstorbenen Freund alles bedeutet hat. Einen Wholetrain durch die Stadt zu schicken.

Kommentare

(2) Harry76 · 03. Oktober 2006
Da haste recht^^ Scheiß Denglisch :D
(1) verhoeven · 17. September 2006
Style, Battle, Crews? Gehts auch deutsch? Also ehrlich...
 

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