Filmkritik - Weißer Oleander (2002)
 
 

Weißer Oleander

DVD / Blu-ray / iTunes :: :: IMDB (7,2)
Original: White Oleander
Regie: Peter Kosminsky
Darsteller: Renee Zellweger, Robin Wright
Laufzeit: 109min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (USA)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 06. Februar 2003
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die 15-jährige Astrid Magnussen (Alison Lohman) hat sich längst damit abgefunden, dass ihr keine normale Kindheit vergönnt ist. Ihren Vater hat das scheue Mädchen nie kennen gelernt, und ihre Mutter Ingrid (Michelle Pfeiffer) führt das unkonventionelle Leben einer freischaffenden Künstlerin, die über ganz eigene, manchmal auch radikale Ansichten verfügt. Für so banale Dinge wie Einkaufen oder die Teilnahme am Elternabend hat Ingrid keine Zeit. Aber das heißt nicht, dass sie ihre Tochter nicht trotzdem aufrichtig liebt. Eines Tages wird Ingrid überraschend von der Polizei in Handschellen abgeführt. Sie soll ihren Freund Barry Kolker (Billy Connolly) ermordet haben. Für Astrid ist das ein furchtbarer Schock, auch wenn ihr nicht entgangen ist, dass zwischen Ingrid und Barry zuletzt nur noch die Fetzen flogen. Wenig später steht die Fürsorge vor der Tür. Gerade 15 Minuten bleiben Astrid, um ihre Sachen zu packen – und dann ist das Leben, wie sie es kannte, für immer vorbei. Das Gericht befindet Ingrid für schuldig, Barry vergiftet zu haben. Das Urteil: 35 Jahre Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis. Astrid wird bei einer Pflegemutter untergebracht, die sich von ihrer leiblichen Mutter unterscheidet wie eine Daily-Talkshow von einer Vernissage. Starr Thomas (Robin Wright Penn), früher Stripperin und diversen Drogen zugetan, hat inzwischen allen Sünden abgeschworen und ihr Heil in der christlichen Lehre gefunden. Sie lebt in einem bescheidenen Flachbau irgendwo in der Wüste außerhalb von L.A., hat noch drei weitere Pflegekinder und einen Freund, der mit einer anderen verheiratet ist. Alles an Starr ist überdreht und vulgär, doch Astrid findet sich in ihrem neuen Zuhause ganz gut zurecht. Sie freundet sich mit Starrs freundlich-sanftem Lebensgefährten Ray (Cole Hauser) an, genießt die Stunden mit ihren Ersatzgeschwistern und tritt gar der Kirchengemeinde bei, um sich taufen zu lassen. Im Gespräch mit dem kleinen Davey (Marc Donato) gesteht Astrid, dass sie selbst nicht ganz unschuldig am Tod Barrys sei. Sie habe sehr wohl realisiert, dass Ingrid den Mord von langer Hand vorbereitete (sie benutzte dazu den giftigen Blütensaft des weißen Oleanders aus ihrem Garten), habe jedoch geschwiegen. Astrid beantwortet die Briefe ihrer Mutter zunächst nicht, erst nach sechs Monaten fährt sie zum ersten Mal ins Gefängnis. Trotz aller Wiedersehensfreude geraten Mutter und Tochter aber bald in einen Streit, denn Ingrid missbilligt Astrids religiöses Interesse und überhaupt alles, was sie über Starr zu hören bekommt. Solche Leute, behauptet sie, seien „das Böse“. Ray und Astrid kommen einander immer näher und machen auch kein großes Geheimnis aus ihrer gegenseitigen Sympathie. Starr wird zunehmend eifersüchtiger und erklärt Astrid, sie lasse sich ihren Mann nicht von einem Mädchen wegnehmen und werde sie von der Fürsorge abholen lassen. Astrid schwört jedoch, keinerlei Interesse an Ray zu haben. So kann sie Starr noch einmal beschwichtigen. Trotzdem wird die Stimmung immer gereizter. Starr trinkt wieder, schimpft mit den Kindern, zetert gegen Ray. Als Ray und Astrid eines Abends zufällig allein im Haus sind, geben sie ihren Gefühlen nach. Fortan treffen sie sich heimlich. Wenig später beschließt Starrs andere Pflegetochter Carolee (Liz Stauber), sich die Launen der Pflegemutter nicht länger bieten zu lassen. Sie verschwindet. Am Abend ist Starr erneut betrunken, zettelt wiederum einen Streit mit Ray an. Astrid hört das Geschrei aus dem Nachbarzimmer. Kurz darauf steht die vor Wut kochende Pflegemutter mit einem Revolver vor ihr. Astrid versucht, aus dem Fenster zu fliehen. Starr schießt ihr in den Rücken. – Als Astrid schwer verletzt wieder zu sich kommt, ist der Notarzt da. Starr und Ray sind spurlos verschwunden. Nachdem ihre Schussverletzung ausgeheilt ist, findet Astrid sich in McKinney Hall wieder, einem Heim für all jene Kinder und Jugendlichen, für die die Fürsorge vorübergehend keine Pflegefamilien bereitstellen kann. Kaum angekommen, muss sie sich mit in etwa denselben Formen der Gewalt auseinandersetzen, an die sich ihre Mutter im Gefängnis bereits gewöhnt hat. Der Attacken einiger Latinas erwehrt sie sich, indem sie ihnen des Nachts ein Messer an die Kehle setzt. Damit demonstriert sie genau jene Härte, die an einem solchen Ort gefragt ist. Auch äußerlich passt sie sich an: Nachdem sie ihr langes blondes Haar abgeschnitten hat, bleibt vom braven Jungmädchencharme nicht mehr viel übrig. Aber Astrid macht nicht nur schlechte Erfahrungen in McKinney Hall. Zwar weist sie die Avancen des jungen Paul Trout (Patrick Fugit) zunächst brüsk zurück, doch allmählich freundet sie sich mit dem zurückhaltenden Teenager an. Die beiden teilen die Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen. Paul ist ein angehender Comic-Artist, Astrid fertigt Bleistiftzeichnungen von allem an, was sie um sich herum sieht. Einmal stehlen sich die beiden davon und erkunden L.A. In einem Comicshop fachsimpeln sie über das Niveau der Künstler, in Santa Monica zeichnen sie das rege Treiben, und am Abend kommt es bei romantischer Strandatmosphäre zu einem ersten zarten Kuss. Beim nächsten Gefängnisbesuch präsentiert Astrid ihrer Mutter stolz einige von Pauls Zeichnungen. Ingrid zeigt sich nur mäßig beeindruckt. Sie warnt Astrid davor, sich auf große Gefühle einzulassen, denn am Ende warte doch nur die Einsamkeit auf sie. Tatsächlich heißt es für Astrid und Paul bald Abschiednehmen. Die Fürsorge hat eine neue Pflegemutter für Astrid gefunden. Claire Richards (Renée Zellweger) lebt zusammen mit ihrem Mann Mark (Noah Wyle) in einer stattlichen Villa in den Hügeln von Malibu. Beide sind im Filmgeschäft tätig. Doch während Claires Schauspielkarriere ins Stocken geraten ist, jettet Mark von Engagement zu Engagement und ist nur selten zu Hause. Die schüchterne, aber extrem warmherzige Claire bereitet Astrid einen herzlichen Empfang. Nach kürzester Zeit sind die beiden dickste Freundinnen, joggen am Strand, reden über Kunst und Schmuck und was ihnen sonst in den Sinn kommt. Claire fühlt sich entfremdet von Mark und glaubt, er habe eine Affäre. Umso dankbarer ist sie für Astrids Anwesenheit. Und Astrid ist zum ersten Mal seit langer Zeit glücklich. Das spürt auch Ingrid bei einem der üblichen Besuchstermine im Gefängnis. Sie äußert den Wunsch, Claire kennen zu lernen. Davon hält Astrid gar nichts. Wenig später muss sie jedoch feststellen, dass Ingrid mit Claire korrespondiert und die Pflegemutter nun selbst zu einem Gespräch ins Gefängnis lockt. Dieses Treffen endet mit einem Debakel: Ingrid, die aus ihrer Verachtung für Claire kein Geheimnis macht, nutzt die Gelegenheit, um die ohnehin unsichere Frau zu demütigen und nachhaltig aus der Bahn zu werfen. Astrid kann nur hilflos zuschauen. Ingrids Saat geht schneller auf, als es Astrid lieb sein kann. Claire und Mark geraten in einen heftigen Streit, der schließlich damit endet, dass er seine Koffer packt. In der folgenden Nacht begeht Claire Selbstmord. Astrid ist ebenso erschüttert wie erzürnt. Sie macht Ingrid für Claires Verzweiflungstat verantwortlich und fährt ein letztes Mal ins Gefängnis, um sich persönlich von der Mutter zu verabschieden: Nichts mehr wolle sie mit ihr zu tun haben, erklärt sie Ingrid, sie habe wieder einen Menschen vergiftet, diesmal mit Worten. Zurück in McKinney Hall bleibt Astrid ganz für sich und ignoriert Paul, der die Beziehung zu Astrid nur zu gern wieder aufnähme. Als er sie fragt, ob sie mit ihm nach New York kommen wolle, lehnt sie schroff ab. Auch einige Pflegeeltern, die sie gern zu sich nach Hause holen würden, lässt Astrid abblitzen. Als Rena Crushenka (Svetlana Efremova) auftaucht, eine exaltierte Exilrussin, dreht Astrid den Spieß um und sucht sich diese Pflegemutter nun selbst aus. Rena ist eine Selfmade-Frau, die auf Heavy Metal steht und das kapitalistische Prinzip komplett verinnerlicht hat. „Sentimentalität ist dumm“, lautet ihr Credo, und so lässt sie eine ganze Busladung von Pflegetöchtern für sich arbeiten. Donnerstags, wenn die Leute ihre Altkleidersäcke an die Straße stellen, ist die Truppe immer schon vor den offiziellen Sammeldiensten zur Stelle, und die Beute wird anschließend auf Trödelmärkten feilgeboten. Astrid ist zunächst empört darüber, dass Rena sogar Astrids eigene Designerklamotten verkaufen will, doch sie realisiert bald, dass Rena bei aller Abgebrühtheit im Grunde doch fair und anständig ist. Die beiden werden ein gutes Team, und Astrid übernimmt Renas Stil, färbt sich die Haare dunkel, lackiert sich die Nägel schwarz und sieht bald wie ein Fan von Marilyn Manson aus. So könnte Astrid getrost in aller Ruhe den Tag ihrer Volljährigkeit abwarten, doch als unverhofft zwei Kunststudentinnen bei ihr auftauchen, um Grüße von Ingrid zu übermitteln, deutet sich bereits an, dass die Mutter nicht sang- und klanglos aus Astrids Leben verschwinden wird. Einige Zeit später stellt sich Susan Valeris (Kali Rocha) bei Astrid vor. Sie ist Ingrids Anwältin und vertritt sie bei einer Neuauflage des Prozesses, bei dem Ingrid ihre Unschuld beweisen will. Unverholen bietet Susan Astrid Geld für ein Auto oder für ihre Ausbildung an, falls sie bereit wäre, Ingrid vor Gericht zu entlasten. Astrid schlägt das Angebot aus, lässt sich aber von Rena ins Gewissen reden. So einfach, meint Rena, solle Astrid ihre Mutter nicht davonkommen lassen. Und so macht sich Astrid, inzwischen eine selbstbewusste junge Frau, noch einmal auf in das Gefängnis. Vieles gibt es zu klären, das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter beispielsweise, aber auch Astrids Vergangenheit und nicht zuletzt ihre Zukunft. Es wird Zeit für offene Worte und unmissverständliche Taten. Astrid macht Ingrid ein verblüffendes Angebot: Sag’ du mir die Wahrheit, dann lüg’ ich für dich vor Gericht...

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