Filmkritik - Vollidiot (2007)
 
 

Vollidiot

Regie: Tobi Baumann
Darsteller: Tommy Jaud, Julia Stinshoff
Laufzeit: 102min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Komödie (Deutschland)
Verleih: Senator Film Verleih
Filmstart: 12. April 2007
Bewertung: 8,7 (10 Kommentare, 6 Votes)
Simon Peters (OLIVER POCHER), Berater im Mobilfunkladen, wird bald 30 und ist schon am Ende. Wörtlich mindestens ebenso wie metaphorisch. Das Fenstersims, auf dem er steht, ist schmal und liegt im vierten Stock. Polizei und Feuerwehr stehen unten bereit, der Psychologe quasselt unentwegt etwas von „Nicht die Nerven verlieren!“ und Paula (TANJA WENZEL) beschwört ihn aus dem Nebenfester, dass sie doch Freunde seien. Simon ist verwirrt. Am meisten nervt ihn aber der Psychologe mit seinem „Wir haben doch alle unsere Probleme“-Geschwätz. Er muss ihn stoppen, das ist sein einziger Gedanke: „Jetzt halt doch mal die Fresse, du Psycho-Clown!“, brüllt er, rutscht aus und fällt... Rückblende Simon sitzt in seiner karg eingerichteten Wohnung in Köln. Er ist eben eingezogen, die Umzugskartons stehen noch in der Ecke. Tina hat ihn rausgeworfen. Simon versucht, sich mit ein paar Flaschen Bier zu trösten. Umsonst. Dabei hatte er gedacht, dass er Tina schnell vergessen würde. Einfach im „Lauschgift“, seinem Lieblingsclub, die nächsterreichbare Schönheit ansprechen und schon wäre er wieder im Spiel. Dachte er. Die Praxis belehrte ihn aber schnell eines Besseren. Die Frauen interessieren sich überhaupt nicht für ihn, mit dieser bitteren Erkenntnis fängt er sein neues Leben an – als Single. Leider sind die Tage für Simon auch nicht schöner als die Nächte. Im Mobilfunkladen, wo er als Verkäufer arbeitet, nerven ihn die Kunden mit dummen und arroganten Wünschen. Der eine will seinen Klingelton wieder haben, der andere sein Kamerahandy nicht mehr, und alles natürlich sofort und gratis. Selbst ein Urlaub im Single-Club auf den Kanaren endet für Simon mit einem „zwischenmenschlichen 11. September“. Spätestens jetzt ist klar, dass er sich fürs erste mit seinem Schicksal abfinden muss: Er ist allein. Und was würde diesen Status besser dokumentieren als – ein Single-Sessel? Also macht Simon sich zu Ikea auf, wo er wie erwartet auch sofort und aufs Unbarmherzigste mit der Erbärmlichkeit seiner Existenzform konfrontiert wird. Überall knutschende, glucksende Spießerpärchen, die ihr kleines Nest für sich und ihren schreienden Nachwuchs bauen. Und dann kommt auch noch dieser widerlich hilfsbereite Ikea-Verkäufer angedackelt und will ihm unbedingt einen Zwei- , ja einen Dreisitzer andrehen. Simon gerät außer sich. Nein, er habe keinen Dreisitzer bestellt: „Es ist ein EINsitzer! Ein SINGLEsessel! Ich bin ALLEINE!“, schreit er den Verkäufer an. Wieder zuhause angekommen, seine IKEA-Errungenschaft mühsam vor sich hertragend, empfängt ihn Lala, seine kroatische Putzfrau, mit der treusorgenden Frage, ob er einsam sei, wegen des Singlesessels und so. Weil Simon das mit halbem Mund bejaht, empfiehlt sie ihm eine Kundin von ihr. Sie sei sehr nett und heiße Dörte. Simon lehnt entgeistert ab. Soweit kommt´s noch, dass seine Putzfrau ihm die Frau besorgt. Was soll er denn einst seinen Kindern erzählen? Aber es kommt noch härter. Seine geliebte „Scheinbar“ gibt´s nicht mehr. An deren Stelle prangt jetzt eine Filiale der All American Coffee Company. Vanille-Aroma-Kaffee statt Mai Thai. Schlimmer geht´s nimmer, ist Simon überzeugt. Geht es doch. Als die Erinnerung hochkommt, dass Tina ihm in der „Scheinbar“ von dem Kind erzählt hat, dass sie von einem Anderen erwarte, da wird Simon ganz still. Die nächste Überraschung folgt am Morgen danach. Simons Mobilfunkladen hat jetzt magentafarbene Vierecke über der Tür. Und die Filialchefin, von allen nur „die Eule“ (ANKE ENGELKE) genannt, zitiert Simon in ihr Büro. Wie er dazu komme, einer Achtjährigen einen Zwei-Jahres-Vertrag zu verkaufen. Simon gibt sich ungerührt, verspricht aber, die Sache aus der Welt zu schaffen. Im Aufenthaltsraum trifft er auf Flik, der gerade ein Post-It mit dem Wort „armario“ auf den Schrank klebt. Es stellt sich heraus, dass Flik nicht nur einen Spanisch-Kurs besucht, sondern dort auch eine Frau kennen gelernt hat. Mit Daniela (DANIELA PREUSS) könnte es was Ernstes werden, bekommt Simon zu hören. Das ist zu viel. Der dicke Flik und eine Frau, womöglich auch noch eine hübsche? Simon geht vor den Mobilfunkladen und ruft Dörte an. Die ist von der Einladung ganz angetan und schlägt gemeinsames Kochen vor. Simon ist wenig begeistert, aber in der Not... Sie wissen schon. Allerdings übertreibt Dörte derart maßlos in ihrem Eifer, die beste Pancetta-Seewolf-Pasta aller Zeiten auf den Tisch zu zaubern, dass Simon schnell der Appetit auf mehr vergeht. Außerdem gackert sie ihm entschieden zu viel herum. Simon wirft sie raus. Aber zum Glück gibt es ja Steve (TOMAS SINCLAIR SPENCER). Der serviert ganz hervorragende Mai Thais, außerdem ist sein Irish Pub ganz in der Nähe. Und er ist immer auf der Jagd nach einer hübschen Maus. Sein Terrain ist das „Lauschgift“. Paula und Simon begleiten ihn. Aber während Paula schon nach wenigen Minuten heftig mit einem fremden Mann knutscht, hängen ihre Kumpel schwer frustriert an der Bar ab. Schließlich ergreift Steve die Initiative. Die beiden attraktiven Frauen, die er seit längerem beobachtet, zeigen eindeutig Interesse, da ist er ganz sicher. Und tatsächlich – Katja (JULIA STINSHOFF) und Petra (JANA PALLASKE) lassen sich auf die beiden ein. In einem seltenen Anfall von gutem Timing hatte Simon eine Boygroup-Parodie aufs Parkett gezaubert und die beiden hübschen Stewardessen beeindruckt. Man einigt sich schnell, den Abend bei Simon ausklingen zu lassen. Die Männer sind Feuer und Flamme und anfangs läuft auch alles ganz hervorragend. Die Frauen lachen, eine Wasserpfeife macht die Runde, Simon gelingen einige gute Gags. Aber dann vergreift er sich beim fröhlichen Blinde-Kuh-Filmtitel-Ratespiel in seiner DVD-Sammlung und hält plötzlich das Cover von „Spermageile Stewardessen“ in den Händen. Für Katja und Petra hat der Spaß damit ein Ende. Sie gehen und lassen die beiden Männer verdattert zurück. Was kann man nur gegen Pornos haben? Simons nächste folgenschwere Idee: Er fährt mit Flik zur Wohnung des achtjährigen Mädchens mit dem Zwei-Jahres-Vertrag. Niemand ist zu Hause und während Flik aufpasst, bricht Simon ein und klaut das Handy. Wieder zurück, steht Simon vor dem leeren Auto. Flik ist getürmt. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt sieht Simon ihn am Straßenrand nach einem Taxi winken. Er lädt ihn zum Essen ein. Bald stehen sie mit zwei dicken Burgern vor dem verhassten All American Coffee Shop. Simon wirft eine Gurkenscheibe gegen das Fenster, Flik tut es ihm gleich: Gurkenrennen heißt das Spiel, eine beliebte Freizeitbeschäftigung der beiden. Mitten in der Entscheidung, Simon feuert seine Gurke mit letztem Einsatz an, taucht plötzlich eine Kellnerin aus der Tiefe des Raumes auf. Es ist Marcia P. Garcia (ELLENIE SALVO GONZÁLEZ), eine umwerfend schöne Mittzwanzigerin aus Bergisch-Gladbach. Simon ist wie vor den Kopf getroffen: Das ist sie, seine Traumfrau, die Mutter seiner Kinder, die Frau fürs ganze Leben. Er will sie heiraten, morgen, gleich, sofort. Flik versucht, ihn zu bremsen, er kenne sie doch gar nicht, aber Simon ist sicher: Er hat sich eben unsterblich verliebt. Bleibt nur ein Problem: Wie soll er Marcia ansprechen? Klar, am Counter, aber dann? Simon beschließt, Paula um Rat zu fragen...

Kommentare

(10) jayem vergibt 7 Klammern · 06. Mai 2007
Den Film kann man echt sehen . Es ist zwar eher eine aneinanderreihung von Witzen wie in einem Comedyprogramm von zB Oliver Pocher als ein Film aber die Witze sind teilweise richtig gut und das ganze ist einigermaßen unterhaltsam. Einen perviden solzailkritischen Film mit tiefgängingen Characteren und feinen Anspielungen mit guten Schauspielern darf man natürlich nicht erwarten, wobei der Humor hier so doof nun auch wieder nicht ist aber weit entfernt von der Genialität.
(9) Moe2001 vergibt 9 Klammern · 16. April 2007
Kann mich meine Vorschreibern nur anschließen. Man denkt erst es ist ein etwas dummer Film aber er ist echt sehr gut gemacht. War das Geld auf jeden Fall wert! :)
(8) Torpedo_1985 vergibt 9 Klammern · 16. April 2007
Einfach nur genial! Obwohl ich kein Pocher-Fan bin, muss ich sagen: Super Film !!! Ich war am SA drin und war echt positiv überrascht nachdem, was man so gehört hatte. Also 9 Punkte ;-) Und nicht vergessen: "Die Kanalstraße wird einspurig, wegen der Wanderbaustelle!"
(7) Fusioned vergibt 9 Klammern · 16. April 2007
Dafür, dass der Pocher kein Schauspieler ist, hat er seine Sache echt gut gemacht. Die Art des Hauptprotagonisten kam dem Charakter von Oli Pocher eigentlich schon Recht nahe. Es passte. Habe mich köstlich amüsiert!
(6) Apolike vergibt 8 Klammern · 14. April 2007
Bei meinen Vorrednern bin ich mir nicht so sicher, voreingenommenheit zahlt sich nicht aus. Und überhaupt ohne den Film vorher zu sehen einen Kommentar abzulassen muss nicht sein. Ich habe mir den Film Freitag angesehen, und ich muss sagen Hut ab! Das war wirklich mal ein sehr guter und lustiger Film. Nur manchmal hatte ich den Eindruck in einem langen Werbefilm zu sein, das hat aber keinen Abbruch getan, deshalb gebe ich 8 Punkte.
(5) heino63 · 13. April 2007
Also ich hab das Buch gelesen, es ist wirklich gut und witzig und irgendwie konnte man sich fast mit der Hauptfigur identifizieren. Aber seit ich weiß, dass Pocher den jetzt spielen soll, kann ich das nicht mehr. Schade, dass man unbedingt ihn nehmen mußte. Ich kann ihn nämlich nicht mehr sehen. Dennoch werde ich wohl in den Film gehen, weil ich wissen will, wie nah er am Buch ist. Vlt belehrt mich Herr Pocher ja eines besseren.
(4) scarl · 08. April 2007
man muss schon sehr den Bezug zur Realität verloren haben um von den Darstellern etwas auch nur einigermassen Sehenwertes zu erwarten, das einzigst reale was ich sehe, ist der Titel und die Person welche in verkörpert, obwohl mir bei Pocher noch ganz andere Bezeichnungen einfallen^^
(3) knueppel · 06. April 2007
das buch ist gut, die auswahl der hauptrolle wirkt auf mich irgendwie sehr unpassend ...naja
(2) AlexxB · 02. April 2007
Will jemand diesen Mist der deutschen "Kinoindustrie" tatsächlich sehen ?
(1) Enigma_iMPACT vergibt 10 Klammern · 01. April 2007
Film wird bestimmt geil, kenn das Hörbuch von Tommy Jaud wo Christoph Maria Herbst Spricht, es ist einfach genial. Also schauts euch an, ich werds tun^^ mfg
 

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