Filmkritik - Tsotsi: Ein Junge aus dem Getto (2005)
 
 

Tsotsi: Ein Junge aus dem Getto

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,3)
Original: Tsotsi
Regie: Gavin Hood
Darsteller: Zenzo Ngqobe, Kenneth Nkosi
Laufzeit: 90min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama, Krimi (Großbritannien, Südafrika)
Verleih: Kinowelt Filmverleih
Filmstart: 04. Mai 2006
Bewertung: 8,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
In einem Slum am Rande der südafrikanischen Stadt Johannesburgs hat der 19jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) alle Erinnerungen an seine Vergangenheit verdrängt – sogar seinen echten Namen. ‚Tsotsi‘ bedeutet im Straßenslang des Ghettos einfach Schläger oder Gangster. Schon als kleines Kind verwaist und genötigt, sich alleine den Weg zum Erwachsensein zu erkämpfen, lebt Tsotsi ein Leben der extremen sozialen und psychischen Entbehrung. Längst führt er ein verwildertes Dasein ohne viel Verständnis für die Gefühle anderer und hat sich selbst gegenüber jeglicher Leidenschaft verhärtet. Nur Impuls und Instinkt leiten ihn, und die Angst, die er anderen einflößt, treibt ihn immer weiter an. Ohne Namen, ohne Vergangenheit und ohne Plan für die Zukunft existiert er nur in der düsteren Gegenwart. Dabei weiß Tsotsi seine eigene Gang hinter sich – eine Ansammlung sozialer Außenseiter: Boston, einen gescheiterten Lehrer (Mothusi Magano), Butcher, einen kaltblütigen Mörder (Zenzo Ngqobe) und das dümmliche Schwergewicht Aap (Kenneth Nkosi). Eines Nachts, als in einem örtlichen Shebeen (einer illegalen Schnapsbar) der Alkohol reichlich fließt, setzt der betrunkene Boston Tsotsi unter Druck, etwas aus seiner Vergangenheit zu enthüllen, und sei es auch nur seinen echten Namen. Tsotsi antwortet nichts, doch die Fragen wecken lang unterdrückte, schmerzhafte Erinnerungen, die er lieber weiterhin verdrängt hätte. Die anderen Bandenmitglieder spüren den Ärger in Tsotsi aufsteigen und versuchen die Nachfragen zu bremsen, doch Boston bohrt immer weiter. Plötzlich wird Tsotsi handgreiflich und zertrümmert Bostons Gesicht mit seinen Fäusten – ein kurzer, aber extremer Ausbruch der Gewalt. Tsotsi flieht kurzerhand und läuft blindlings davon, verzweifelt versucht er, dem Schmerz der unfreiwillig wieder heraufbeschworenen Bilder zu entkommen. Er hört erst auf zu Laufen, als er das Elendsviertel längst hinter sich gelassen hat und sich in einem der wohlhabenderen Vororte befindet. Es regnet in Strömen und Tsotsi bricht erschöpft unter einem Baum zusammen. Von dort aus beobachtet er eine Frau, die Schwierigkeiten hat, das elektrische Tor ihrer Einfahrt mit der Fernbedienung zu öffnen. Tsotsi zieht seine Pistole – eine leichte Gelegenheit für einen spontanen Überfall mit Autoraub. Doch während er in dem eleganten BMW der Frau davonrast, hört er das Schreien eines Kindes: auf dem Rücksitz liegt ein drei Monate altes Baby. Tsotsi verliert die Kontrolle über das Auto und kommt nach einem Crash am Rande einer abgelegenen Straße zum Halten. Das Auto ist ein Totalschaden. Mühsam taumelt Tsotsi aus dem Autowrack und läuft davon. Doch das Baby schreit, und nach einigen Schritten kehrt er um. Kaum schaut Tsotsi das Kind an, beruhigt es sich leicht, was denn Gangster verunsichert. Ein unbekanntes Gefühl steigt zögerlich in ihm auf: ein Impuls, der über den eigenen Überlebenswillen hinausgeht. Plötzlich packt er das Baby, steckt es in eine große Einkaufstasche aus Papier und macht sich zu Fuß auf den Rückweg in die Slums. Tsotsi erzählt niemandem von dem Kind und versteckt es vor seiner Gang. Zunächst glaubt er, sich alleine um das Baby kümmern zu können, nimmt es mit in seine Hütte und versucht es mit Dosenmilch zu füttern. Doch bald erkennt er, dass er mit der Situation überfordert ist, denn das Baby schreit ohne Unterlass und seine Fütterungsversuche scheitern kläglich. An der Wasserstelle der Gemeinde sieht Tsotsi von weitem eine junge Frau mit Baby und folgt ihr heimlich bis nach Hause. Dort drängt er sich gewaltsam mit in ihre Hütte und zwingt die panische Frau mit Waffengewalt, „sein“ Baby zu stillen. Die junge Mutter Miriam (Terry Pheto) ist selbst nur ein paar Jahre älter als Tsotsi. Ihr Ehemann ist kürzlich einem tödlichen Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, so dass sie allein mit ihrem Baby lebt und sich einen kargen Lebensunterhalt als Näherin verdient. Zunächst ist sie völlig verängstigt, aber nach und nach übernimmt Miriam nicht nur die Rolle der Mutters für das Baby, sondern auch die der Mentorin für den abgestumpften jungen Gangster. Während die Beziehung der beiden sich zaghaft weiterentwickelt, sieht sich Tsotsi gezwungen, sich seinem gewaltsamen Wesen und seiner Vergangenheit zu stellen.

Kommentare

(1) upi vergibt 8 Klammern · 04. Mai 2006
Schildert ziemlich hart eine Story aus den Townships Südafrikas. Bezieht sich aber eher Zustände der späten 60iger und 70iger Jahre, scheint aber Heute zu spielen. Zum Teil überzogen, zum Teil auch etwas langatmig, aber auf jeden Fall sehenswert.
 

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