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Filmkritik - Tarnation (2003)
 
 

Tarnation

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,2)
Regie: Jonathan Caouette
Darsteller: Jonathan Caouette, Michael Cog
Laufzeit: 94min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Dokumentation (USA)
Verleih: Arsenal Filmverleih
Filmstart: 08. Juni 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Tarnation ist das inspirierende Selbstportrait des 33-jährigen Regisseurs Jonathan Caouette, das sein chaotisches Heranwachsen in einer gestörten texanischen Familie dokumentiert sowie die liebevolle Beziehung, die sich zu seiner geistig kranken Mutter Renee entwickelt. Der Film beginnt mit der frühen Geschichte von Caouettes Familie. Seine Großeltern Adolph und Rosemary heirateten 1951 und lebten ein Mittelklasse-Leben in einem Vorort von Houston. Als sie sich jedoch entschließen, ihre Tochter Renee mit einer Schocktherapie behandeln zu lassen, nachdem bei ihr mentale Veränderungen vermutet werden, entgleitet ihnen ihr anfänglich idyllisches Leben. Renee ist nach zwei Jahren Schocktherapie ernsthaft verändert, führt ein von mentaler Erkrankung, physischem Missbrauch und einer scheinbar endlosen Serie von Krankenhausaufenthalten geprägtes Leben. Einzig die Geburt ihres Sohnes Jonathan im Jahr 1972 versöhnt sie mit sich selbst. Zwei Jahrzehnte lang wächst Jonathan vor der Kamera auf, er entwickelt eine unzerstörbare, oft herzzerbrechende Beziehung zu Renee, in deren Verlauf er auch seine eigenen persönlichen Schwierigkeiten kennen lernt – eine Persönlichkeitsstörung, bei der sich Körper und Gedanken voneinander getrennt anfühlen. Caouette nutzt das Filmemachen und diverse Dokumentationsmittel, um seinem Alltagswahnsinn zu entfliehen, aber auch als Mittel zur Heilung – er entzieht sich seiner rauen Existenz durch die sichere, kontrollierte Welt des Kinos und des Scheins. Underground-Filme fesseln ihn, Musiktheater und die alternative Schwule Kultur, und er sehnt sich nach dem Tag, an dem er aus Texas fliehen und sein eigenen Leben leben kann. Als junger Erwachsener zieht Caouette nach New York City, wo er ein sicheres, liebevolles Zuhause mit seinem Freund findet. Seine Beziehung zu Renee gewinnt noch an Tiefe nach ihrer Überdosis Lithium, da von Caouette Opferbereitschaft, Mitgefühl und ein wahrer Liebeserguss gefordert wird. In Tarnation enthalten sind Caouettes persönliche Fotographie- Sammlung, seine eigenen Filme, Hörspiele, Video-Tagebücher, Anrufbeantworter-Nachrichten, Filmclips aus Hollywood, Popmusik-Mitschnitte und Ausschnitte seiner eigenen Kurzfilme. Auch wenn Tarnation unleugbar ein Dokumentarfilm ist, so erweitert er jedoch seine Thematik um die Geschichte der Populärkultur des 20. Jahrhunderts und ein Familienleben, das sich als kollektiver Fiebertraum darstellt. Caouettes vernichtende, aber gleichwohl hoffnungsvolle Vision ist eine eindrucksvolle und bewegende Untersuchung der ruhelosen Seele Amerikas und zugleich eine musikalische Zeitreise.

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