Filmkritik - Spuren im Eis - The Prize of the Pole (2006)
 
 

Spuren im Eis - The Prize of the Pole

DVD / Blu-ray :: IMDB (5,6)
Original: The Prize of the Pole
Regie: Staffan Julen
Darsteller: Robert Peary
Laufzeit: 79min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Dänemark)
Verleih: Salzgeber & Co. Medien
Filmstart: 03. Mai 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
„Endlich der Pol! Der Lohn von drei Jahrhunderten! Mein Traum und mein Ziel seit 20 Jahren! Endlich mein! Ich kann es nicht fassen. Alles erscheint so einfach und so alltäglich. (...) Natürlich war ich von meinen Gefühlen so überwältigt, dass trotz äußerster Erschöpfung nicht an Schlaf zu denken war - es ist ein Gefühl, das man nur einmal im Leben hat.“ So beschreibt der Forscher Robert E. Peary seine langersehnte Ankunft am Nordpol am 6. April 1909 in seinem Tagebuch. „Traum und Ziel“ seines Lebens waren erreicht, als er als erster Mensch (so proklamierte er) den Pol erreichte und damit seine Forscherlaufbahn krönte. Schon vor seinem Tod 1920 wurden allerdings Zweifel an Pearys Darstellung seines Erfolges laut, die sich vor allem an dem eigenartig schnell zurückgelegten Rückweg entzündeten. Aber auch sonst war Peary eine schillernde Figur – aus einer Zeit, in der es noch schwarze Löcher auf der Weltkarte gab, in der man noch mit mitleidigem Seitenblick auf andere, vermeintlich ‚rückständige’ Völker die Erfolgsgeschichte der Zivilisation schrieb, in der man die weltumspannende Ausbreitung der westlichen Kultur als Naturgesetz verstand und gleichzeitig höchst wissenschaftlich fundiert das Bild des ‚glücklichen Wilden’ ausmalte. Aus dieser Perspektive waren die Diskussionen um die Erforschung der Polargebiete eine Reflexion der westlichen Wissenschaften über ihre eigenen Erfolge – wie das Ganze von den dabei ‚Erforschten’, den damals ‚Eskimos’ genannten Ureinwohner Grönlands wahrgenommen wurde, ist eine andere Geschichte. Beide Geschichten, beide Perspektiven werden in diesem Film erzählt. DER PREIS DES POLS hat zwei Protagonisten, deren Leben maßgeblich von den Forschungsreisen Pearys beeinflusst wurden. Regisseur Staffan Julén begleitet einen der Urenkel des Wissenschaftlers, der sich nach dem berühmten Vorfahren Robert Peary II genannt hat, aber Inuit ist und aus einer Verbindung Pearys mit einer Grönländerin stammt. Dieser Nachfahre folgt den Spuren des Urgroßvaters und erzählt gleichzeitig die Lebensgeschichte von Minik, einem Inuit, den Peary 1897 mit fünf weiteren Grönländern in die USA mitnahm. Sowohl in Robert Peary II.s als auch in Miniks Geschichte werden Fragen nach kultureller Identität, nach Heimat, dem Selbstverständnis der Naturwissenschaften und dem Verständnis von anderen Kulturen laut – Peary, der Inuit mit dem ‚fremden’ Vorfahren, spiegelt sich dabei im Schicksal Miniks, des Inuit ‚in der Fremde’ und diese Spiegelung zeigt, wie weit die Folgen des wissenschaftlich verbrämten Kolonialismus reichen.

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