Filmkritik - Sin City (2005)
 
 

Sin City

DVD / Blu-ray :: IMDB (8,1)
Regie: Quentin Tarantino, Frank Miller, Robert Rodriguez
Darsteller: Benicio Del Toro, Jessica Alba
Laufzeit: 124min
FSK: ab 18 Jahren
Genre: Action (USA)
Verleih: Buena Vista International
Filmstart: 11. August 2005
Bewertung: 9,0 (3 Kommentare, 3 Votes)
Lange schon gibt es niemanden mehr, der Basin City noch bei ihrem eigenen Namen nennt. Sin City – dies ist der Name, der hängen geblieben ist für diese Metropole, Hort der Hoffnungslosen, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse längst verschwommen sind, in dem man Helden nicht von Bösewichtern unterscheiden kann, in dem die Bewohner eines gemeinsam haben: Keiner ist unschuldig, aber alle kämpfen um das letzte bisschen Würde, das ihnen noch geblieben ist. „STADT OHNE GNADE“ Marv (MICKEY ROURKE) ist ein Ungetüm von Mann, ein Monster, ein Schläger, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht, der so unerbittlich ist wie seine eisenharten Fäuste. Freunde? Fehlanzeige. Feinde? Wer könnte sie jemals zählen? Weggefährten? Wenige, und auch dann nur temporär. Kurzum: Marv ist Sin Citys bester Bürger. Körperkontakt kennt er nur, wenn seine Pranken auf die Kinne, Mägen, Kehlköpfe seiner Kontrahenten treffen. Doch in dieser Nacht ist alles anders: Die bildschöne Goldie (JAIME KING) hat sich in seine kräftigen Arme geflüchtet. Ausgerechnet in Marvs Arme. Er kann sein Glück nicht fassen. In dieser einen Nacht erhält er all die Liebe, auf die er bislang immer verzichten musste, von einem Engel, einer Erscheinung. Am nächsten Morgen, als Marv mit schwerem Kopf neben ihr erwacht, ist Goldie tot – ermordet während er schlief, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Es bleibt keine Zeit, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wer der Mörder gewesen sein könnte. Denn Marv ist klar, dass der Täter die Situation ausnutzt, um den Mord ihm in die Schuhe zu schieben. Erfüllt von unfassbarer Wut gelingt Marv in letzter Sekunde die Flucht vor der heraneilenden Polizei. Er findet kurz Unterschlupf bei seiner Bewährungshelferin, der Lesbierin Lucille (CARLA GUGINO), und eilt dann weiter, um denjenigen ausfindig zu machen, der ihn hintergehen wollte. Im Kadie’s tanzt die bildschöne Nancy (JESSICA ALBA) ihren lasziven Tanz, aber Marv hat keine Augen für sie. Er verbreitet die Nachricht, dass sein Herz gebrochen ist wegen des Todes von Goldie. Und muss nicht lange warten, bis ihn zwei Killer in eine dunkle Gasse bitten. Sie haben keine Chance. Bevor sie ihr Lebenslicht aushauchen, erhält Marv die nötige Information. Unerbittlich kämpft sich Marv voran, schließlich landet er in der Kirche im Beichtstuhl beim Priester (FRANK MILLER). Aber Marv steht nicht der Sinn nach Beichte, sondern nach Rache. Der Priester kann noch einen Namen nennen, bevor er das Zeitliche segnet. Ein Name, der selbst Marv das Blut in den Adern gefrieren lässt: Roark. Roark (RUTGER HAUER), der mächtigste Mann von Sin City, der Senator und Kardinal der Stadt... Marv macht sich auf den Weg zu einer Farm vor den Toren von Sin City, ein Anwesen des allmächtigen Roark, und macht eine erschütternde Entdeckung: Er stößt auf einen Wolf, dessen Geruch selbst einen mit allen Wassern gewaschenen Kämpfer wie Marv innehalten lässt: der Geruch von menschlichem Blut. Lange kann Marv nicht darüber nachdenken. Eine Gestalt hat sich klammheimlich und ohne jede Emotion angeschlichen und streckt ihn nieder. Als er wieder erwacht, befindet sich Marv gefesselt in einem Kellergewölbe. Mit sechs säuberlich abgetrennten Frauenköpfen. Mit Lucille, die noch am Leben ist. Sie berichtet, dass sie überwältigt wurde und dann wieder erwachte von einem Geräusch, das sie für immer traumatisiert hat: Ihr Peiniger verspeiste vor ihren Augen ihre Hand. Kevin (ELIJAH WOOD), der Kannibalenkiller und Protegé von Kardinal Roark. Auf einmal ist Marv näher dran an der Aufklärung des Mords an seiner Goldie, als er es sich hätte träumen lassen... „DAS GROßE STERBEN“ Einst war Dwight (CLIVE OWEN) ein erfolgreicher Fotojournalist, doch das ist lange Jahre her. Jetzt driftet er nurmehr ziellos durch Sin City, um der Vergangenheit entweder zu entfliehen oder die Ereignisse von damals einfach zu vergessen. Die Nacht hat er bei der attraktiven Shellie (BRITTANY MURPHY) verbracht. Aber Dwight kann nicht verweilen. Denn Shellies Lover Jackie Boy (BENICIO DEL TORO) verlangt polternd Einlass. Man sollte glauben, Shellie müsste aus Schaden klug geworden sein, doch wie immer gibt sie nach und lässt Jackie in ihre Wohnung, der mit seinen nicht minder überdrehten Kumpels sofort wieder Stunk macht. Wie immer steigert sich Jackie Boy in bester Psychopathenmanier in seine Wut hinein. Er zückt bereits sein Rasiermesser, um Shellie eine Lektion zu erteilen, da tritt Dwight aus seinem Versteck und nimmt sich Jackie Boy vor. Bevor der sich erholen kann, ist Dwight bereits unterwegs zu den Mädchen von Old Town. Die Huren von Sin City haben Dwight damals geholfen, als es ihm beinahe an den Kragen gegangen war. Heimlich ist die Anführerin der perfekt organisierten Prostituierten, Gail (ROSARIO DAWSON), immer schon in Dwight verliebt gewesen, obwohl er diese Liebe nie erwidert hat. Souverän herrscht sie über Old Town, auch weil sie es war, die einen fragilen Waffenstillstand mit der Polizei und der Mafia vereinbart hat: Sie lassen die Huren in Frieden – im Gegenzug erhalten sie Unterstützung, wenn sie Partys feiern wollen. Und vor allem: Die Huren haben versprochen, keinem Cop in Old Town jemals ein Haar zu krümmen. Weil Dwight mitgehört hat, dass Jackie Boy und seine Kumpels die Mädels von Old Town aufmischen wollen, will er Gail und ihre Freundinnen warnen. Doch die haben bereits Wind von der Sache bekommen und haben Jackie Boy und seiner Clique eine Falle gestellt. Stets überwacht von der gewandten und absolut tödlichen Miho (DEVON AOKI), die die Geschehnisse in den Schatten und auf den Simsen der Gebäude kontrolliert, immer bereit ihre todbringenden Wurfsterne oder ihr Samuraischwert zu zücken, lockt eines der Mädchen die immer aggressiveren Jungs in eine Sackgasse. In ihr Verderben. Als Jackie Boy und die anderen die Falle erkennen, ist es bereits zu spät. Miho kennt keine Gnade. Mit einigen wenigen gezielten Hieben ihres Schwerts hat sie die Freunde von Dwight – quasi im Handumdrehen – erledigt. Nur noch Jackie ist übrig und legt nun mit seiner Knarre auf Miho an. Er weiß, dass er keine Chance hat, aber das ist dem übergeschnappten Psychopathen egal. Doch bevor er abdrücken kann, schleudert Miho einen kleinen Stab in die Öffnung von Jackie Boys Waffe. Sie explodiert in seiner Hand. Der Lauf löst sich von der Pistole und schießt förmlich in Jackie Boys Stirn. Er ist tot. Die Mädchen räumen bereits die Leichen auf, da findet Dwight in Jackie Boys Taschen etwas, das ihm eine Gänsehaut den Rücken herunter laufen lässt. Eine Marke. Eine Polizeimarke. Jackie Boy war nicht einfach nur ein Irrer. Er war ein Polizist. Und mit seinem Mord sind alle Waffenstillstände zwischen Polizei und Prostituierten hinfällig. Sin City steht mit einem Mal vor einem Krieg, wie ihn die Stadt noch nicht gesehen hat. Es sei denn, Dwight gelingt es, die Leichen an allen Polizeisperren vorbei zu schmuggeln und verschwinden zu lassen. Das ist er den Mädchen schuldig. Auch wenn er weiß, dass es ein Himmelfahrtskommando ist... „DIESER FEIGE BASTARD“ Eine Stunde noch, dann ist alles vorbei für John Hartigan (BRUCE WILLIS). Eine Stunde noch, dann wird der letzte und einzige aufrechte und ehrliche Cop von Sin City in Pension geschickt. Aber auch, wenn es seinem eindeutig weniger integren Partner Bob (MICHAEL MADSEN) nicht passt: Einen Job muss Hartigan noch erledigen, obwohl ihm seine chronische Herzschwäche wieder einmal den nötigen Atem raubt. Die elfjährige Nancy ist entführt worden. Und von einem Informanten hat Hartigan erfahren, wo sie und ihr Entführer stecken. Hartigan beißt sich durch. Keiner kann ihn aufhalten. Bob nicht und auch nicht die Handlanger des Entführers – der perverse Junior (NICK STAHL), der Sohn von Senator und Kardinalsbruder Roark (POWERS BOOTHE), der die Macht des Vaters nutzt, um sich an jungen Mädchen zu vergehen. Doch heute Nacht nicht. Dafür sorgt Hartigan. Er stellt Junior und seine Geisel an einem einsamen Pier. Unerbittlich entleert er sein Magazin in den Entführer. Schießt ihm die Hände ab, zwischen die Beine. Er soll keine Mädchen mehr vergewaltigen können. Doch bevor er den Job vollenden kann, kommt ihm der korrupte Bob in die Quere, der Hartigan niederstreckt. Langsam wird Hartigan schwarz vor Augen. So fühlt es sich an zu sterben. Als Hartigan wieder erwacht, befindet er sich im Krankenhaus, am Leben erhalten von zahllosen Schläuchen. Roark ist bei ihm. Und gibt ihm ein erschütterndes Versprechen. Er wird das Verbrechen so aussehen lassen, als wäre Hartigan der Päderast gewesen. Alle Welt wird sich von Hartigan abwenden. Seine Frau. Seine Kollegen. Seine Freunde. Er wird im Gefängnis verschimmeln. Gehasst und gebrochen. Doch bevor Hartigan ausgeschaltet werden kann, erhält er Besuch von Nancy, dem Mädchen, das er gerettet hat, für das er sich geopfert hat. Hartigan verbietet ihr, für ihn auszusagen – man würde ihr die Worte im Munde umdrehen. Stattdessen soll sie untertauchen, bevor man sie ausschalten kann. Nancy verspricht es ihm. Und dass sie ihm wöchentlich Briefe schreiben wird, unter dem Pseudonym „Cordelia“. Nur er wird wissen, dass die Briefe von ihr sind. Von da ab schweigt Hartigan. Egal wie viel Schmerzen ihm zugefügt werden, er gesteht nichts. Bleibt immer stumm. Für Nancy. Für sie findet er die Kraft, die schlimmste Folter zu überstehen. Schweigend. Am Leben gehalten in seiner einsamen Einzelzelle von den Briefen, die er wöchentlich erhält. Unterzeichnet „Cordelia“. Acht Jahre lang. Dann kommen die Briefe auf einmal nicht mehr. Hartigan ist verzweifelt. Ist Nancy etwas passiert? Hat sie ihn vergessen? Hasst sie ihn? Die Antwort sitzt eines Tages in seiner Zelle. Ein widerlich stinkendes gelbes Ungetüm. Er schlägt Hartigan nieder. Und lässt einen Briefumschlag von Cordelia zurück. Darin befindet sich ein abgetrennter Finger. Nancys Finger. Hartigan reagiert panisch. Und er weiß, dass er aus dem Knast raus muss. Er muss Nancy retten. Koste es, was es wolle. Und ahnt dabei nicht, halb wahnsinnig vor Furcht, dass es eine grausame Falle sein könnte, gestellt vom feigen Bastard, der lange schon darauf wartet, Hartigan Gleiches mit Gleichem zu vergelten...

Kommentare

(3) Animus vergibt 10 Klammern · 06. Dezember 2005
Ich würd fast sagen der beste Film dieses Jahr... etwas krank aber der s/w-rot mix macht ihn echt zum Kultfilm... unbedingt schaun..
(2) Nellyschen vergibt 10 Klammern · 30. September 2005
der is bombig :)
(1) tropicmoon vergibt 7 Klammern · 03. September 2005
Ganz netter Film - die Ästhetik der Gewalt. Ich habe den Film gestern mit meinem Mann angeschaut und wir sind der Meinung, dass er ok ist zum Schauen - not more not less :) - Gruß Heike
 

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