Filmkritik - Reine Chefsache (2004)
 
 

Reine Chefsache

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,5)
Original: In good Company
Regie: Paul Weitz
Darsteller: Philip Baker Hall, Selma Blair
Laufzeit: 109min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Drama, Komödie (USA)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 24. März 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Gestern war die Welt des 51-jährigen Dan Foreman (Dennis Quaid) noch in allerschönster Ordnung: glückliche Bilderbuchfamilie - liebende Ehefrau und zwei in jeder Hinsicht wohlgeratene Töchter - bilderbuchschönes Vorstadthaus und ein gutbezahlter Job als Anzeigenleiter des renommierten Magazins „Sports America“ in New York City. Heute ist mit einem Mal alles anders, und der sonst so jugendlich-frisch wirkende, vitale Mann in den sogenannten besten Jahren sieht plötzlich ganz schön alt aus. Aber der Reihe nach: Zuerst überrascht ihn seine Gattin Ann (Marg Helgenberger) mit der frohen Botschaft einer unerwarteten Schwangerschaft, obwohl alle - und nicht zuletzt sie selbst - sicher davon ausgegangen waren, dass die Wechseljahre bereits überstanden seien. Nun ja, sei’s drum, das Kind wird man schon auch noch geschaukelt kriegen. Dann verkündet die ältere Tochter Alex (Scarlett Johansson) ihrem nun auf einmal werdenden Vater, während sie ihn beim gemeinsamen Tennisspiel mitleidlos über den Platz jagt, dass sie doch eigentlich lieber das kostspieligere College besuchen möchte, woraufhin eine zweite Hypothek aufs Haus fällig wird. Aber für die Ausbildung des geliebten Nachwuchses sollte einem ja nichts zu teuer sein. Irgendwie wird Daddy das schon deichseln, hat er doch bis jetzt auch immer. Er verdient ja auch nicht schlecht. Fragt sich allerdings nur, wie lange noch. Denn inzwischen erreicht den gebeutelten Familienvater via TV die Nachricht vom überraschenden Verkauf seines Magazins an den multinationalen Mischkonzern Globecom, dem der milliardenschwere Wirtschaftsguru Teddy K. (Malcolm McDowell) vorsteht. Dan schwant Unheilvolles und in der „Sports America“-Redaktion bricht die blanke Panik aus, denn die rüden Globecom-Methoden sind in der Branche bekannt. Die schlimmsten Befürchtungen sind leider nicht unbegründet. Die gnadenlose Globecom-Leitung, allen voran der ebenso zynische wie opportunistische Manager Steckle (Clark Gregg), fegt mit eisernem Besen aus. Viele langjährige Mitarbeiter der Anzeigenabteilung werden kurzerhand an die Luft gesetzt. Dan wird allerdings nicht gefeuert, nein, es kommt fast noch schlimmer: Er wird innerbetrieblich degradiert, muss sein schönes Büro mit Fernblick räumen und bekommt den 26-jährigen (!) Harvard-Schnösel Carter Duryea (Topher Grace) als neuen Chef vor die Nase gesetzt. Dieser aalglatte und, wie sich schnell herausstellt, im Anzeigenverkauf komplett unerfahrene Karrierist führt in der Firma sofort die heilsbringenden Methoden ein, die die Hausbibel des sektenartig anmutenden Globecom-Konzerns in freundlich-optimistischem New-Age-Jargon ziemlich verbindlich vorschreibt: Konferenzen mit Anwesenheitspflicht am heiligen Familiensonntag, Basketball-„Freundschaftsspiele“ mit den lieben Kollegen aus anderen Abteilungen, fröhliches Motivationstraining am frühen Morgen auf nüchternen Magen. Besonders nervt aber das furchtbare New-Economy-Gequatsche von Synergie, Cross-Promotion, Rationalisierungs-, Deregulierungs- und Profitmaximierungsstrategien, das pausenlos aus dem Mund des kleinen Gernegroß heraussprudelt. Dan würde sich dieser schwachsinnigen Dauerbeschallung gerne entziehen, geht aber nicht, da sein neuer Chef zwar selbigen spielt, vom Business aber eigentlich keinen blassen Schimmer hat und sich deshalb wie eine Klette an ihm festsetzt. Das geht schließlich so weit, dass Carter sich selbst bei den Foremans zum Abendessen einlädt. Am Familientisch platziert er sich selbstbewusst zwischen den Töchtern des Hauses und verzehrt aufgeräumt und sichtlich entspannt die angelieferte Pizza, da der Hausfrau aus Schreck über sein plötzliches Erscheinen das ursprünglich geplante Menü leider auf den Küchenboden geklatscht ist. Hat Daddys neuer Miniaturboss eigentlich kein eigenes Privatleben? Nein, hat er nicht, das heißt, bis vor kurzem hatte er offiziell noch eines. Nämlich bis zu dem Zeitpunkt, als seine sträflich vernachlässigte Angetraute – wie war doch gleich ihr Name? – Ach ja! – Kimberly! (Selma Blair) - ihn nach nur siebenmonatiger Ehe sitzen ließ. Und da sitzt Carter nun mutterseelenallein zwischen seinen unterkühlten italienischen Schleiflackmöbeln, nachdem er spät abends mit seinem nagelneuen, bereits auf der Fahrt aus dem Autohaus demolierten Porsche in seine coole Betonstadtvilla heimgekehrt ist. Allein sein ebenso einsamer Fisch namens Buddy im großräumigen Aquarium dient ihm hier als Gesprächspartner. Vielleicht joggt Carter vor dem Schlafengehen auch noch eine Runde - auf seinem Laufband im Wohnzimmer vor dem elektrischen Kamin. Wozu also Feierabend machen? Eigentlich könnte er zusammen mit Kumpel Buddy auch gleich im Büro sein Quartier aufschlagen. Dabei ist er doch im Grunde genommen ein ganz netter Typ, so empfand es jedenfalls Alex, als Carter bei den Foremans am Abendbrotstisch saß, und das empfindet sie erneut, als sie – nunmehr frischgebackene Studentin und noch ein wenig fremdelnder Großstadtsingle – ihn unverhofft in der City wiedertrifft. Die beiden verbringen daraufhin einen wunderbaren Nachmittag miteinander, hocken in Cafés und bummeln durch die Straßen. Schließlich lädt Alex den Chef ihres Vaters sogar noch auf den berühmten Kaffee in ihr winziges Studentinnenwohnheimzimmer ein, wo kaum mehr als ein Bett hineinpasst und wo selbstredend kein Kaffee gekocht wird. Vielmehr kocht dort die Leidenschaft über, wobei eher Alex diejenige ist, die nichts anbrennen lassen will, und Carter sich als tendenziell schüchtern entpuppt. Als Dan, pikanterweise ausgerechnet im Verlauf der anlässlich seines 52. Geburtstages veranstalteten Überraschungsparty, von der Affäre zwischen seiner zur Prinzessin verklärten Erstgeborenen und diesem mickrigen, verbal inkontinenten Würstchen im Designeranzug Wind bekommt, droht der normalerweise so friedfertige Familienvorstand zu explodieren: Wer ist hier eigentlich der Chef? Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Kind wird geboren und eine Explosion findet tatsächlich statt! Mit Folgen! Unerwarteten Folgen...

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