Filmkritik - Rauchzeichen (2005)
 
 

Rauchzeichen

DVD / Blu-ray :: IMDB (5,7)
Regie: Rudolf Thome
Darsteller: Claudio Maniscalco, Guntram Brattia
Laufzeit: 125min
FSK: ???
Genre: Drama, Komödie (Deutschland)
Verleih: Prometheus
Filmstart: 16. November 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ein klassischer Filmbeginn: Ein Flugzeug im Landeanflug auf einen kleinen, südlichen Flugplatz. Ein Fremder - Sonnenbrille, Anzug, roter Koffer - nimmt sich ein Taxi und fährt(fast) bis ans Ende der Welt. „Warum hat sie sich bloß hierher verkrochen?“, fragt er sich. Am Ziel angekommen, wird Jonathan Fischer, genannt Joe, aus Florida (Karl Kranzkowski) von niemandem erwartet. Erste Begegnungen mit Leila (Serpil Turhan) und Hans (Cornelius Schwalm) fallen zurückhaltend bis schroff aus; Joe wird wie ein lästiger Störenfried behandelt. Aggressiv verweigert sich insbesondere Hans Joes Gesprächsversuchen und lässt ihn schließlich mit der Bemerkung: „Scheiß Amis, glaubt, euch gehört die Welt!“ sitzen. Auch Annabella (Hannelore Elsner), eine der beiden Besitzerinnen dieses eigenwilligen Gästehauses „Bella Sardegna“, lässt den neuen Gast lange warten. Als Annabella schließlich erscheint, muss Joe erst einmal einen ausführlichen Fragebogen zu seinem Vermögen, seinen Schlafgewohnheiten und seinen sexuellen Vorlieben ausfüllen, was er kopfschüttelnd auch tut. Nein, dieses Gästehaus macht es seinen Kunden nicht leicht. Joe erinnert das merkwürdige Prozedere an ein Eheanbahnungsinstitut, worauf Annabella erwidert, dafür sei ihre momentan abwesende Partnerin Isabella zuständig, die allerdings in der Tat manche Gäste bereits geheiratet habe, weil sie das Heiraten liebe. Annabella und Jonathan kommen ins Gespräch. Während Annabella tatsächlich nur aus Liebe heiraten würde, hat Joe diesbezüglich schlechte Erfahrungen machen müssen: „Die Frauen, die ich kennengelernt habe, wollten alle nur mein Geld.“ Beim ersten Abendessen im Olivenhain - es gibt gegrillten Fisch, den Annabellas Sohn Michael (Nicolai Thome) zuvor frisch gefangen hatte, erhebt Joe sein Glas und stellt fest: „Ich fühle mich, als wäre ich schon Tage hier!" und trinkt "auf das Paradies am Ende der Welt – und auf ihr Wohl, Annabella!“ Am nächsten Morgen begegnen sich Annabella und Jonathan sogleich wieder. Annabella notiert die Daten ihrer kleinen Wetterstation, als Jonathan vorbeijoggt. Bereits vor dem Frühstück flirtet Joe („Sie waren die ganze Nacht bei mir in meinem Traum.“) mit Annabella, die sein unverhohlenes Interesse zu genießen scheint. Telefonisch kündigt Isabellas Tochter Jade ihr Kommen an; sie möchte am Nachmittag vom Flughafen abgeholt werden. Diese Nachricht kommt Annabella ungelegen: es sei „Neumond“, sie müsse Olivenbäume pflanzen. Jonathan bietet seine Hilfe an. Ob er schon mal Olivenbäume gepflanzt habe? Er antwortet: „Ich könnte jetzt »Ja« sagen, weil ich das gerne mit Ihnen machen würde, aber dann würde ich lügen – und ich will Sie nicht belügen... nie.“ Eine ländliche Idylle. Während sich Jonathan und Annabella bei der gemeinsamen Gartenarbeit weiterhin näher kommen, bringt Michael Leila das Angeln bei. Als Hans darüber hinzu kommt, wird er brüsk abgewiesen. Am Nachmittag fährt Jonathan zum Flughafen, um Jade (Joya Thome) abzuholen. Während der Rückfahrt zum Gästehaus erfahren wir nun auch, wer Jonathan ist. Er gibt sich als Jades Vater zu erkennen, erzählt davon, dass seine Frau ihn mit dem Kind, das damals noch „Moon“ hieß, überstürzt verließ. Jade kann sich das kaum vorstellen, findet Jonathan aber nett. Im Gästehaus angekommen, erzählt Jade sogleich Annabella von der überraschenden Veränderung. Auch Annabella ist erstaunt, rät aber, zur Klärung der Dinge die Rückkehr Isabellas abzuwarten. Doch nicht nur Jonathan hat ein Geheimnis, auch Leila, deren Angst Michael spürt, leidet unter einer „komplizierten Geschichte“, die sie Michael erzählt: „Einige von meinen Leuten kämpfen gegen Menschen, die an einen anderen Gott glauben. Ich hab da mitgekämpft, weil mein Freund damals das auch getan hat. Ich hab ihn sehr geliebt. Jetzt ist er tot, und ich bin abgehauen. Micha, ich hab Angst, dass die mich finden.“ „Aber du hast doch nur mitgemacht. Oder hast du Menschen getötet?“ „Nein, aber sie glauben, ich könnte sie verraten. Früher oder später werden die mich finden.“ Michael versucht, der jungen Frau Mut zu machen: „Hier bei uns findet dich niemand!“ Im Gästehaus begrüßt Jade Hans, der mal wieder betrunken inmitten einer Unmenge von Video-Cassetten sitzt, einen Film guckt und „Ich bin der Gott des Kinos. Nur solange ich lebe, lebt das Kino“ lallt. Jade entgegnet trocken, aber voller Sympathie: „Du bist überhaupt kein Gott. Du bist betrunken!“ Währenddessen zeigt Annabella Jonathan ihren Lieblingsort hoch über dem Meer auf dem Gipfel eines Berges. Sie erzählt, dass sie einst eine Astronautin war und von ihrer Liebe zu den Gedichten Hölderlins. Jonathan hört ihr hingebungsvoll zu und fragt schließlich: „Hätten Sie was dagegen, wenn ich mich in sie verlieben würde?“ „Nein!“ Der erste lange Kuss. Anschließend schlafen die beiden miteinander. Beim gemeinsamen Abendessen – wieder im Olivenhain – turteln die beiden ungeniert vor den Jungen. Jonathan sagt inbrünstig „Ich liebe dich“ zu Annabella. In diesem Moment kommt Isabella (Adriana Altaras) auf das Gelände gefahren. Annabella und Jade begrüßen sie. Jade erzählt von Jonathan: „Da ist ein Mann gekommen. Er sagt, er ist mein Vater. Er heißt Jonathan Fischer!“ Isabella reagiert schroff: „Ich will den Scheißkerl nicht sehen! Der Kerl hat mir die besten Jahre meines Lebens versaut.“ Annabella gesteht Isabella, dass sie sich in Jonathan verliebt hat. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Isabella ist empört, hasst „diesen Schweinehund“ noch immer - und verweigert eine Begegnung. Später am Abend klingelt es: Giorgio (Guntram Brattia), ein neuer, aber schon wohlbekannter, wenngleich etwas wortkarger Gast mietet ein Zimmer. Nach einem gemeinsamen Filmabend gesteht Hans, mal wieder recht angetrunken, der völlig überraschten Leila seine Liebe. Er wisse alles und habe eine „Scheißangst“ um sie. Mit großer Geste, soweit in seinem Zustand noch möglich, präsentiert er ihr eine Schrotflinte, mit der er sie im Fall der Fälle beschützen will. Leila reagiert auf dieses ritterliche Begehren etwas irritiert: „Hans, du bist total betrunken. Du trinkst viel zuviel Wein.“ Annabella und Jonathan machen einen romantischen Nachtspaziergang. Jonathan will von seiner Beziehung zu Isabella erzählen, doch Annabella will nichts davon wissen, weil sie sowieso schon alles über ihn wisse. Annabella spricht wieder als Astronautin, wenn sie erklärt: „Da oben auf dem Mond habe ich alles verstanden - das Leben und die Welt, hier auf der Erde. Ein Philosoph - Georg Picht - hat mal gesagt: »Nur aus Distanz ist Erkenntnis möglich...«. Ich möchte mich auf deinen Schoß setzen und mit dir ficken, ich hab unter meinem Kleid nichts an.“ Sie tun es, lachend. Am nächsten Morgen, am Strand, kommt es zum verbalen Showdown zwischen Isabella und Jonathan. „Du hast mich nie geliebt!“ „Du hast dich nicht verändert!“ Die alten Wunden sind schnell wieder blutig, doch schließlich lenkt der verliebte Mann ein: „Ich hasse dich nicht. Im Gegenteil. Laß uns versuchen, ganz vernünftig damit umzugehen, ja? Moon liebt mich, hat mich sofort als ihren Vater akzeptiert.“ Er lächelt Isabella an, die resigniert antwortet: „Alle Frauen lieben dich! Das ist ja das Schlimme!“ Im Garten ist Annabella weiterhin mit den Olivensetzlingen beschäftigt, als Jonathan hinzu tritt: „Wer Bäume pflanzt, muss an die Zukunft denken“, weiß er, die Hände lässig in den Taschen. Nach einer Umarmung antwortet Annabella: „Ich denke immer an die Zukunft, aber wenn´s mir gut geht – so wie jetzt – vergesse ich alles!“ Dann kommt Jade und will ihrem neuen Vater erzählen und zeigen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. Im Haus empfängt Isabella neue Gäste: Josef Erdmann (Hansa Czypionka) und seine Frau (Nicole Becker). In seinem Zimmer schraubt Giorgio einen Schalldämpfer auf seine Pistole. Hans klopft an, betritt den Raum und warnt Giorgio: „Lass die Finger von Leila!“ Bei einem Spaziergang erzählt Annabella, dass sie immer davon geträumt habe, direkt am Wasser zu leben. Jonathan bietet ihr an, zu ihm nach Florida zu ziehen, wo er ein Haus direkt am Meer besitze. Alternativ werde er ihr hier schon morgen einen großen Teich anlegen, wenn sie es nur wolle. „Du bist verrückt“, ahnt Annabella. „Jeder der liebt, ist verrückt!“, verspricht Jonathan, der zudem sein Hauptquartier nach Sardinien verlegen will. Viel später trifft er beim Heimweg in sein Zimmer auf Martin, der mitten in der Nacht das Gästehaus bewacht. „Wir sind doch hier nicht im Wilden Westen!“, sinniert Jonathan. Am nächsten Tag wird das Teich-Projekt eifrig in Angriff genommen. Ein geeigneter Platz ist schnell gefunden. Jonathan, Annabella und Jade fahren gemeinsam nach Olbia, um die finanziellen Dinge in diesem Zusammenhang zu regeln. Ein bestens gelaunter Jonathan schmettert seine Version von „O sole mio“, als er in die Bank tänzelt. Währenddessen gehen Leila und Michael wieder angeln. Plötzlich stürzt Leila unvermittelt ins Wasser, was Michael zunächst für einen Scherz hält. Erst dann, als das Wasser sich rot färbt, bemerkt er den Ernst der Situation. „Jemand hat auf mich geschossen“, haucht Leila, als Michael sie aus dem Wasser zieht. Leila muss sofort in ein Krankenhaus transportiert werden. Mit Rauchzeichen weisen Michael und die anderen einem Rettungshubschrauber den Weg. Nichts ahnen Jonathan und Jade von diesen Ereignissen, als sie in Olbia ihre Geschäfte abwickeln. Der „Weiberheld“ Jonathan entwickelt dabei in Verhandlungen mit der Bankangestellten Gabriella (Sophie Marland) einen gehörigen Charme, wie Jade staunend erkennen muss. Der Mordanschlag auf Leila und die Baupläne Jonathans beenden die ländliche Idylle. Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen und sammelt Zeugenaussagen. Hans macht sich mit der Schrotflinte auf die Suche nach Giorgio, doch dessen Zimmer ist längst leer. Dann bringt der Commissario die Nachricht, dass Leila auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben ist. Auf dem Off hört man Hans verzweifelt „Leila“ rufen, dann fällt ein Schuss. Hans hat die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Um das Chaos zu vervollständigen, treffen nun auch noch die Baufahrzeuge ein, um mit dem Ausheben des Teiches zu beginnen. Inmitten des Lärms sehen wir die Liebenden. „Uns kann das alles nichts anhaben, versprochen?“, bittet Annabella. Jonathan, „so stark wie ein Bär“, verspricht es. „Liebe ist stärker als alles andere auf der Welt.“ Beim Frühstück schlägt Annabella der Familie Erdmann vor, das geplante Familienfest angesichts des großen Durcheinanders an einen ruhigen Ort zu verlegen. Der Bauunternehmer Erdmann lehnt dies ab: „Das Leben geht weiter. Ohne Tod gäbe es kein Leben. Mein Vater hat immer gesagt: »Leben und Tod gehören zusammen wie Wasser und Zement.«“ Annabella ist beeindruckt: „Sie sind ein Philosoph.“ Erdmann, ganz lässig: „Ich stehe mit beiden Beinen auf dem Boden. Sonst hätte ich es nicht so weit gebracht.“ Frau Erdmann blickt ihren eloquenten Gatten bewundernd an. Währenddessen gehen die Bauarbeiten stetig voran und die polizeilichen Ermittlungen weiter. Der Commissario verdächtigt Hans des Mordes, was Annabella und Isabella wütend macht. Leila dagegen soll eine Terroristin gewesen sein. „Nein“, schimpft Annabella, vielmehr sei sie eine arabische Prinzessin gewesen. Annabella hat Leilas Testament gefunden, sie hat ihr Vermögen, das sich auf einem Schweizer Nummernkonto befindet, Michael vermacht. Offenbar hatte sie mit ihrem Tod gerechnet. Jonathan bietet sich an, die notwendigen Bankgeschäfte zu erledigen. Besorgt ob der Nähe des Todes („Die Katastrophen in den Nachrichten sind nicht mehr so unwahrscheinlich und unwirklich wie früher.“) fragt Annabella Jonathan, ob er denn auch zurückkäme. Er antwortet beruhigend: „Du bist meine Prinzessin, ich bin dein Ritter, ich muss immer wieder zu Dir zurückkehren – sonst muss ich sterben.“ In der Küche unterhalten sich Isabella und Annabella über das anstehende Begräbnis von Leila und Hans. Man könnte doch nebeneinander am Grund des Teiches begraben, schlägt Annabella vor. Isabella gefällt die Idee, man sparte sich auf diese Weise die Grabpflege und könne die beiden Toten ganz schnell vergessen. „Das ist doch eine gute Lösung!“ Annabella sinniert: „Dann wird das ein heiliger Teich.“ Das Begräbnis von Leila und Hans findet in kleinem Kreis wie geplant statt. In der folgenden Nacht macht Jonathan Annabella einen Heiratsantrag. Die Zeit ist günstig: Vollmond steht vor der Tür. Annabella wähnt sich zwar mutiger denn je, braucht aber doch viel Kraft, um den Antrag anzunehmen. Tags darauf findet Annabella Hans´ Testament, in dem dieser Jade zu seiner Erbin bestimmt. Auch er wollte hier begraben sein. Mittlerweile hatte Isabella die gloriose Idee, die Anwesenheit von Erdmanns Bruder (Stephan Korves), einem Kapitän zur See, für die Hochzeit zu nutzen. Als der Teich fertig ist, wird - wie einst in Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ - ein richtiges Boot auf den Berg transportiert und zu Wasser gelassen. Mitten auf dem „heiligen Teich“ wird die Zeremonie vollzogen. Anschließend passiert, was passieren muss - das frisch vermählte Paar stürzt unfreiwillig in die Fluten. Das große Fest kann beginnen. Am Abend gehen die Liebenden noch einmal zum Teich. Annabella flüstert: „Unsere Hochzeitsnacht! Es sind vierzehn Tage, aber es kommt mir so vor, als wären Monate vergangen.“ Jonathan bestätigt: „Es ist viel passiert in der letzten Zeit.“ Sie umarmen sich im großzügigen Licht eines südlichen Vollmonds.

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