Filmkritik - One - Der Film (2006)
 
 

One - Der Film

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,1)
Original: One: The Movie
Regie: Ward M. Powers
Darsteller: Deepak Chopra, Mantak Chia
Laufzeit: 83min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Verleih: TAO Cinemathek
Filmstart: 03. Mai 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Vor dem Hintergrund einer zerrissenen, Terror geplagten Gesellschaft entfaltet Regisseur Ward M. Powers die filmische Erzählung einer spirituellen Reise, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen Freunden im Jahr 2002 antrat – nur bewaffnet mit einer Videokamera, einer Liste von 20 Fragen und dem Traum, einen Film über den Sinn des Lebens zu drehen. So beginnt der Prolog von ONE – Der Film damit, wie diese außergewöhnliche Idee zustande kam, dass ein 45-jähriger Familienvater und Anwalt, der in Zivilsachen tätig ist, urplötzlich einen Kinofilm dreht. Powers selbst agiert auch als Sprecher in der Dokumentation, die sich aus gespielter Handlung und Interviews zusammensetzt. Es zeigt sich, dass der Macher von ONE – Der Film weiß, wem er die Realisierung dieses ungewöhnlichen Projektes zu verdanken hat. Denn er stellt dem eigentlichen Film seinen Dank an die unzähligen Interviewpartner voran: „Das ist ihr Film.“ Der eigentliche Film auf der Basis des 20 Fragen umfassenden Katalogs beginnt in einem dunklen Hotelzimmer. Dort findet der Zuschauer den namenlosen Hauptakteur der Spielsequenzen, dargestellt von Scott Carter, auf einem Bett liegend. Carter ist wach und wälzt sich unruhig hin und her, als der Wecker – oder besser die Alarmglocke – um 9:11 Uhr läutet. Ein deutlicher Hinweis auf die Signalwirkung des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York am 11. Septembers 2001. Carter, der beste Freund von Ward M. Powers, versinnbildlicht die Gesellschaft auf ihrer Suche, in ihrer Isolierung und in ihrem Schmerz. Die Spielszenen sind im Gegensatz zur übrigen Dokumentation des Road-Movies in schwarz-weiß gehalten, erst mit zunehmender Spieldauer wechselt das Grau in leuchtende Farbtöne. Über den Radiowecker hört der erschöpfte und unruhige Carter einen christlichen Sender. Hier kommt nun die Dokumentation der spirituellen Reise von Powers und seiner Filmcrew ins Spiel. Regisseur Powers trifft zuerst den Moderator eines christlichen Radiosenders, der Bob Dutko-Show, und stellt ihm im Anschluss als erstem Interviewpartner seine 20 wichtigsten Fragen des Lebens. Dutko nutzt die Gelegenheit und stellt seinen Zuhörern selbst eine der Fragen: „Welchen Wunsch hätten Sie für die Menschheit?“ Auch wenn die erste Antwort sich sehr christlich darstellt („Ich wünschte, alle Menschen würden Jesus Christus als ihren Retter anerkennen“), wird schnell klar, dass ONE – Der Film keine Religion bevorzugt. Denn Powers stellt diesem Einstieg gleich ein Treffen der amerikanischen Atheisten gegenüber. Hier führt ihn die unmissverständliche Aussage, dass Gott nichts weiter als Aberglaube sei, zu der frühen Erkenntnis, Einheit hat nichts mit Gleichheit zu tun. Nun ist der Zuschauer mittendrin – in der Debatte um Religion, den Sinn des Lebens und die Frage, was nach dem Tod passiert. Die Handlung nimmt an Fahrt auf, indem Regisseur Powers immer schneller aufeinander folgend Szenen aus seinem umfangreichen Interviewmaterial zusammen schneidet. Dabei kommen Jugendliche von den Straßen Colorados oder ein Fastfood-Verkäufer genauso zu Wort wie Rabbis, Imame oder buddhistische Mönche. Dem Zuschauer wird deutlich, wie schwierig sich die momentane Weltlage präsentiert. Unterbrochen wird diese Beschreibung durch eine zweite Spielszene mit Scott Carter, der sein Hotelzimmer verlässt und am Straßenrand nachdenklich ein spielendes Kind beobachtet. Die Zukunft in Gefahr? Dieser drohenden Gefahr begegnet Powers mit einer seiner stärksten Interviewsequenzen – auch wenn in ihr kaum gesprochen wird. Powers berichtet nun wieder selbst und beschreibt sogleich die äußerst intensive Begegnung mit Robert Thurman, dem renommierten Professor für Indo-Tibetische Studien. In der Schlüsselszene des Films soll Thurman den gegenwärtigen Zustand der Welt nonverbal ausdrücken. Seine Reaktion? Er verharrt und starrt seinen Gesprächspartner an – endlose 30 Sekunden. Powers kontrastiert diese Regungslosigkeit, indem er im Schnelldurchlauf eine Vielzahl möglicher Reaktionen anderer Interviewpartner präsentiert, die verschiedene Formen des Ablebens und des Zusammenbruchs mimisch wie gestisch vorführten. Doch der Regisseur lässt den Zuschauer vorerst im Unklaren, was sich dahinter verbergen könnte. Stattdessen fährt er mit weiteren Interviews fort, in denen basierend auf den Problemen der Welt die allgemeine Angst der Menschen dokumentiert wird. In diesem Zusammenhang ist auch die Rechtfertigung von Kriegen Thema der Dokumentation. In einer weiteren Spielsequenz verfolgt Carter Kriegspropaganda in den Fernsehnachrichten. Dieser fiktive Nachrichtenblock, der bewusst im Stile der 1960er Jahre gehalten ist, verdeutlicht, dass diese Art der Argumentation längst überholt ist. Vertreter der Religionen bekennen im Anschluss daran sogar die Verantwortung der Glaubensrichtungen für verschiedene bewaffnete Auseinandersetzungen in den letzten Jahrhunderten. Den Abschluss dieser Sequenz bildet der Hinweis darauf, dass ausnahmslos jeder Mensch Mitgefühl verdient. Powers erlaubt sich an dieser Stelle etwas, was nur in einem Independent-Movie möglich ist. Er spielt eine Rede des Dalai Lamas ein, in der dieser für allumfassendes Mitgefühl plädiert. Hier schließt sich nun wieder eine neue Spielszene mit Scott Carter an, der mittlerweile an einer Bushaltestelle angekommen ist und sich bereitwillig zu einem anderen Ort bringen lässt. Diese kurze Sequenz korrespondiert mit dem eindrucksvollen Auftritt des buddhistischen Mönchs Thich Nhat Hanh, der in der Friedensbewegung zur Zeit des Vietnamkriegs bekannt wurde. Er kritisiert in seinem Interview, dass sich viele Menschen nur treiben ließen. Und der Imam Hasan Qazwini geht sogar soweit, dass diese Leute kein wirkliches Leben führen würden. Sie seien tatsächlich schon tot. Folgerichtig baut Powers auf diesen Gedanken seiner Gesprächspartner den Fragenkomplex zu Vorstellungen vom Himmel und dem Paradies auf. Über die Frage, wie jeder einzelne Mensch dorthin gelangt, kulminiert ONE – Der Film in seiner schönsten Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Gerade hier ist die Gegenüberstellung der Antworten von geistlichen und wissenschaftlichen Gelehrten, von einfachen Menschen, ob jung, ob alt, nicht nur spannend, sondern auch amüsant bis humorvoll. Die anfängliche Ratlosigkeit macht auch vor keinem Rabbi, Priester oder Lebenskünstler halt. Quintessenz: Am Ende sind sich alle darin einig, dass das Glück aktiv in der Lebensführung zu suchen ist – egal, ob es für einen höheren Zweck bestimmt ist, oder nicht. Diese Erkenntnis spiegelt sich dann in den weiteren Spielszenen mit Carter wider, der nun – mittlerweile voll in Farbe – einen Fluss entlang paddelt. Er bestimmt seinen Lebensweg nun selbst. Kurz vor dem Ende von ONE – Der Film nutzt Ward Powers die Frage nach dem Wesen von Gott, um seine Erkenntnis der spirituellen Reise zu erläutern. Da sich alle religiösen Vertreter einig sind, dass es sich um keinen „weißbärtigen Mann auf einer Wolke“ handele, wird propagiert, dass sich Gott in jeder menschlichen Begegnung zeige. Nun wird auch Robert Thurmans starre Reaktion verständlich, der den Moment und seinen Gesprächspartner als den gegenwärtigen relevanten Zustand der Welt erkannte. Um diese Idee aus religiöser Perspektive zu untermauern, gehört Pater Thomas Keating das Schlusswort. Er erklärt sinngemäß, dass jede spirituelle Reise (so wie diejenige der Filmemacher) zu der Überzeugung führt, dass es eine höhere Macht, Gott oder, noch einfacher gesagt, „das Andere“ gibt. Das Bemühen, diese andere Ebene zu erreichen wird schließlich durch die Erkenntnis aufgelöst, dass der Mensch und das Andere Eins sind, es schon immer waren und sein werden.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.
 

Teilen

 

Filmsuche