Filmkritik - Oliver Twist (2005)
 
 

Oliver Twist

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,9)
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Chris Overton, Michael Heath
Laufzeit: 130min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Familie, Drama (Frankreich, Großbritannien, Italien, Tschechoslowakei)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 22. Dezember 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ein kleiner Junge mit einem Bündel in der Hand: der neunjährige Oliver Twist (Barney Clark) wird vom Kirchendiener Mr. Bumble (Jeremy Swift) vom Waisenhaus ins Armenhaus gebracht, wo sich die Kinder in riesigen Räumen eng an eng mit ihren zarten Händen an rauen Schiffstauen abquälen, "für die Schiffe der Königin", wie der Aufseher zynisch bemerkt. Nachts schlafen die Jungs und Mädchen in engen Betten, zu essen gibt es Tag für Tag nur eine winzige Schüssel Haferbrei. Während die christlichen Anstaltsleiter sich mit Pasteten, Puten und Pudding voll stopfen, leiden die Kinder Hunger und planen die kleine "Rebellion". Wer das kürzere Band zieht, soll nach dem Essen Nachschlag verlangen. Das Los trifft Oliver. Als er die Köchin um mehr bittet, möchten ihn die Aufseher am liebsten aufhängen ob seiner Dreistigkeit, "vermieten" ihn dann aber für fünf Pfund als Lehrling an den Leichenbestatter Mr. Sowerberry (Michael Heath). Nicht gerade das Paradies, aber Oliver darf sich hier halbwegs satt essen und im feinen schwarzen Anzug bei Beerdigungen hinter dem Sarg einherschreiten. Doch das ärgert Noah Claypole (Chris Overton), der als Lehrling ältere Hausrechte genießt. Als er Oliver mit wüsten Beleidigungen über seine tote Mutter provoziert, kommt es zu einer heftigen Prügelei zwischen den Jungen, die Oliver zur Bestrafung schließlich eine Tracht Prügel mit dem Stock von Mr. Sowerberry einbringt. Oliver beschließt zu fliehen und macht sich noch in derselben Nacht auf in Richtung London, Symbol für Glück und Freiheit. Die 70 Meilen geraten zur Tortur. Es gießt in Strömen, aus den zerfetzten Schuhen gucken die Zehen, Kutschen mit den Herrschaften fahren an ihm vorbei, er stillt seinen Durst aus Pfützen und wird als Bettler von der Türschwelle gejagt. Nur eine alte Frau erbarmt sich seiner und nimmt ihn für kurze Zeit auf. Als er endlich die Metropole erreicht, schläft Oliver erschöpft auf den Kirchentreppen ein. Ein elegant gekleideter Junge, der ihn im Schlaf neugierig beobachtet hat, nimmt ihn sogleich unter seine Fittiche. Ein leckeres Brot für den völlig ausgehungerten Oliver ist schnell besorgt, denn sein neuer Freund Dodger (Harry Eden) ist ein äußerst geschickter Taschendieb. Da kann Oliver nur mit großen Augen schauen. Dodger schleppt seinen neuen Freund zum alten Fagin (Sir Ben Kingsley), einem Hehler, der mit einer Bande von Jugendlichen in einem zerfallenen Gebäude haust. Dort bringt der windige Gauner den Jungs das ABC des Stehlens bei. Seine Schützlinge mögen den verschrobenen Alten, der aber fuchsteufelswild wird, als Oliver ihn dabei beobachtet, wie er eine Truhe aus einem Bodenversteck holt und sich gierig an den geraubten Schätzen erfreut. Im Vergleich zu dem schrecklichen Arbeitshaus genießt Oliver das Zusammensein mit den anderen Jungen, auch wenn ihn der brutale Obergauner Bill Sykes (Jamie Foreman) mit seinem zähnefletschenden Hund Bull's Eye auf dem Kieker hat und ihm ständig Angst einflößt. So richtig wohl fühlt sich Oliver vor allem bei Sykes' Geliebter Nancy (Leanne Rowe), einer Hure mit Herz, die ihn schützend in den Arm nimmt, wenn Sykes poltert. Der verlangt nämlich, dass der Neuzugang endlich "arbeitet". Und so muss Oliver gemeinsam mit Dodger und Charley Bates (Lewis Chase) auf Diebestour gehen. Geschickt bestehlen die beiden im Taschendiebstahl bereits erfahrenen Jungs einen älteren, wohlhabenden Herren vor einem Buchladen und laufen davon. Es kommt zu einer wilden Verfolgungsjagd, doch statt der wahren Täter schnappt sich die Meute, angeführt von dem bestohlenen Mr. Brownlow (Edward Hardwicke), den verängstigten Oliver. Und ehe er sich versieht, steht er auch schon vor einem grimmigen Richter, der ihn zu drei Monaten Zwangsarbeit verurteilen will. Doch dieses Mal hat Oliver Glück: Hilfe kommt in Gestalt des Buchhändlers, der ihn entlastet. Der reumütige und auch mitleidige Mr. Brownlow nimmt den völlig verstörten Oliver, der inzwischen ohnmächtig zu Boden gesunken ist, mit in sein Domizil im vornehmen Pentonville. Hier kann sich Oliver endlich einmal richtig ausschlafen und wird von der Haushälterin Mrs. Bedwin (Frances Cuka) mütterlich umsorgt. Erstmals erlebt er so etwas wie Liebe und Geborgenheit. Er möchte lernen und ein guter Ziehsohn sein. Doch das kleine Glück währt nicht lange. Fagin und Sykes befürchten, dass Oliver sie verrät und wollen ihn zurückholen. Nancy muß zum Gericht gehen und mimt dort die traurige Schwester, die ihren kleinen Bruder sucht. Mit diesem Trick bekommt sie die Adresse von Mr. Brownlow. So ist es nur noch eine Frage der Zeit bis sich Sykes auf Olivers Spur setzt. Als der Junge für Mr. Brownlow Bücher in die Stadt bringen soll und einen Scheck zur Bezahlung mitbekommt, schlägt Sykes mit Hilfe von Nancy zu. Gemeinsam zerren sie Oliver durch die Gassen Londons, zurück in Fagins Gaunerversteck. Aus der Traum von Freiheit! Wieder bei der Bande nehmen ihm die anderen Jungs schnell die vornehme, teure Kleidung und die Schuhe ab, die ihm Mr. Brownlow gekauft hatte. Schlimmer noch, Oliver wird eingesperrt. Am nächsten Morgen bringt ihm Fagin Frühstück und wirft ihm Undankbarkeit vor. Oliver hat keine Chance, aus seinen Fängen zu entrinnen. Noch schlimmer: Sykes und sein Spießgeselle Toby Crackit (Mark Strong) zwingen ihn zum Einbruch - ausgerechnet in Mr. Brownlows Haus. Gegen seinen Willen schieben sie Oliver durchs winzige Fenster, damit er von innen die Tür öffnet. Doch durch den Lärm erwacht der Hausbesitzer. Er will die Einbrecher vertreiben und schießt dabei Oliver versehentlich an. Hals über Kopf nehmen Sykes und Crackit Reißaus. Da der schwerverletzte Oliver nun nutzlos für die Bande geworden ist, möchte Sykes ihn am liebsten loswerden. Nur Nancy hat Mitleid mit ihm. Sie eilt zu Brownlows Haus und lässt dem Hausherren ausrichten, dass Oliver unschuldig sei. Brownlow solle sie am nächsten Sonntag um Mitternacht auf der London Bridge treffen. Nancys Verhalten weckt das Misstrauen von Sykes und Fagin. Als sie gegen Sykes' Willen die gemeinsame Wohnung zu nächtlicher Stunde verlässt, schickt ihr Fagin den kleinen Dodger als Spitzel hinterher. Und der belauscht tatsächlich ihr Gespräch mit Brownlow, in dem sie Fagin und seine Bande verrät, allerdings nicht ihren Liebhaber Sykes. Natürlich hat Dodger nichts eiligeres zu tun, als das Belauschte weiter zu tragen. In einem Wutanfall erschlägt daraufhin Sykes seine Geliebte und verlässt London in Panik. Währenddessen bringt Mr. Brownlow sein Wissen um die Diebesbande an die Öffentlichkeit. Bereits am nächsten Tag berichten alle Zeitungen über Fagin und seine jungen Taschendiebe, und es wird sogar ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Als die Hure Bet (Ophelia Lovibond) die Leiche ihrer besten Freundin Nancy entdeckt, gerät auch Sykes ins Visier der Fahnder. Er sucht Zuflucht bei Fagin und seinen kleinen Dieben, die in einem alten Lager einen neuen Unterschlupf gefunden haben. Doch zu spät. Die Polizei und eine aufgebrachte Menge sind ihnen bereits auf den Fersen. Sykes nimmt Oliver als Geisel, doch auf der spektakulären Flucht über die Dächer Londons trifft ihn schließlich die gerechte Strafe. Für Oliver geht ein Alptraum zu Ende. Noch einmal besucht er Fagin, der im Gefängnis sitzt und winselnd seiner bevorstehenden Strafvollstreckung entgegen sieht. Bei Mr. Brownlow beginnt für Oliver Twist dann endlich ein neues, besseres Leben...

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