Filmkritik - Merry Christmas (2005)
 
 

Merry Christmas

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,0)
Original: Joyeux Noël
Regie: Christian Carion
Darsteller: Diane Kruger, Gary Lewis
Laufzeit: 115min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Deutschland)
Verleih: Senator Film Verleih
Filmstart: 24. November 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die Mobilmachung beginnt in der Schule. In je einem deutschen, englischen und französischen Klassenzimmer stehen Kinder und deklamieren patriotische Gedichte, deren Botschaften eindeutige Kriegserklärungen sind. Mehr noch: Aufforderungen zum Genozid, aufgesagt wie ein Adventsgedicht, unschuldig im Tonfall, mörderisch in der Aussage. August 1914 in den Highlands von Schottland. Ein junger Mann stürmt in die Kirche des besonnenen anglikanischen Priesters Palmer (Gary Lewis), läutet die Glocken und freut sich über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Sein stiller Bruder Jonathan (Steven Robertson) wird ihn ebenso an die Westfront begleiten wie der Priester, der sich als Sanitäter meldet. Zur gleichen Zeit nimmt der junge französische Leutnant Audebert (Guillaume Canet) letzte Anweisungen von seinem General (Bernard Le Coq) entgegen. Der hochdekorierte Offizier der französischen Armee erwartet von Audeberts Einsatz gegen die 5. Armee der Deutschen besonders viel. Nicht nur, weil Audebert sein Sohn ist. Doch der Leutnant zieht skeptisch in den Krieg. Er ist anders, sensibler als sein Vater – und er musste seine hochschwangere Frau vor Monaten in den von den Deutschen besetzten Gebieten zurücklassen. In Berlin indes steht zu dieser Zeit die große dänische Sopranistin Anna Sörensen (Diane Krüger) auf der Bühne der Oper. Zu dem vom Publikum mit Freude erwarteten Duett mit dem nicht minder berühmten Tenor Nikolaus Sprink (Benno Fürmann), der auch im Leben ihr Partner ist, wird es nicht mehr kommen. Der Krieg wird erklärt und Sprink aus der Garderobe an die Westfront rekru-tiert. Knapp vier Monate später tobt genau dort der Erste Weltkrieg in seiner brutalsten und zugleich lächerlichsten Form. Die Deutschen und ihre alliierten Feinde aus Frankreich und Großbritannien liefern sich schmutzige Gefechte aus Schützengräben, die zu ihren Unterkünften geworden sind. Unmenschliche, unwirtliche Orte für Leutnant Audebert ebenso wie für den Priester Palmer oder den Sänger Sprink, der auch noch gegen die Vorurteile und Aversionen seines Vorgesetzten Leutnant Horstmayer (Daniel Brühl) an-kämpfen muss. Horstmayer ist das, was Audebert in den Augen seines Vaters sein sollte: ein pragmatischer Militarist, der sich von den schönen Künsten nicht beeindrucken und schon gar nicht ablenken lässt. Dass ausgerechnet sein oberster Dienstherr, der Kronprinz Wilhelm von Preußen (Thomas Schmauser), ältester Sohn des deut-schen Kaisers und Oberbefehlshaber der 5. Armee an der Westfront, darüber anders denkt, verbessert das Verhältnis zwischen Sprink und Horstmayer zunächst nicht. Der Kronprinz nämlich gewährt der Künstlerin Anna Sörensen einen ungewöhnlichen Wunsch mitten im Krieg, den die Deutschen zu diesem Zeitpunkt schon längst gewonnen haben wollten. Er gestattet ihr einen ge-meinsamen Auftritt mit Nikolaus Sprink am Heiligen Abend in seinem Hauptquartier in Frankreich, unweit der Westfront. Doch anders, als Anna erwartet hat, will Sprink die anschließende Nacht mit ihr nicht in den festen vier Wänden des besetzten großbür-gerlichen Hauses verbringen, sondern zurück zu seinen Kameraden, die Weihnachten im Schützengraben feiern müssen. Auch dieses Schicksal teilen sie mit ihren Feinden. Und jeder tut es auf seine Art: Die Franzosen mit Champagner, die Schotten mit Whisky und die Deutschen mit Bier. Mögen die Geschmäcker und Trinkgewohnheiten noch so verschieden sein, die Rituale des Weihnachtsfestes ähneln sich mehr, als den Soldaten lieb sein mag. So kann das Unvorstellbare geschehen: Wenn ein deutscher Tenor im Niemandsland „Stille Nacht“ anstimmt, fällt es den Schotten nicht schwer, ihn auf ihren Dudelsäcken zu begleiten. Es dauert nicht lange, bis die Soldaten aus ihren Gräben auftauchen. Und genauso schnell ist zwischen den Offizieren Audebert, Horstmayer und Gordon (Alex Ferns) ein Waffenstillstand für die Dauer des Weihnachtsfestes vereinbart. Und was als disziplinierte Maßnahme nach allen Regeln des milita-ristischen Ethos beginnt, wird im Laufe der Stunden zu einem Akt echter Verbrüderung, der eine Rückkehr in den kriegerischen Alltag unmöglich erscheinen lässt. Priester Palmer hält spontan die wichtigste Messe seines Lebens, Geschenke werden ausgetauscht, Gespräche über die persön-lichsten Dinge beginnen so selbstverständlich zu werden, dass sich selbst Horstmayer nicht der Erinnerung an seine Hochzeitsrei-se nach Paris, ganz in der Nähe der Wohnung von Audebert, schämt. Wider Erwarten setzt sich die Verbrüderung am nächsten Morgen fort, als die Offiziere beschließen, den Waffenstillstand zu verlängern, um die Toten im Niemandsland zu beerdigen. Doch nach zwei Tagen bekommt die Generalität Wind von den Ereignissen – durch die geöffneten Feldpostbriefe, in denen die Sol-daten von ihren Erlebnissen berichten. Die erbarmungslosen Gesetze des Krieges und ihre Hüter sind stärker als dieser weih-nachtliche Moment, der allerdings Menschenleben nicht nur gerettet, sondern auch verändert hat. Spätestens in dem Moment, da ein schottischer Soldat einen alliierten Kameraden erschießt, weil dieser im Taumel der Fraterni-sierung den Mantel eines Deutschen trägt, hat der brutale Alltag des Krieges über den menschlichen Moment gesiegt. Schließlich muss General Audebert seinen Sohn öffentlich zurechtweisen und degradieren. Leicht für ihn als Soldat, für den der Krieg sein Leben bedeutet. Schwerer für ihn, als er erfährt, dass er nicht nur General und Vater, sondern seit kurzem auch Groß-vater ist, wie Audebert durch seinen Adjutanten Ponchel (Dany Boon) erfahren hat, der sich während der Weihnachtstage hinter die feindlichen Linien geschlichen hatte, um seine Mutter zu besuchen. Priester Palmers Bischof (Ian Richardson) schickt den Geistlichen nicht nur umgehend nach Schottland zurück. Er zelebriert auch für die Soldaten eine Art Gegenmesse, ganz im Sinne der schrecklichen Kinderbotschaften vom Beginn des Films: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ Und der kunstsinnige Kronprinz verfrachtet Horstmayers Einheit mit dem Güterzug an die Ostfront – ohne Halt in der Heimat. Nikolaus Sprink und Anna Sörensen jedoch lassen sich von Audebert in Kriegsgefangenschaft nehmen, um ihre Liebe zu retten.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.
 

Teilen

 

Filmsuche