Filmkritik - Melancholia (2011)
 
 

Melancholia

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,1)
Regie: Lars von Trier
Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg
Laufzeit: 135min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Dänemark)
Verleih: Concorde Filmverleih
Filmstart: 06. Oktober 2011
Bewertung: 8,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Dass ein riesiger Planet namens Melancholia sich unaufhaltsam durch das Weltall bewegt und immer weiter auf die Erde zusteuert, ahnen die Hochzeitsgäste von Justine und Michael noch nicht. Doch das prachtvolle Fest, das nach der Trauung auf dem herrschaftlichen Landsitz der Brautschwester Claire und ihres reichen Ehemannes John stattfindet, steht dennoch unter keinem guten Stern. Eigentlich könnte der Tag für Justine der glücklichste ihres Lebens sein: ihr attraktiver Ehemann trägt sie auf Händen, im eleganten Brautkleid sieht sie bezaubernd aus und dutzende Gäste sind gekommen, um eine Hochzeit zu feiern, wie man sie aufwändiger und klassischer kaum hätte planen können. Dass die luxuriöse Stretch-Limousine auf dem Weg zur Feier kaum um die vielen engen Waldweg-Kurven kommt, trübt die frisch Vermählten keine Sekunde lang. Im Gegenteil lassen sich Braut und Bräutigam in ihrer unbeschwerten Ausgelassenheit nicht stören – und setzen sich sogar selbst ans Steuer, um das stecken gebliebene Auto doch noch auf Kurs zu bringen. Mit reichlich Verspätung erreicht das Paar das malerisch zwischen Wald und Wasser gelegene Anwesen mit riesigem Golfplatz und Pferdeställen, wo sich Claire bereits Sorgen um ihre unberechenbare Schwester macht und der exzentrisch-penible Hochzeitsplaner ungeduldig wird. Doch noch läuft alles nach Plan. Wie zur Feier des Tages ist der rote Riesenstern Antares am Himmel zu sehen, während sich drinnen die Gäste auf die Brautleute und das Essen freuen. Justines Vater Dexter schäkert mit den Damen an seinem Tisch, seine geschiedene Ex-Frau Gaby kann nur schwer ihr Missfallen am Thema Ehe verbergen und Jack, Chef der Braut und Trauzeuge des Bräutigams, stellt Justine noch während des Festes eine Beförderung in seiner Werbeagentur in Aussicht. Je weiter der Abend voranschreitet, desto schwieriger fällt es Justine allerdings, ihre heitere Fassade aufrecht zu erhalten und ihre Melancholie zu unterdrücken. Anfangs fällt nur Claire die Veränderung in Ausdruck und Verhalten ihrer Schwester auf, die sie eindringlich ermahnt, sich zusammenzureißen. Mit der Zeit allerdings entgeht auch anderen Familienmitgliedern und Gästen kaum noch, dass sie den Abend nicht so zu genießen scheint, wie man es von einer Braut gewohnt ist. Immer wieder zieht Justine sich zwischendurch zurück in die Dunkelheit des Golfplatzes, bringt ihren kleinen Neffen Leo ins Bett und legt sich direkt für ein Nickerchen zu ihm oder nimmt ein Bad, während man unten mit der Hochzeitstorte auf sie wartet. Dass auch Gaby sich den Feier-Ritualen immer weiter entzieht und von ihrem Schwiegersohn beinahe vor die Tür gesetzt wird, entspannt die Lage nicht besonders. Genauso wenig wie Jack, der unterdessen seinen jungen Mitarbeiter Tim darauf ansetzt, von Justine noch ausgerechnet an diesem Abend einen wichtigen Slogan präsentiert zu bekommen. Michael jedenfalls dringt mit all seinen Annäherungsversuchen kaum noch zu seiner Frau durch. Als der Sonnenaufgang näher rückt und der rot leuchtende Stern am Firmament irgendwann verschwunden scheint, muss nicht nur er erkennen: Justine hat mit dieser Hochzeit nicht nur ihm und allen anderen, sondern auch sich selbst etwas vorgemacht. Einige Zeit später ist Justine so sehr in ihre Depression abgerutscht, dass Claire beschließt, sie zu sich nach Hause zu holen, wo vielleicht Hausmannskost und gemeinsame Ausritte die Melancholie vertreiben könnten. Doch auch die ältere Schwester quält sich zusehends mit Ängsten. Denn inzwischen ist es allgemein bekannt, dass der Planet Melancholia, der zehnmal größer ist als die Erde, sich mit beachtlichem Tempo auf eben diese zubewegt. Das Internet ist voll von unterschiedlichen Spekulationen darüber, was passieren könnte, und auch wenn ihr Ehemann John sie davon zu überzeugen versucht, dass es nicht zu einem Zusammenprall kommen wird, macht die sonst so besonnene Claire sich Sorgen. Am Himmel ist der riesige Planet bereits mehr als deutlich zu sehen und die Anspannung im weitläufigen Familienanwesen steigt zusehends. Fünf Tage sollen noch vergehen, bis Melancholia die Umlaufbahn der Erde kreuzt. Während John weiterhin Optimismus verbreitet und sich mit seinem Fernrohr auf die bevorstehenden Ereignisse vorbereitet, organisiert er hinter dem Rücken seiner Frau auch Notrationen für den Ernstfall. Die Pferde werden von Tag zu Tag unruhiger, irgendwann fällt der Strom aus und der langjährige Hausangestellte taucht nicht mehr zu Arbeit auf. Claire kann ihre Panik kaum noch unterdrücken, nur ausgerechnet Justine findet angesichts einer potentiellen Katastrophe immer mehr zu einer inneren Ruhe. Ungeduldig erwarten alle die Nacht, in der der Planet bedrohlich nahe an die Erde herankommen soll. Doch als zunächst das Unglück ausbleibt und die von Melancholia ausgehende Gefahr gebannt scheint, erweist sich das schnell als Trugschluss.

Kommentare

(1) SVoigt2000 vergibt 8 Klammern · 09. Oktober 2011
Sehr sehenswerter Film mit der besten Kirsten Dunst, die ich bisher gesehen habe. Überhaupt ist der Film bis in die Nebenrollen glänzend besetzt.
 

Teilen

 

Filmsuche