Filmkritik - Mambo Italiano (2003)
 
 

Mambo Italiano

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (6,8)
Regie: Emile Gaudreault
Darsteller: Luke Kirby, Ginette Reno
Laufzeit: 85min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Komödie (Kanada)
Verleih: 20th Century Fox
Filmstart: 24. Juni 2004
Bewertung: 6,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Italiener verlassen das Elternhaus entweder verheiratet oder tot. Was Gesetz ist in der Heimat, gilt auch in der Fremde, im Italiener-Viertel von Montreal. Keine günstigen Perspektiven für Angelo Barberini (Luke Kirby), der mit Ende zwanzig noch immer bei Mama und Papa wohnt. Denn Angelo ist schwul, was seine Heiratschancen schmälert. Doch Patriarch Gino (Paul Sorvino) und Frau Maria (Ginette Reno) sind ahnungslos. In den Fünfziger Jahren wanderten die Barberinis nach Kanada aus, wurden dort aber nie richtig heimisch, obwohl in ihrem Viertel an jedem Herd die Pasta kochte und hinter jeder Tür mit Leidenschaft geliebt und gestritten wurde. In der Schule wurde der sanfte Angelo oft gedemütigt. Im Palazzo Barberini, im Häuschen seiner Eltern, erging es ihm kaum besser. Mama Maria wachte streng über ihn und seine ältere Schwester Anna (Claudia Ferri), während Papa Gino bei schwerem Regelverstoß schon einmal Ohrfeigen ins Arsenal seiner Argumente aufnahm. Liebesbeweise einer typisch italienischen Familie eben, die nicht folgenlos blieben. Die erwachsene Anna steht auf Valium und wechselt ständig ihre Therapeuten. Angelo dagegen entschließt sich zu einer anderen Strategie, die seine Eltern traumatisiert und nicht ihn: Er zieht von zu Hause aus. Porca miseria – das Wehklagen ist groß im Barberini-Clan, als der einzige Sohn, obwohl noch Single, das Nest verlässt. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Angelos Apartment wird von Vandalen verwüstet, doch die angenehme Überraschung ist Cop Nino (Peter Miller), den Angelo durch diesen Vorfall nach Jahren wieder sieht. Nino, der mit seinem Beruf seinen maskulinen italienischen Genen zu folgen scheint, und Angelo waren Jugendfreunde. Jetzt frischen sie ihre Freundschaft auf – intimer, als es sich ihre Eltern je vorstellen könnten. Als Nino schließlich zu Angelo zieht, bricht für Lina (Mary Walsh), Ninos Mutter, eine Welt zusammen. Erst verlor sie ihren Mann, jetzt auch noch den Sohn. Es ist ein Drama. Aber es wäre eine Tragödie, wenn sie oder die Barberinis wüssten, dass ihre Söhne sich nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett teilen. Eines Tages aber hat Angelo, der von einer Karriere als Drehbuchautor träumt, genug von allen Lügen. Der sympathische Unbekannte von der Gay Helpline, dem er sich anvertraut, ist ein guter Zuhörer. Schwester Anna aber, die als Einzige eingeweiht ist, ein überzeugender Ratgeber: „Erzähl es ihnen, denn das wird sie töten.“ Und so geschieht es, dass zwei Mütter und ein Vater den Schock ihres Lebens bekommen. Während Lina Angelo als Verführer anklagt, hat Gino eine andere Erklärung für die Liebe unter Männern parat: „Das passiert eben, wenn man von zu Hause auszieht.“ Jetzt erreicht das italienische Drama seinen Höhepunkt. Zwar glaubt Lina, dass sich ihr Sohn außerhalb ihres Kontroll-Radars nur kurzfristig verirrt hat, doch Nino ist sauer über das Outing. Als er in einer Bar Pina, eine großbusige Versuchung aus der High-School- Zeit, wieder trifft, lässt er die einsame Geschäftsfrau abblitzen. Doch als unter den Cops Gerüchte über ein schwules Pärchen die Runde machen, schrillen bei Nino die Alarmglocken. Jetzt ist sein Ruf als Mann bedroht – und jedes Mittel recht, ihn wiederherzustellen. Am besten gleich mit Pina. An eine ähnliche Versuchsanordnung mit Spontanheilung denkt auch Mama Maria. Für ein Versöhnungstreffen beider Familien lädt sie Pina ein. Das einsame Herz, das schon lange auf dem Markt ist, soll Angelo bekehren. Doch als die Missionarin die ihr zugedachte Rolle erkennt, lässt sie die Bombe platzen: „Nino und ich haben uns im Auto geliebt.“ Mit dieser Enthüllung bricht das Chaos vollends aus. Während Lina erleichtert das Wunder der Liebe feiert und alle in bester italienischer Tradition im Konzert schreien, beendet Nino seine Beziehung zu Angelo. Der überwirft sich mit seinen Eltern und verlässt das Haus nach einer saftigen Ohrfeige. Mamma mia! Von nun an herrscht Funkstille. Mit dem ganzen Stolz ihres italienischen Blutes schmollen Angelos Eltern. Auch Nino gibt den großen Schweiger, ignoriert Angelos Anrufe und attackiert die Gefühle, die ein Brief Angelos auslöst, durch Selbstexorzismus – durch Sex mit Pina. Angelos Versuch, als Telefonseelsorger bei Gay Helpline Menschen mit ähnlichen Problemen zu helfen, scheitert kläglich. Denn Reden ist zwar eine italienische Tradition, Zuhören aber nicht. Das aber ist die Stärke von Peter (Tim Post), einem Mitarbeiter der Gay Helpline. Auch für Angelo hatte Peter ein offenes Ohr und als er ihn schließlich kennen lernt, wandern auch seine Blicke zu ihm. Doch noch sieht Angelo in eine andere Richtung. Als der bisher erfolglose Autor endlich an einem ihm vertrauten Stoff zu schreiben beginnt, an einem Drehbuch über seine chaotische Familie, verschwindet das italienische Sturmtief über Montreal. Ein letztes Mal will Angelo mit Nino über die Liebe sprechen und sich danach mit Mama und Papa aussöhnen. Und wo könnten Italiener besser miteinander reden als im Hause des Herrn, an einem Ort des Schweigens ...

Kommentare

(1) Sorsha vergibt 6 Klammern · 09. September 2004
Netter Film. Erinnert vom Prinzip her etwas am "My Big Fat Greek Wedding". Diesmal sind halt die Italiener mit ihren Problemchen dran.
 

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