Filmkritik - In den Süden (2005)
 
 

In den Süden

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,4)
Original: Vers Le Sud
Regie: Laurent Cantet
Darsteller: Karen Young, Louise Portal
Laufzeit: 108min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Frankreich)
Verleih: Alamode Film
Filmstart: 21. September 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Haiti in den späten 70-er Jahren. Das Regime von „Baby Doc“ Duvalier geht zu Ende und im ganzen Land herrschen Aufruhr und Angst. Trotzdem reisen weiter vor allem Amerikaner und Kanadier in das Land. Am Flughafen wartet der alte Hotelangestellte Albert (Lys Ambroise) auf neue Touristen, die er zum Ferienressort „La Petit Anse“ mitnimmt. Da spricht ihn eine einheimische Dame an und bittet ihn, ihre 15-jährige Tochter aufzunehmen und im Hotel leben zu lassen, wo sie sicher vor Überfällen der Miliz oder der Banden wäre. Voll Eindringlichkeit und Sorge versucht die Mutter ihn zu überreden, aber Albert schüttelt nur den Kopf und weist sie ab. Er nimmt die Touristin Brenda (Karen Young) in Empfang und fährt sie durch die Straßen von Port-au-Prince zum Hotel. Das Leben in der Stadt ist laut und gefährlich, Soldaten und Gangs streifen umher und es herrscht Chaos in den schmalen Gassen. Wie anders ist es da in der Hotelanlage von „La Petit Anse“: Eine paradiesische Kulisse mit kleinen, gemütlichen Bungalows, dem azurblauen Meer, einem langen weißen Sandstrand und Palmen. Eine friedliche Idylle breitet sich vor Brenda aus, mit einer Handvoll Touristen, die es sich in Liegestühlen am Strand bequem gemacht haben, und höflichen Angestellten, die einem jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Da erblickt Brenda die Silhouette eines schwarzen Körpers weiter unten am Meer. Es ist der 18-jährige Legba (Ménothy Cesar), der dort schläft. Ihn traf sie schon vor drei Jahren bei ihrem letzten Urlaub auf Haiti und er ist der wahre Grund, warum sie zurückgekommen ist. Über ihn lernt sie Ellen (Charlotte Rampling) und Sue (Louise Portal) kennen, die sich mit den jungen Männern der Stadt eine schöne Zeit am Strand machen. Sie sitzen unter ihren Sonnenschirmen, trinken Cocktails, essen Sandwiches, gehen schwimmen oder tanzen unter der Sonne... Sue hat ihren festen Verehrer, doch Ellen flirtet mit allen, wobei Legba ihr erklärter Liebling ist. Von ihr lernt Brenda die Konventionen zu vergessen, ihre Scham abzulegen und offen zu ihren sexuellen Sehnsüchten zu stehen. Das die Männer für ihre Dienste bezahlt oder mit Geschenken belohnt werden ist für Brenda zunächst undenkbar, doch langsam findet sie Gefallen an dem Spiel und interessiert sich zunehmend für Legba. Ellen ist nicht bereit, den attraktiven Legba kampflos aufzugeben. Er gibt ihr nicht nur das Gefühl, schön und begehrenswert zu sein, sondern sie empfindet echte Zuneigung für ihn. So kommt es immer wieder zum Streit. Legba zieht sich in die Stadt zurück und trifft dort seine Jugendfreundin, die mittlerweile die Mätresse eines wichtigen und mächtigen Mannes ist. Beide verbindet die gleiche Herkunft und die Art, wie sie ihren Körper für Gefälligkeiten und Geld hergeben. Sie schüttet ihrem Exfreund ihr Herz aus und bittet ihn um ein Treffen, aber Legba will zurück zum Hotel und den beiden Verehrerinnen. Während er nun die Nächte mit Brenda verbringt, wächst seine Macht über Ellen, die ganz krank vor Eifersucht erkennen muss, dass man mit Geld eben doch nicht alles kaufen kann. Noch einmal versucht sie Legba für sich zu gewinnen. Sie bietet ihm an, sie in ihre Heimatstadt Boston zu begleiten und verspricht ihm ein Leben ohne Arbeit oder Sorgen. Sie hat Angst um ihn und befürchtet, dass ihm in der gewalttätigen und korrupten Umgebung seines Landes etwas zustoßen könnte. Doch Legba will sich nicht von ihr bevormunden oder bemuttern lassen und läuft weg. Er besucht seine Mutter, gibt ihr Geld und unterhält sich kurz mit ihr, bevor er wieder in die Nacht verschwindet. Brenda sucht ihn und kann ihn nirgends finden. Aus Sorge um ihn wagt sie sich in die Stadt und fragt die Einheimischen, ob sie ihn kennen oder wissen, wo er ist. Aber niemand will ihn gesehen haben... Am nächsten Morgen öffnet Albert das Hotelrestaurant am Strand und sieht vom Fenster aus zwei schwarze Körper im Wasser treiben. Es sind Legba und seine Jugendfreundin, beide tot. Der Inspektor, der herbeigerufen wurde, hakt den Fall bald ab. Ellen versucht die Nachforschungen voranzutreiben, aber schnell wird klar, dass ein Leben eines Haitianers nicht viel zählt. Touristen dagegen sterben nie. Für Ellen ist Legbas Tod ein Schock, der sie aus dem Traum vom Paradies aufwachen lässt. Sie hat keine Sehnsucht mehr danach, am Strand zu faulenzen und sich von gefälligen Jünglingen gegen Geld die Zeit vertreiben zu lassen. Brenda hingegen nimmt der gewaltsame Tod von Legba weniger mit. Nach einem kurzen Abschied macht sie sich auf, um neue Inseln zu entdecken, neue Liebhaber zu finden und ihr neu erwecktes Verlangen zu stillen.

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