Filmkritik - Il Caimano - Der Italiener (2006)
 
 

Il Caimano - Der Italiener

Original: Il Caimano
Regie: Nanni Moretti
Darsteller: Nanni Moretti, Jasmine Trinca
Laufzeit: 112min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Frankreich, Italien)
Verleih: Alamode Film
Filmstart: 12. Juli 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Bruno Bonomo (Silvio Orlando) ist leidenschaftlicher Filmemacher, nur hat er leider seit 10 Jahren nichts mehr produziert. Er wird sogar schon als Fossil des italienischen Films gehandelt und bei einer Vorführung seines erfolgreichsten Films „Katarakte“ blamiert ihn der Moderator vor dem Publikum, indem er auf seinen Misserfolgen der letzten Jahre herumhackt: sein letzter Film ein Flop und seine Firma kurz vor dem Bankrott. Auf dieser Veranstaltung spricht ihn eine junge Frau an und drängt ihm ein Drehbuch auf. Auch die Vorbereitung seines Kostümfilms über Christoph Kolumbus läuft alles andere als gut. Aus Geldmangel soll sein Regisseur Franco Caspio (Giuliano Montaldo) ohne Assistent arbeiten und mit einem Spielzeugboot im Pool drehen. Frustriert verlässt er endgültig Brunos halbseidenes Kolumbus-Projekt. Die alten Geschichten seiner Filme taugen eigentlich nur noch dazu, seine Kinder in den Schlaf zu wiegen. Auch seine Frau Paola (Margherita Buy), die frühere Hauptdarstellerin der Filme, will damit nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Dennoch scheint das Familienleben auf den ersten Blick intakt zu sein. Er verbringt Zeit mit Frau und Kindern, sie essen und spielen zusammen. Die Familie will ein Raumschiff aus Legosteinen bauen, doch die Eltern sind unfähig ein bestimmtes Steinchen zu finden, das zur Vollendung des Raumschiffs nötig wäre. Die Situation deutet schon an, dass auch in der Familie etwas im Argen liegt. Und tatsächlich wohnt Bruno schon längst nicht mehr bei der Familie, sondern hat sich in seinem Büro häuslich eingerichtet. Seine Frau will die Scheidung und sie spielen den Kindern nur noch die heile Familie vor, aber auch Bruno klammert sich an der Vergangenheit fest und will die Realität nicht wahrhaben. In dieser unglücklichen Lage fängt er lustlos an, den Anfang des Drehbuchs „Il Caimano“ der jungen Frau zu lesen und denkt, es würde sich um einen atmosphärischen Actionfilm handeln. Er stellt den Kontakt zu Teresa (Jasmine Trinca), der jungen Drehbuchautorin, her. Bei ihrem ersten Treffen schwelgt er in seiner Vergangenheit als mehr oder weniger erfolgreicher Regisseur und zeigt Teresa die Ruinen der damaligen Drehorte. Die junge Frau ist ihm offensichtlich sympathisch und er will sich für sie einsetzen. Allerdings hat sie kein großes Interesse an seinen alten Filmen und auch als Produzent war er für sie eigentlich nicht die erste sondern eher die letzte Wahl. Bruno will sein zähes Christopher-Kolumbus-Projekt fallen lassen und nun viel lieber ihr Drehbuch verfilmen. Bei dem anstehenden Termin mit dem TV-Sender Rai möchte er den Manager überzeugen in seine talentierte „Entdeckung“ zu investieren. Während der Autofahrt dorthin gesteht er Teresa jedoch, dass er das Drehbuch nicht ganz gelesen hat. Sie erzählt ihm, wie es weiter geht in der Geschichte um einen korrupten Medienmogul und Politiker, und es wird langsam offensichtlich, dass die Hauptfigur an Berlusconi angelehnt ist. Bruno ist geschockt über die Thematik des Films und der Termin bei Rai verläuft erwartungsgemäß durchwachsen. Es ist jedoch die erste Möglichkeit für Teresa über ihr ambitioniertes Projekt zu sprechen. Sie formuliert ausgerechnet vor dem Rai-Manager das Zusammenspiel von Medien, Mafia und Politik, alles von Berlusconi gelenkt, und seine Beeinflussung und Manipulation ganz Italiens. Bruno und Teresa bekommen eine glatte Absage für ihr Projekt. Inzwischen hat sich Bonomos finanzielle Lage derartig verschlechtert, dass die Bank mit der Zwangsräumung und dem Verkauf seines Studios droht. Auch die familiäre Situation ist nicht mehr zu halten, und endlich erzählen auch die Eltern den Kindern, dass sie sich trennen und bald nicht mehr als Familie zusammen leben werden. Gleichzeitig arbeitet Bruno immer engagierter an seinem neuen Projekt, und er beginnt mit Teresa auf eigene Faust die Dreharbeiten vorzubereiten. Ein Schauspielerfreund von Bonomo (Nanni Moretti), der für die Hauptrolle angeworben werden soll, ist jedoch der Meinung, dass Italien alles andere braucht, als einen Film über Berlusconi, da er sowieso omnipräsent ist und jeder weiß, was er tut. Unbeeindruckt davon werben Bruno und Teresa weiter Mitstreiter für ihren Film an, wobei Bruno auf ein Netz von Kontakten aus alten Zeiten zurückgreifen kann. Weder seine Kinder noch seine Frau kann er jedoch für sein neues Projekt begeistern: seine Frau interessiert sich eigentlich nur noch für die endgültige räumliche Trennung und offenbar auch für einen anderen Mann. Widerstrebend willigt er in die Trennung ein und langsam aber sicher scheint er sich der Realität anzunähern. Der nächste Tiefschlag lässt nicht lange auf sich warten. Sein Hauptdarsteller will ein „Sabbatjahr“ nehmen und steigt aus dem Projekt aus. Bruno ist geschockt und trifft sich mit Teresa und dem Geldgeber Jerzy Sturovski (Tatti Sanguineti), um ihnen die schlechte Nachricht mitzuteilen. Doch statt einem Krisengespräch beobachtet er seine Ex-Frau mit einem neuen Mann. Zum ersten Mal gesteht er sich die Wahrheit über seine Situation ein: seine Frau liebt ihn nicht mehr und hat einen neuen Mann, seine Familie zerbricht und beruflich ist er am Ende. Er realisiert, dass es kein Zurück in sein altes Leben mehr gibt. Er ist so verzweifelt, dass er das Filmprojekt absagt. Hoffnungslos und wütend, fährt er noch einmal an das verlassene Set von „Il Caimano“, wo er auf einem Sofa einschläft. Am nächsten Morgen wird er von einem Abrisskommando geweckt. Die Scheidung von Paola wird offiziell besiegelt, doch es geschieht in beiderseitigem Einverständnis. Bruno weiß, dass er die Vergangenheit nun endlich hinter sich lassen und sich der Realität stellen muss. In einer bewegenden Abschiedsszene trennen sich Paola und Bruno. Bonomo nimmt die Dreharbeiten zu „Il Caimano“ mit einem in die Zukunft gerichteten, klaren Blick wieder auf. Auch sein Schauspielerfreund (Nanni Moretti), der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen war und anfangs abgesagt hat, ist jetzt mit im Team dabei. Die letzte Szene des Films „Il Caimano“ verschmilzt mit dem echten Filmende: Berlusconi wird der Korruption angeklagt und verteidigt sich und seinen Wahlkampf. In einem Monolog resümiert Nanni Moretti als Berlusconi die Entwicklung und die gesamte politische Situation Italiens. Berlusconi ändert Gesetze, um selbst nicht verurteilt zu werden und sein Imperium zu schützen. Er wird verurteilt und verdreht noch vor den Journalisten die Wahrheit und ruft zu einem Aufruhr gegen die Richter auf. Selbst als Verurteilter manipuliert er noch die Menschen um ihn herum. Alle Menschen sind gleich, doch manche sind eben gleicher.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.
 

Teilen

 

Filmsuche