Filmkritik - Goyas Geister (2006)
 
 

Goyas Geister

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,9)
Original: Goya´s Ghosts
Regie: Milos Forman
Darsteller: Mabel Rivera, Fernando Tielve
Laufzeit: 114min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Spanien, USA)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 23. November 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ein Raum im innersten Kreis der spanischen Inquisition. Nur Kerzen spenden Licht zwischen den schweren Mauern. Stiche machen die Runde. Darstellungen, die das Elend der Bevölkerung zeigen und sich derbe Späße mit dem Klerus und der Krone erlauben. Urheber ist ein gewisser Francisco Goya. Wer ein solches Bild Spaniens in der Welt verbreitet, muss bestraft werden, fordert die Runde, doch Pater Lorenzo (Javier Bardem) sieht dies anders. Wortgewandt überzeugt er den Großinquisitor (Michael Lonsdale), dass Goya nur die Welt wieder gibt, wie sie ist, und dass es folglich die Welt ist, die verändert werden muss. Eine Welt, die ihre Furcht vor Gott verloren hat, weil die Inquisition nicht mehr stark genug ist. Mit ihm an der Spitze, so Pater Lorenzo, würde die Gottesfurcht rasch zurück kehren. Pater Lorenzos Worte haben ihren Zweck erfüllt, und so beginnt er mit der Ausbildung seiner Familiares, Spione im Dienste der Inquisition, die nach versteckten Hinweisen suchen, ob jemand vom rechten Glauben abweicht. Eine solche Person könnte Inés Bilbatua (Natalie Portman) sein, die in der Taverne angeekelt von einem Spanferkel das Gesicht verzieht und verzichtet. Ist sie in Wirklichkeit nicht eine Jüdin, die heimlich ihre Religion praktiziert?! Eine Befragung durch die Inquisition, zu der sie vorgeladen wird, soll Klarheit bringen. Obwohl sie abstreitet, heimlich jüdische Riten auszuüben und lediglich erklärt, dass sie Schweinefleisch einfach nicht mag, wird Inés in den Kerkern der Inquisition einem intensiven Verhör unterzogen. Ein göttlicher Test soll klären, ob sie tatsächlich die Wahrheit spricht. Doch dieser „Test“ ist nichts anderes als eine brutale Folter, bei der sie nackt an ihren hinter dem Rücken zusammen gebundenen Handgelenken so lange nach oben gezogen wird, bis sie alles gesteht, was auch immer man ihr zur Last legt, nur damit diese unerträglichen Schmerzen endlich aufhören. Der viel beschäftigte Hofmaler Francisco Goya (Stellan Skarsgård), dem die hübsche Inés erst kürzlich Model gesessen hat, bekommt derweil den Auftrag, ein Portrait des Mannes anzufertigen, der ihre Verhaftung indirekt veranlasst hat: Pater Lorenzo. Deshalb bittet der reiche Kaufmann Tomás Bilbatua (José Luis Gómez) den Maler inständig, ein gutes Wort für seine Tochter bei Pater Lorenzo einzulegen, damit Inés bald aus dem Gefängnis frei kommt. Um seiner Bitte Ausdruck zu verleihen, stellt Bilbatua der Kirche zudem eine nicht unerhebliche Spende für die Renovierung eines Gotteshauses in Aussicht. Pater Lorenzo, der in Goyas Atelier bereits das Porträt der schönen Inés bewundern durfte und von ihren jugendlichen Reizen mehr als angetan ist, verspricht dem Maler zumindest einen Besuch im Kerker, um zu sehen, was er für Inés tun kann. Doch diese hat bereits offiziell gestanden, heimlich jüdische Rituale zu praktizieren, deshalb lässt sich eine Bestrafung nun nicht mehr abwenden. Dies berichtet Pater Lorenzo auch der Familie Bilbatua, bei der er kurz darauf zusammen mit Goya zu Gast ist. Bilbatua und seine Frau María Isabel (Mabel Rivera) sind schockiert und entsetzt zugleich. Niemals würde ihre Tochter etwas derartiges tun, das sei schlichtweg unmöglich! Folglich muss Inés zu diesem Geständnis gezwungen worden sein. Am Tisch entspinnt sich ein hitziger Disput über die Verhörmethoden der Kirche und die Aussagekraft unter Folter entstandener Geständnisse. Pater Lorenzo argumentiert, wer die Wahrheit sagt, bekäme auch von Gott die Kraft verliehen, selbst unter größten Schmerzen bei seiner Aussage zu bleiben. Aber er ist der einzige im Raum, der diese Ansicht vertritt. Und Bilbatua ist nicht bereit, dem stets milde lächelnden Geistlichen Recht zu geben. Stattdessen setzt er zum drastischen Gegenbeweis an: Pater Lorenzo wird solange am Kronleuchter aufgehängt, bis er mit seiner Unterschrift ein Schriftstück besiegelt, in dem er zugibt, das Kind eines Schimpansen und eines Orang-Utans zu sein. Um zu verhindern, dass dieses Dokument jemals veröffentlicht wird, setzt sich Lorenzo nun doch für Inés ein. Aber der Großinquisitor lässt nicht mit sich reden. Er nimmt zwar die großzügige Spende des reichen Kaufmannes gern an, aber eine Freilassung von Inés würde das Eingeständnis bedeuten, dass die Kirche nicht an die Aussagekraft ihrer eigenen Verhörmethoden glaubt. Inés entgeht zwar der Todesstrafe, aber sie bleibt weiterhin in den grausamen Verließen der Kirche gefangen. Nicht einmal der spanische König (Randy Quaid), an den sich Bilbatua in seiner Verzweiflung wendet, kann sich über dieses Urteil hinwegsetzen. Als den Kirchenoberen schließlich Pater Lorenzos absurdes Geständnis bekannt wird, veranlassen sie seine Exkommunikation und die öffentliche Verbrennung seines von Goya soeben fertiggestellten Portraits. Aber zu diesem Zeitpunkt ist Lorenzo längst über alle Berge... 15 Jahre später Die Truppen Napoléons sind in Spanien eingefallen. Napoléon ersetzt König Carlos durch seinen Bruder. Mit der neuen Macht kommen auch neue Machthaber ins Land. Die Inquisition wird abgeschafft und deren Opfer befreit. Darunter auch Inés, halb verhungert und in einem erbarmungswürdigen Zustand irrt sie durch die Straßen Madrids. Das elterliche Haus steht leer, geplündert. Ihre Familie ist tot. Mit letzter Kraft schleppt sie sich in Goyas Atelier. Der inzwischen taube Maler erkennt sie zunächst nicht einmal, nimmt sich dann aber doch ihrer an. Denn von ihr erfährt Goya schier unglaubliches: Inés hat im Gefängnis vor Jahren eine Tochter zur Welt gebracht, die man ihr allerdings sofort nach der Geburt entrissen hat. Goya verspricht, Inés bei der Suche nach ihrem Kind zu helfen. Der Maler wendet sich an den obersten Minister des neuen Regimes, der gerade dabei ist, gegen den ehemaligen Großinquisitor und seine geistlichen Brüder vor Gericht zu ziehen. Und die Überraschung könnte nicht größer sein. Oberster Verfechter der Grundsätze der französischen Revolution in Madrid ist kein geringerer als der damals nach Frankreich geflüchtete Lorenzo. Der ehemalige Mönch ist inzwischen dreifacher Familienvater und sichtlich hocherfreut, Goya wieder zu sehen. Er gibt sogleich ein neues Gemälde in Auftrag, diesmal zusammen mit seiner kompletten Familie. Geld spiele nun keine Rolle mehr. Ja, selbstverständlich erinnere er sich auch noch an die hübsche Inés, fügt Lorenzo lächelnd an. Wie es ihr denn gehe, will er von Goya wissen. Als er der stark gealterten und völlig verwahrlosten Inés jedoch gegenübersteht, wird Lorenzos Lächeln dünner. Behauptet sie doch, ein Kind im Kerker zur Welt gebracht zu haben, das man ihr weggenommen habe. Schnell erringt Lorenzo seine Fassung wieder und komplimentiert die sichtlich verwirrte Frau aus seinem Büro. Nachdem er Goya zugesichert hat, sich um alles zu kümmern, lässt er Inés auf direktem Weg ins Irrenhaus einliefern. Keiner soll ihn jetzt noch mit seinen Schandtaten vor 16 Jahren in Verbindung bringen können. Heimlich forscht Lorenzo weiter nach der vermeintlichen Tochter. Bald erfährt er, dass das Mädchen, das in einem kirchlichen Waisenhaus aufgewachsen ist, Alicia heißt, heute 15 Jahre alt ist und wieder in Madrid lebt. Nachdem er sie gefunden hat, bietet er ihr Geld für einen Neuanfang in Amerika, einzige Bedingung: sie soll sofort die Stadt verlassen. Doch Lorenzos Plan geht nicht auf, denn Alicia lehnt sein Angebot ab und flieht. Auch Goya hat Alicia (Natalie Portman) inzwischen gefunden. Während er im Park das alltägliche Leben der Madrileños portraitiert, entdeckt er sie eher zufällig aufgrund ihrer auffälligen Ähnlichkeit mit der jungen Inés. Während Goya nun alles daran setzt, Mutter und Tochter wieder miteinander zu vereinen, gibt Lorenzo die Zwangsdeportation von Alicia in Auftrag. Derweil verbreitet sich die Nachricht von der Niederlage Napoléons. Lorenzo muss erneut fliehen, und noch einmal kommt es zu einem schicksalhaften Wiedersehen zwischen ihm, Goya und Inés...

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