Filmkritik - Good Bye, Lenin! (2003)
 
 

Good Bye, Lenin!

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,8)
Regie: Wolfgang Becker
Darsteller: Daniel Brühl, Katrin Saß
Laufzeit: 117min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Deutschland)
Verleih: X-Verleih
Filmstart: 13. Februar 2003
Bewertung: 8,5 (2 Kommentare, 2 Votes)
August 1978. Berlin, Hauptstadt der DDR. Im Wohnzimmer einer Ostberliner Plattenbauwohnung verfolgt der 11-jährige Alex Kerner mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Ariane gespannt den Start der Sojus 31, der im Fernsehen übertragen wird. Sigmund Jähn, Bürger der DDR, fliegt als erster Deutscher ins Weltall, die DDR feiert damit einen ihrer größten Triumphe. Zur selben Zeit erfährt Alex` Mutter Christiane von zwei Mitarbeitern der Staatssicherheit, dass sein Vater bei einer Dienstreise in Westberlin geblieben ist. Er soll wegen einer anderen Frau Republikflucht begangen haben und wird nie mehr zurückkehren. Die Mutter bricht verzweifelt zusammen und verliert jeglichen Halt. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kommt sie mit dem Entschluss nach Hause, nicht aufzugeben, sich neue Ziele zu setzen und für ihre beiden Kinder eine gute Mutter zu sein. Durch gesellschaftliches Engagement gelingt es ihr, den Verlust ihres Mannes zu verdrängen. Sie wird eine leidenschaftliche Aktivistin gegen die kleinen Ungerechtigkeiten des DDRAlltages und eine unermüdliche Kämpferin für eine gerechte und soziale Gesellschaftsordnung. 11 Jahre später, im Herbst 1989. Die Selbstauflösung des Staates ist in vollem Gange. Am 40. Jahrestag der DDR erleidet Christiane Kerner auf dem Weg zu einer Feier im Palast der Republik am Rande einer Demonstration einen Herzinfarkt und fällt in ein hoffnungsloses Koma. Auf der Intensivstation eines Krankenhauses verschläft sie den Fall der Mauer. Alex (DANIEL BRÜHL) verliebt sich bei seinen Besuchen in die Krankenschwester Lara (CHULPAN KHAMATOVA) und kommt zuletzt nur noch wegen ihr ins Krankenhaus. Für alle überraschend erwacht die Mutter im Sommer 1990, kurz vor der Währungsunion, wenige Monate vor dem Ende der DDR. Im Sommer 1990 hat sich in Ostberlin schon sehr viel verändert. Deutschland ist bald wiedervereinigt – freie Marktwirtschaft, rabiates Unternehmertum, Spekulanten und die D-Mark fluten in die ehemalige Deutsche Demokratische Republik. Auch das Leben von Alex und seiner Schwester Ariane (MARIA SIMON) wird von dem Strudel der Veränderungen gepackt. Alex hat seine Anstellung bei der abgewickelten PGH-Fernsehreparatur verloren und arbeitet bei einem Westberliner Unternehmen, das den Osten mit Satellitenschüsseln überzieht. Ariane hat ihr Studium der Wirtschaftswissenschaft aufgegeben und arbeitet in einem Burger King-Drive In. Kurz, nichts ist mehr so, wie es war, und Alex stürzt sich voll Neugier - schwer verliebt in Lara, in die neue Zeit. Als die Mutter aus ihrem Koma erwacht, hat sie von den historischen und alltäglichen Veränderungen nichts mitbekommen. Alex, der seit der Republikflucht des Vaters eine besonders innige Beziehung zu seiner Mutter hat, will unter allen Umständen vermeiden, dass ihr erneut der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Er entschließt sich, der Mutter zu verschweigen, was "Draußen" in der Zwischenzeit passiert ist, denn die behandelnden Ärzte warnen ihn, dass jede größere Aufregung eine extreme Gefahr für ihr Leben bedeutet. Aus Angst vor einem neuen Herzinfarkt beginnt er damit, ihr vorzuspielen, dass die DDR, wie die Mutter sie kannte, noch existiert und verheimlicht ihr den Fall der Mauer. So holt er sie aus dem Krankenhaus nach Hause und inszeniert für die bettlägerige Frau in ihrem Schlafzimmer das DDR-Leben, wie es einmal war: Eine kleine, übriggebliebene Insel der Langsamkeit und des wahren Sozialismus, umschwemmt von der einbrechenden Marktwirtschaft und einer völlig anderen, schnellen und hektischen Zeit. Alex` wesentlich pragmatischere Schwester Ariane, mittlerweile selbst alleinerziehende Mutter, kritisiert von Anfang an seine aussichtslose Inszenierung der DDR auf 79 qm Plattenbauwohnung. Aus Liebe zur Mutter spielt sie jedoch mit. Aber was tun, wenn die Situation durch die überraschend schnelle Genesung der Mutter schwieriger wird? Wenn es ihre geliebten Spreewald-Gurken und andere Alltagsprodukte aus der DDR einfach nicht mehr zu kaufen gibt? Wenn sie plötzlich die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" sehen will oder bei ihrer Geburtstagsfeier vom Bett aus auf der Hauswand gegenüber das erste Coca-Cola Plakat entdeckt? In seinem absurden Kampf für die Aufrechterhaltung der DDR ist Alex besessen wie Don Quichotte. Mit seinem "Sancho Pansa" und Arbeitskollegen Denis (FLORIAN LUKAS), einem begeistertem Videofilmer, der nebenberuflich mit Hochzeitsvideos Geld verdient und Filmregisseur werden will, dreht er TV-Fälschungen der "Aktuelle Kamera". In einem selbstgemachtem Beitrag lässt er die DDR in einem Patentverfahren über den Coca Cola-Konzern siegen, bei dem er sogar so weit geht zu behaupten, dass der Inbegriff westlicher Erfrischungsgetränke eine sozialistische Erfindung gewesen sei. Noch schwieriger wird es, als es der Mutter gelingt, unbemerkt auf die Straße zu gehen und sie dort auf eine völlig veränderte Welt trifft. Alex` Erfindungsreichtum wird auf eine scheinbar unüberwindliche Probe gestellt und er erfindet für seine Mutter eine ganz andere Version der historischen Geschehnisse in den Jahren 1989/90. Alex kommt immer stärker in den Widerspruch zwischen der neuen Welt und der von ihm konservierten alten. Sein Rückzug in die hausgemachte DDR-Idylle ist ein Abschiedsprozess von der Mutter und letztendlich von seiner Kindheit, gleichzeitig aber auch ein Zögern vor dem, was in Zukunft kommen wird. Auch seine Freundin Lara macht ihm klar, dass es nicht länger so weiter gehen kann. Als Alex` Schwester Ariane von ihrem neuen Freund Rainer (ALEXANDER BEYER) schwanger wird, sein Spiel nicht länger mitspielen will und den Auszug plant, entscheidet er sich endlich, dass er der Mutter die neue Wirklichkeit nicht länger vorenthalten kann. Auch die Mutter will sich ihrer Vergangenheit stellen und möchte an den Ort fahren, an dem sie seit der Flucht ihres Mannes nicht mehr war – die Familiendatsche, Symbol der glücklichen Zeit, bevor der Vater die Familie verlassen hat...

Kommentare

(2) Christian-1983 vergibt 10 Klammern · 13. August 2006
Klasse Film!
(1) Fojin vergibt 7 Klammern · 08. September 2004
Atmosphärisch dichte Tragik-Komödie, einer der besseren deutschen Filme der letzten Jahre.
 

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