Filmkritik - Erbsen auf halb 6 (2004)
 
 

Erbsen auf halb 6

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,1)
Regie: Lars Büchel
Darsteller: Fritzi Haberlandt, Jens Münchow
Laufzeit: 107min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Deutschland)
Verleih: Senator Film Verleih
Filmstart: 04. März 2004
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Es beginnt mit einem Paukenschlag. Das Auto von Jakob saust in den Abgrund und nichts wird mehr sein wie es vorher war. Der junge Theaterregisseur verliert sein Augenlicht. Für immer. Er stößt gegen verschlossene Türen und spricht mit Menschen, die längst weitergegangen sind. Jakob schreit. Weil er mit der Vorstellung, nie wieder sehen zu können, nicht umgehen kann. Weil er Angst hat. Weil er seinen Beruf verliert. Und Jakob schreit die einzige Frau an, die ihm helfen kann und will. Lilly. Lilly ist seine Lehrerin. Sie bringt ihm bei, wie sich erblindete Menschen in ihrer neuen Umgebung zurecht finden. Es ist schwer. Jakob möchte nichts lernen. Der Verlust ist zu groß. Er beschließt, sich das Leben zu nehmen, doch selbst das gelingt ihm nicht. Der Abgrund ist diesmal nicht tief genug. Er findet nicht den Mut seiner Mutter zu sagen, dass seine Netzhaut tot ist. Sie wünscht sich so sehr, dass er kommt. Die Schwierigkeit: Sie wohnt in der Nähe von Onega, in den Weiten Russlands. Und es ist gut, dass er jetzt ein Ziel hat. Ein Blinder macht sich auf den Weg. Er kann es nicht schaffen, jedenfalls nicht allein. Lilly. Sie begleitet ihn. Obwohl er es nicht will. Noch nicht. Lilly weiß den Ausweg, wenn ein Kornfeld zum Irrgarten wird. Sie bringt ihm bei, wo er auf seinem Teller die Erbsen findet, wenn sie auf halb sechs liegen. Dann beginnt sie, die Reise. Durch Europa. Mit dem Zug, zu Fuß. Hinten auf dem Pritschenwagen. Schiff und Busse. Immer wieder Busse. Die immer älter werden. Ohne Fenster, ohne Türen, aber mit vielen Menschen. Mit Lachfalten und Goldzähnen. Und Lebensfreude. Langsam, ganz langsam kommen Lilly und Jakob sich näher. Manchmal eine kleine Berührung, ein kleines Lachen. Vorsichtig kommt sie, die Liebe. Lilly bringt ihm bei, wie er seine Sachen packen muss, damit er sie wieder findet. Sie macht ihn hören, wie der Regen klingt. Dass der Regen der Welt ein Gesicht, einen Abdruck gibt. Jakob erzählt von seiner Welt, berichtet vom Wesen des Nebels, den Farben. Gelb, das ist wie der Klang einer Querflöte. Und er erzählt, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er nur noch wenig Zeit hat, sonst kommt er zu spät. Seine Reise wird zu ihrer. Ihre fürsorgliche Mutter lässt sie hinter sich. Und auch die Überzeugung, dass Blinde dies nicht tun sollten und jenes nicht können. Lilly und Jakob können alles. Und wenn das Geld weg ist, dann werden sie eben zu "blinden Passagieren". Sie wird größer, die Liebe. Deshalb hält Jakob sie fest, als sie sich an der großen Fähre verabschieden. Und Lilly kommt nicht mehr von Bord. Die Reise bringt sie näher zusammen. Doch sie sind nicht allein. Lilly ist verlobt. Mit Paul. Dieser fährt mit Lillys Mutter, die sich große Sorgen um ihre Tochter macht, hinterher. Lilly war noch nie so lange so weit weg. Denn Blinde dürfen, ja sie können nicht alleine verreisen. Doch. Jakob und Lilly, sie können es. Manchmal ist es schwierig. Da wissen sie nicht, wo der Busfahrer ist. Er ist weg, sie müssen alleine weitergehen. In der Stadt, die keine ist, eine Attrappenstadt, die Begegnung mit einem tauben Küster, den sie, ob seiner Laute, erst für einen Elch halten... Doch dann, in einer kleinen Pension, berühren sie sich. Vorsichtig, schneller, lustvoller... Paul und die Mutter Regine sind in der gleichen Pension. Zwei Blinde können keine Kinder bekommen, sagt die Mutter. Und Paul ist der richtige Mann für ihre Tochter. Lilly folgt Paul und ihrer Mutter. Jakob schickt sie weg. Nein, er braucht sie nicht mehr, sie soll zurückkehren, sie wird mit ihm nicht glücklich werden. Jakobs Mutter lebt. Der Sohn fühlt sie, seine Mutter und erzählt ihr von seiner Liebe. Die Mutter stirbt und Jakob macht sich auf, Lilly zu suchen. Diese weiß jetzt, wohin sie gehört. Sie nimmt ihre ganze Kraft, stemmt sich gegen sie Konvention und verlässt Paul. Für Jakob. Es ist schwer, wenn zwei Blinde versuchen, einander zu finden. Der Regen, er hilft. Sie hören sich. Der Abdruck der Welt.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.
 

Teilen

 

Filmsuche