Filmkritik - Die Queen (2006)
 
 

Die Queen

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,4)
Original: The Queen
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Tim McMullan, James Cromwell
Laufzeit: 104min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Biografie (Großbritannien)
Verleih: Concorde Filmverleih
Filmstart: 11. Januar 2007
Bewertung: 7,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
1. September 1997: Die Welt erwacht und Prinzessin Diana ist tot. Die wohl bekannteste Frau der Welt und Ex-Gattin des englischen Thronfolgers ist bei einem Autounfall gestorben. Die Nachricht versetzt Menschen rund um die Erde in einen Schock und schon am nächsten Tag bedeckt ein Meer von letzten Blumengrüßen an die Verstorbene den Boden vor Buckingham Palace. Doch der Palast steht leer. Die Royals verharren trotz der Tragödie stoisch hinter den dicken Mauern ihres schottischen Landsitzes Schloss Balmoral. In ihrer Welt des starren Hofprotokolls sind öffentliche Emotionen tabu. Die Familie wird in privater Abgeschiedenheit trauern, in Schottland, wo die beiden kleinen Söhne der Prinzessin vor der Neugier der Medien geschützt sind. Der Queen (Helen Mirren) erscheint es angemessen, Dianas Tod als Privatsache zu behandeln, schließlich war sie ja nicht mehr Mitglied der königlichen Familie, folglich ist auch ihr Tod keine Staatsangelegenheit und selbst Dianas Familie hat ein privates Begräbnis gefordert. Der zutiefst erschütterte Prinz Charles (Alex Jennings) fliegt nach Paris, um die sterblichen Überreste seiner Exfrau zu überführen. Doch auch wenn die Queen sich samt Familie hinter den dicken Mauern von Balmoral verstecken mag, für Tony Blair (Michael Sheen) ist das Ereignis seine Feuertaufe als Politiker. Erst drei Monate zuvor errang er einen erdrutsch¬artigen Wahlsieg für seine Labourpartei und der junge Premier spürt genau, dass sich die Stimmung unter den Briten ändert. Von Reserviertheit und Beherrschung keine Spur, statt dessen türmt sich die Woge der Gefühle zu einer wahren Sintflut auf, wie sie das Königreich noch nie zuvor erlebt hat. Fast scheint es, als ob die ganze Nation eine Schwester, eine Mutter oder eine Tochter verloren hat. Diana war für alle Briten die, wie Blair sie in einer TV-Pressekonferenz anlässlich der Todesnachricht tauft, „Prinzessin der Herzen“. Nur bei den Royals auf Balmoral findet sein emotionaler Ausbruch wenig Resonanz. Als Blair ein Staatsbegräbnis für Diana vorschlägt, damit „das Volk die Trauer teilen kann“, zuckt die Queen empört zusammen. Allein die Vorstellung ist ihr ein Gräuel. Scharf erinnert sie ihren Premierminister daran, dass es sich immerhin um eine Bestattung handelt, keine Jahrmarktsattraktion. Doch bereits am Montag der folgenden Woche watet die Palastwache durch ein knietiefes Blumenmeer vor Buckingham Palace. Blairs rechte Hand Alistair Campbell (Mark Bazeley) weidet sich schon an der Vorstellung, dass die Queen unfähig ist, die Stimmung ihres Volkes zu erkennen, während Blairs Popularität nach seinen Gesten des Mitgefühles schier ins Unermessliche steigt. Der Politstratege Campbell frohlockt und prophezeit Schlagzeilen wie „Blair muss die Monarchie vor sich selbst retten“. Doch ausgerechnet der Premierminister fühlt Loyalität mit der Queen in sich aufsteigen. Erst recht, als ihm Prinz Charles, im Gegensatz zu seiner Mutter, seine volle Unterstützung zusichert. Es ist Charles’ Versuch, sich vom Rest der Royals zu distanzieren, auf die sich die Presse mittlerweile als Bösewichter eingeschossen hat. Als die Queen erfahren muss, dass das Begräbnis ihrer Ex-Schwiegertochter jenem Ablaufplan gehorchen soll, der für den Tod der Queen Mum (Sylvia Syms) bereits fertig in der Schublade steckt, ist das ein Angriff auf ihre Autorität. Statt Staatsgästen und ranghoher Militärs sollen Künstler und prominente Freunde der toten Schwiegertochter deren Trauerfeier beiwohnen. Es bleibt nicht das einzige Zugeständnis an die öffentliche Trauer um Diana, das die Queen eingehen muss. Denn zunehmend schlägt sich diese Trauerbauch in aggressiven Anrufen auf Schloss Balmoral nieder. Fast scheint es der Queen, als ob die Prinzessin nach ihrem Tod ebenso viele Probleme wie zu Lebzeiten verursacht. Die ganze Angelegenheit offenbart eine Seite ihrer Untertanen, von deren Existenz die Monarchin keine Ahnung hatte. Es will ihr nur schwer gelingen sie zu verstehen, obwohl die Bereitschaft Gefühlen nach¬zugeben auch ihren Sohn scheinbar erfasst hat. Dessen Mangel an Rückrat angesichts der Widrigkeiten strapaziert die Geduld von Elizabeth II. ohnehin bis zum Äußersten.. Wenigstens in der überwältigenden Landschaft um Balmoral herum und in Begleitung ihrer treuen Corgis findet sie Abstand und Luft zum Atmen. Wenigstens haben sich in dieser Welt nicht plötzlich die Spielregeln geändert und sie kann sich wohl fühlen. Die Vorbereitungen für die Trauerfeier beginnen und es werden über zwei Millionen Menschen dazu in London erwartet, als ein neuer protokollarischer Streitpunkt auftaucht. Die Presse regt sich darüber auf, dass am Buckingham Palace keine Fahne auf Halbmast zu sehen ist. Es entspricht dem Protokoll, dass der Palast nur bei Anwesenheit der Queen beflaggt ist. Blair schlägt vor, trotz Abwesenheit der Königin, die Fahne zu setzen und auf Halbmast wehen zu lassen, selbst wenn es nicht dem Protokoll entspricht. Er erntet damit keinen Beifall bei der Queen. So langsam frustrieren die Ratschläge des Jungspund-Premiers und die Willensschwäche des eigenen Sohnes die Queen und ihren Mann Prinz Phillip (James Cromwell). Bis zum Mittwoch verschärft die Presse ihre Angriffe auf die Royals: „Zeigt uns, dass das Haus Windsor ein Herz besitzt!“, geifert eine Gazette, „Zeit für einen Wachwechsel“, die nächste. Der Druck zeigt langsam Wirkung im königlichen Haus, nicht nur bei den Bediensteten. Während sie allein durch die Ländereien um Balmoral fährt, hat die Queen eine Autopanne. Plötzlich allein und unbeobachtet, brechen sich aufgestauter Ärger, Frustration und Trauer Bahn. In Anbetracht der zugespitzten Lage fordert Tony Blair die Queen noch einmal auf, nach London zu kommen, um sich dem Volk zu stellen und mit ihm „seine Trauer zu teilen“. Elizabeth II. will sich dem Mediendruck widersetzen. Sie ist überzeugt davon, dass die Hysterie unter den Briten bald wieder deren sprichwörtlicher Gefasstheit weichen wird. Aber es scheint, als benähmen sich die Briten plötzlich nicht mehr britisch. So langsam dämmert es der Queen, dass sie die Volksseele nicht mehr versteht. Der folgende Morgen bringt gute und schlechte Nachrichten: Blair hat an Popularität erneut gewonnen und ist beliebter als Churchill, die Queen büßt für ihr Verhalten mit negativen Schlagzeilen. Das ist zuviel für Blair, dessen Sympathien für die Monarchie die Oberhand gewinnen. Als der Tag der Beerdigung näher kommt, drängt er Elizabeth II., einen Schlachtplan zu befolgen, der die Presse ruhig stellt und vielleicht sogar eine Verfassungskrise verhindert…

Kommentare

(1) k163371 vergibt 7 Klammern · 14. Januar 2007
war gut gemacht aber was hat gefehlt!!!
 

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