Filmkritik - Die Gefangene (2000)
 
 

Die Gefangene

Original: La captive | The Captive
Regie: Chantal Akerman
Darsteller: Aurore Clement, Stanislas Merhar
Laufzeit: 118min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama (Frankreich)
Verleih: Alamode Film
Filmstart: 09. Mai 2002
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ariane wohnt bei Simon in dessen geräumiger Pariser Wohnung. Er überwacht sie permanent. Denn Simon will alles über sie wissen. Er lässt sie beobachten, wenn sie ausgeht, er spioniert ihr nach und unterzieht sie endlosen Verhören, die zu einem Ritual geworden sind. Nur dadurch, dass sie ihn in einem fort belügt, gelingt es Ariane, sich einen Freiraum zu bewahren, sowohl in geistiger wie auch in körperlicher Hinsicht. Unterdessen erlebt Simon gleichermaßen Lust und Leid. Es ist ihm völlig klar, dass er selbst in Momenten größter körperlicher Nähe, die ihm allenfalls vorübergehend Beruhigung verschaffen, Ariane nicht wirklich habhaft werden kann. Gerade in solchen Augenblicken, in denen er sie zu besitzen glaubt, scheint sie sich ihm mehr denn je zu entziehen. Obwohl sie sich rückhaltlos auf ein sexuelles Ritual einlässt, bei dem er ganz über sie verfügen kann - über ihren Körper, ihren Mund, ihren Schlaf - entgleitet sie ihm mehr und mehr. Simon kennt Arianes Faible für Frauen und kann sich nur allzu gut vorstellen, dass sie ein Doppelleben führt, und das verstärkt seine Schmerzen, sein Gefühl von Ohnmacht und seine Begierde noch zusätzlich. Da kann es nicht ausbleiben, dass er über kurz oder lang versuchen wird, gewaltsam in ihre Welt einzubrechen, die nur aus Frauen besteht. Doch nicht nur Arianes Bisexualität, geschweige denn der bloße Geschlechtsunterschied stehen Simons unstillbarem Verlangen im Wege: Seine Gier nach vollständiger Verschmelzung, seine Sucht, in das Innere eines anderen eindringen zu wollen, sind schlicht dadurch unmöglich, dass ein anderer Mensch eben ein anderer Mensch ist. Unumstößlich ein anderer. Und ein anderer ist ein Fremder, und deshalb werden sie nie eins sein. Dieser Film erzählt somit die tragische Geschichte von zwei Liebenden, deren Bedürfnisse, wenngleich sie sich miteinander vereinbaren lassen, dennoch völlig gegensätzlich bleiben. Simon sucht mit allen Mitteln, ja geradezu verzweifelt nach einem Weg, um in die reale und imaginäre Welt seiner Geliebten eindringen zu können - ein Vorhaben, das selbstverständlich zum Scheitern verur teilt ist. Ariane hingegen gelingt es, sich völlig unbeschadet Simons Fängen zu entziehen, obwohl sie ihr Möglichstes tut, um ihm zu gefallen, seine Schmerzen zu lindern, ihn nicht leiden zu lassen und seine Begierde zu stillen, wobei sie zweifellos auch selbst auf ihre Kosten kommt. Sie meistert diesen Spagat, indem sie ein Doppelleben voller Lügen führt, vor allem aber dadurch, dass sie einfach ihrem Wesen folgt.

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