Filmkritik - Der Tintenfisch und der Wal (2005)
 
 

Der Tintenfisch und der Wal

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,4)
Original: The Squid and the Whale
Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Michael Countryman, Peggy Gormley
Laufzeit: 77min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (USA)
Verleih: Sony Pictures
Filmstart: 11. Mai 2006
Bewertung: 9,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Brooklyn, 1986. Familie Berkman beim Doppel in der Tennishalle. Patriarch Bernard (JEFF DANIELS) spielt mit seinem 16-jährigen Sohn Walt (JESSE EISENBERG), ihnen gegenüber stehen Bernards Frau Joan (LAURA LINNEY) und der 12-jährige Sohn Frank (OWEN KLINE). Eine nicht allzu faire Paarung, aber dennoch spielt Bernard das Match verbissen und ohne Rücksicht auf den sichtlich unterlegenen Gegner. Für ihn, den einstmals gefeierten und sehr von sich überzeugten Literaten, der seit Jahren darum kämpft, endlich wieder ein Buch veröffentlichen zu können und in der Zwischenzeit an der Uni Literatur lehrt, geht es um jeden Punkt. Das liegt in seiner Natur, aber auch daran, weil er Joan neidet, dass sie mit ihren Geschichten mittlerweile erfolgreicher ist als er. Nur zugeben würde Bernard das niemals. Also kämpft er um jeden Punkt, bis Joan der Kragen platzt, sie ihren Schläger wegwirft und die Halle verlässt. Walt und Frank verfolgen die Szene, ohne so recht zu verstehen, was da passiert. Beim Abendessen sind die Rollen ähnlich verteilt wie beim Tennisspiel. Es ist unschwer zu erkennen, dass Joan und der hellwache Frank ein eingespieltes Team sind, während Walt eher seinem Vater zugetan ist und fasziniert jede Information von ihm über Literatur förmlich aufsaugt. Am nächsten Morgen trifft Frank beim Verlassen des Hauses im Wohnzimmer seinen Vater an, der gerade die Schlafcouch zusammenfaltet. Offenkundig hat er die Nacht nicht in einem Bett mit Joan verbracht. Er redet sich heraus und sagt, auf der Couch habe er nicht so schlimme Rückenschmerzen. Frank ist nicht überzeugt. Auf dem Weg zur Schule erzählt ihm Walt, dass ein angesehenes Literaturjournal die neueste Geschichte von Joan veröffentlichen wird. Sofort schlägt er sich auf die Seite seines Vaters: Ohne ihn hätte seine Mutter niemals mit dem Schreiben angefangen. Frank lässt sich von Tennislehrer Ivan (WILLIAM BALDWIN), einstmals stolze Nummer 268 der Weltrangliste, unterrichten, während Bernard am Spielrand zusieht. Ivan kritisiert die ungelenke Technik des Jungen und bringt damit Bernard gegen sich auf: Er selbst hätte Frank Tennis beigebracht - seine einhändige Rückhand sei auch nicht schlechter als die von McEnroe. Wie um seine Expertise zu unterstreichen, bietet er Ivan ein Kräftemessen auf dem Court an, das dieser schulterzuckend annimmt. Und natürlich mit seiner überlegenen Schlagtechnik auch gewinnt. Frank ist beeindruckt und kann sich gut vorstellen, als Erwachsener auch als Tennislehrer zu arbeiten. Bernard ist nicht begeistert. Im Wohnzimmer spielt Walt seinen Eltern, begleitet von seiner Akustikgitarre und Frank als Chorsänger, "Hey You" von Pink Floyd vor. Er will den Song bei der alljährlichen Talentshow in seiner Schule vortragen, behauptet aber seinen nichts ahnenden und von dem Vortrag begeisterten Eltern gegenüber, er habe Roger Waters' Klassiker aus "The Wall" selbst geschrieben. Nur Frank weiß es besser und reagiert irritiert. Joan nimmt in der Küche ein Telefongespräch entgegen und erregt damit die Eifersucht von Bernard, der aber vor seinen Söhnen sein Gesicht nicht verlieren will. Walt besucht seinen Vater in der Uni und wird Zeuge, wie die aufreizende Studentin Lili (ANNA PAQUIN) eine ihrer explizit sexuellen Kurzgeschichten zum Besten gibt. Bernard ist sichtlich angetan - von der Geschichte und von Lili. Walt nutzt die Gelegenheit und befragt seinen Vater, wie seine beiden Ehefrauen vor Joan waren. Schwierig, kommt die Antwort postwendend. Im Vorbeifahren sehen Vater und Sohn Joan, die in ein inniges Gespräch mit einem anderen Mann vertieft ist. Am Abend erhält Joan erneut einen Anruf. Es kommt zum Streit zwischen Bernard und ihr. Frank liegt wach in seinem Bett. Der Lärm raubt ihm den Atem. Walt ist besorgt. Beide Jungen verstehen nicht, was zwischen ihren Eltern vorfällt. Für den nächsten Abend beruft Bernard eine Familienkonferenz ein: Zum Entsetzen der Jungs geben die Berkmans bekannt, dass sie sich trennen werden. Bernard wird ausziehen und hat sich bereits in der Nähe ein kleines Häuschen gemietet. Die Jungs sollen abwechselnd bei den Elternteilen wohnen. Walt und Frank sind schockiert. Das ist das Schlimmste, was sie sich vorstellen können. Als sie allein sind, versichert Joan ihrem älteren Sohn, dass sie nicht der Grund für die Trennung sind. Erstmals nimmt Bernard seine Jungs in seinem etwas heruntergekommenen Wagen mit in sein neues Domizil, nicht ohne, wie es seine Art ist, Joan vor den Jungs schlecht zu machen. Frank reagiert indigniert, Walt stimmt seinem Vater stillschweigend zu. Das Haus ist in ebenso schlechtem Zustand wie Bernards Auto. Frank macht sofort deutlich, dass es ihm bei seiner Mutter besser gefällt. Walt eilt wie immer seinem Vater zur Hilfe. Es kommt zum handfesten Streit zwischen den Brüdern. Bei einer Tanzstunde kommt Walt der adretten Sophie Greenberg (HARLEY FEIFFER) näher, auf die er schon länger ein Auge geworfen hat, obwohl er den Rat seines Vaters zu folgen versucht, sich nicht zu früh auf eine Frau festzulegen. Aber ihr kann er seine Sorgen über die Trennung seiner Eltern anvertrauen und obendrein ein bisschen mit seinem literarischen Second-Hand-Wissen angeben. Sophie ist beeindruckt. Bernard versucht weiter auf seine manipulative Weise, einen Keil zwischen Joan und Walt zu treiben, indem er dem Sohn en passant von einer mehrjährigen Affäre von ihr mit einem Nachbarn erzählt. Sofort fasst Walt den Entschluss, das Haus der Mutter zu verlassen und zu seinem Vater zu ziehen. Als er ihr den Grund nennt, ist sie sichtlich peinlich berührt. Frank bleibt bei seiner Mutter und berichtet dem Bruder wenig später am Telefon, dass sie auch mit ihrem Therapeuten eine Affäre hatte. Allein im Zimmer trinkt er Bier, während er seinen Bizeps stählt. In der Schule masturbiert Frank in der Schulbibliothek und schmiert sein Sperma auf ein paar Bücher. Sophie und Walt treffen sich. Sie ist dankbar für seine Literaturtipps - anders als er hat sie die Bücher gelesen. Sie küssen sich. Und doch gibt sich Walt Mühe, Abstand zu wahren. Beim nächsten Treffen lädt Sophie Walt zum Abendessen mit ihren Eltern ein. Sie reagiert irritiert, weil er ihre Hand loslässt, als ein anderes hübsches Mädchen aus der Schule an ihnen vorbeigeht. Das Essen mit den Greenbergs wird ein Erfolg. Walt fühlt sich wohl. Obwohl sich Frank mit Kopfschmerzen ins Bett legen will, drängt sein Vater ihm ein Tischtennisspiel auf, das er gegen den 12-Jährigen selbstverständlich gewinnt. Frank gesteht Bernard, dass er gerne Tennislehrer wie Ivan werden will. Bernard reagiert verächtlich: Er hält nichts von Ivan. Nach einem desillusionierenden Gespräch mit Joan, bei dem nichts geklärt wird, hat Bernard eine Idee, als Lili ihm davon erzählt, dass sie ein Zimmer zur Untermiete sucht. Er lädt sie zu sich in sein Haus ein und sie willigt ein. Walt ist ebenso angetan wie Bernard. Während Bernard nur unter Aufbietung all seiner Kräfte ein neues Tischtennismatch mit Frank gewinnen kann, kommt Walt Lili etwas näher. Er ist fasziniert von dem älteren Mädchen. Bernard geht mit Walt und Sophie ins Kino, "Blue Velvet" - seine Wahl. Als sie nach Hause kommen, ist Frank verschwunden. Bernard liest ihn auf der Straße auf. Er will zu seiner Mutter und lässt sich nicht beirren. Bei Joan sind die Möbel umgestellt. Sie ist sichtlich überrascht, als Frank auftaucht, denn sie hat Herrenbesuch. Es ist Ivan, mit dem sie gefeiert hat, dass sie einen Verlag für ihren Roman gefunden hat. Später will sie Walt von Ivan erzählen, doch Frank hat ihn bereits ins Benehmen gesetzt. Bernard reagiert auf die Nachricht, wie man es von ihm erwarten kann - mit Abschätzigkeit. Frank verteidigt Ivan. Bernards Ego ist jedoch nicht lange verletzt: Er macht Lili Avancen und sie ist nicht abgeneigt. Walt ahnt derweilen nichts davon und weil er auch an Lili denken muss, weist er Sophie immer mehr ab. In der Schule ist Frank wieder allein und er schmiert sein Sperma an die Tür des Spinds einer Mitschülerin. Es ist der Tag des großen Wettbewerbs. Walt trägt "Hey You" vor und präsentiert das Lied von Pink Floyd als Eigenkomposition. Nur wenigen im Publikum, darunter Ivan, kommt das spanisch vor. Walt gewinnt. Er trennt sich von Sophie und macht sich an Lili ran, doch sie schickt ihn weg. Als Frank allein zu Hause ist, weil seine Mutter mit Ivan übers Wochenende wegfährt, betrinkt er sich sinnlos und muss sich dann übergeben. Auch seine Eskapaden in der Schule sind nicht unbemerkt geblieben. Die Rektorin ist besorgt und fragt die Eltern, ob es Probleme in der Familie gebe, die das bizarre Verhalten des Jungen ausgelöst haben könnten. Bernard und Joan schweigen betreten. Danach kommt es zum Streit zwischen den beiden. Wenig später werden die Berkmans wieder in die Schule zitiert: Walts Schwindel mit dem Pink-Floyd-Lied ist aufgeflogen und Walts Lehrer schlägt eine Therapie für Walt vor. Zunächst reagiert Walt feindselig auf Dr. Waddles. Doch bald schon gelingt es dem Therapeuten, dass der Junge seine seit der Trennung der Eltern zur Schau getragene Coolness verliert. Walt ist erstaunt, wie gut es ihm nach der Sitzung geht. Als er beim Nachhausekommen auch noch seinen Vater mit Lili sieht, kann er sich endgültig von der Umklammerung seines Vaters befreien. Jetzt gelingt es ihm, wirklich ernsthaft und ehrlich mit seiner Mutter zu sprechen. Und auch Frank entscheidet sich endgültig für seine Mutter. Fragt sich nur, ob Bernard, der gestürzte Patriarch, auch in der Lage ist, seine Lektion zu lernen.

Kommentare

(1) tabea_87 vergibt 9 Klammern · 24. Mai 2006
Klasse Film :-)
 

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