Filmkritik - Der Pianist (2002)
 
 

Der Pianist

DVD / Blu-ray :: IMDB (8,5)
Original: The Pianist
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Adrien Brody, Thomas Kretschmann
Laufzeit: 149min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 24. Oktober 2002
Bewertung: 10,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
1939: Hitler hat Polen den Krieg erklärt. Warschau wird von den Deutschen besetzt. Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) ist einer der bekanntesten polnischen Pianisten, berühmt vor allem durch seine Chopin-Interpretationen. Er arbeitet als Musiker beim Warschauer Rundfunk. Und er ist Jude. Zusammen mit seinen Eltern (Mareen Lipman, Frank Finlay), den beiden Schwestern (Julia Rayner, Jessica Meyer) und seinem Bruder (Ed Stoppard) lebt er mitten in Warschau. Bisher ging es ihnen gut. Aber jetzt, nach der Kapitulation Polens, regieren die deutschen Besatzer, die sofort anfangen, drakonische Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung zu verhängen. Geld und Besitztümer werden konfisziert, Demütigungen, Schläge und Exekutionen auf den Straßen sind erschütternder Alltag - und die Polen gehen fast achtlos vorüber. Angst und Panik haben alle erfasst, aber die einen sind froh, nicht zu den anderen gehören zu müssen. Der nächste Schritt der Erniedrigung für die Juden ist der Erlass, dass alle eine Armbinde mit dem blauen Davidstern anzulegen haben. Für Szpilmans Geschwister ein Brandzeichen, das zu tragen sie sich weigern wollen. Aber sie begreifen schnell, dass die Sanktionen viel schlimmer sind: ihr Vater wurde von deutschen Polizisten brutal vom Bürgersteig auf seinen Platz in der Gosse verwiesen. Nach und nach zieht sich der Würgegriff immer enger um die Familie, die bald gezwungen ist, all ihr Hab und Gut zu veräußern: die Gemälde, das Tafelsilber, das gesamte Mobiliar und zuletzt auch Szpilmans geliebtes Piano. Ein folgenschweres Dekret des Naziregimes bereitet daraufhin den finalen Schlag gegen die polnischen Juden vor: sie alle haben sich in einen engen und durch eine Mauer vom Rest der Stadt abgetrennten Bezirk zu begeben, das Warschauer Ghetto. Szpilman arbeitet nun als Klavierspieler in einem schäbigen Café, um die Familie wenigstens notdürftig über Wasser zu halten. Er zieht diese Arbeit einer Position bei der von den Nazis eingesetzten jüdischen Polizei im Ghetto vor, für die er geworben werden sollte. Tagtäglich wird er Zeuge unerträglicher Demütigung und Brutalität. Nur wenige haben noch Kraft zum Widerstand, den sie trotz fehlender Möglichkeiten und Mittel planen. Die ersten Transporte in die Konzentrationslager der Nazis beginnen im Frühjahr 1942, offiziell als „Transport in Arbeitslager“ im Osten umschrieben. Auch Familie Szpilman wird zusammen mit Nachbarn und Freunden zum Bahnhof getrieben. Kurz vorm Besteigen der Viehwaggons reißt jedoch ein jüdischer Kollaborateur den Pianisten aus der Reihe und versteckt ihn hinter seinem Rücken. Die Familie muss in den Zug einsteigen, Szpilman wird sie nie wieder sehen. Er kommt in einem Bautrupp unter und ist von nun an auf sich allein gestellt und immer mehr auf die Hilfe von Freunden angewiesen. Dafür hilft er der Untergrundbewegung Waffen zu schmuggeln, wobei er bei einer Inspektion in letzter Minute der Entdeckung entgeht. Im März 1943 erteilt Himmler den Auftrag, den Rest der jüdischen Bevölkerung zur Deportation abzuholen oder gleich zu liquidieren. Als diese Nachricht die Ghettobewohner erreicht, intensivieren sich die Vorbereitungen für einen Aufstand. Szpilman weiß, es ist höchste Zeit, er muss das Ghetto verlassen, bevor es geräumt wird. Polnische Untergrundkämpfer helfen ihm und organisieren Verstecke außerhalb der Ghettomauer, in denen er notdürftig versorgt wird. Vom Fenster eines seiner Schlupfwinkel aus beobachtet er den Aufstand im Ghetto, der von der SS gewaltsam niedergeschlagen wird. Eine Nachbarin entdeckt ihn schließlich doch in einer angeblich leerstehenden Wohnung, aber bevor sie ihn denunziert, gelingt ihm erneut die Flucht. Dank einer Notfalladresse findet Szpilman über alte Freunde ein neues Versteck, diesmal direkt gegenüber der deutschen Schutzpolizei. Aber lange kann er auch hier nicht bleiben. Die Untergrundkämpfer greifen die Polizeistation an, worauf hin die Deutschen mit Panzer und schwerer Artillerie alle Nachbarhäuser zerstören – Szpilman entkommt noch einmal, indem er sich zwischen den Exekutierten auf der Straße tot stellt. Und die Tortur geht weiter. Noch ist sein Überlebenswille trotz Hunger, Krankheit und wachsender physischer Schwäche nicht ganz gebrochen. Er irrt durch Warschau, das sich inzwischen in eine leblose, erschütternde Ruinenlandschaft verwandelt hat, und sucht ausgerechnet in der Villa Zuflucht, die sich ein Stab deutscher Militär-angehöriger als Hauptquartier einrichtet. Szpilman versteckt sich auf dem Dachboden. Aber er wird entdeckt. Ein deutscher Offizier (Thomas Kretschmann) hat ihn aufgespürt und verhört ihn. „Spielen Sie“, befiehlt er, nachdem Szpilman ihm erzählt, dass er Musiker sei. Die Hände des Pianisten sind steif und schmutzverkrustet, aber als er anfängt, zuerst zögernd, dann immer sicherer und der bedrohlichen Situation vollkommen entrückt, wird die Ruine zum Konzertsaal, und auf dem Gesicht des Hauptmanns breiten sich Sanftheit und Frieden aus. Und dann geschieht zum ersten Mal in diesen Jahren voller Entbehrung und Angst, voller Leid und Trauer etwas Überraschendes: Der Deutsche hilft dem Juden. Er bringt ihm Nahrung, damit er die letzten Tage der Nazi-Okkupation überstehen kann, und er gibt ihm seinen Mantel gegen die Kälte - auch wenn er sich damit selbst in höchste Gefahr begibt. Denn die Russen stehen jetzt bereits auf der anderen Flussseite, die Rettung ist also nahe. Und tatsächlich - Szpilman kann sein Versteck endlich verlassen. Nach Kriegsende ist Szpilman wieder als Pianist beim Warschauer Rundfunk beschäftigt. Von einem Bekannten erfährt er, dass ein von den Russen gefangener deutscher Offizier behauptet, ihn vor dem Tod gerettet zu haben und nun seine Fürsprache erbäte. Szpilman macht sich - wie es ihm beschrieben wurde - zu dem Gefangenenlager auf. Aber er findet nur noch ein leeres Feld. Er kann seinen Retter nicht mehr retten.

Kommentare

(1) Titus_0815 vergibt 10 Klammern · 19. November 2006
Sehr guter film absolut sehenswert sehr tiefgründig gute schauspieler gute handlung kann ich nur sagen seht ihn euch selber mal an
 

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