Filmkritik - Der Liebeswunsch (2005)
 
 

Der Liebeswunsch

DVD / Blu-ray :: IMDB (5,4)
Regie: Torsten C. Fischer
Darsteller: Tobias Moretti, Jessica Schwarz
Laufzeit: 115min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Romanze (Deutschland)
Verleih: NFP marketing & distribution
Filmstart: 19. April 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Cuxhaven, ein Hochhaus an der Nordsee. Jan besucht die Wohnung, aus der sich die junge Anja (Jessica Schwarz) in den Tod gestürzt hat. Weil Jan nicht vergessen kann, stellt er sich endlich seinen Erinnerungen. Köln, einige Jahre zuvor. Das Mediziner-Ehepaar Jan und Marlene will Urlaub machen. Deshalb engagieren sie die Studentin Anja, die in diesen Sommerwochen das Haus hüten soll. Als Anja sich vorstellt, ist nicht nur Jan von ihrer Schönheit beeindruckt, sondern auch Leonhard, der beste Freund des Paares — er ist Richter am Kölner Landgericht. Anja arbeitet an ihrer Magisterarbeit und ist ganz zufrieden mit ihrer Einsamkeit in dem verlassenen Haus, doch Leonhard benutzt ihr Alleinsein als Vorwand, um ihr Gesellschaft zu leisten. Obwohl beide sehr zurückhaltend bleiben, merkt Anja schnell, dass Leonhard sich in sie verliebt hat. Noch siezen sich die beiden, noch ist es zu keiner Zärtlichkeit gekommen, da macht Leonhard der schweigsamen jungen Frau einen Heiratsantrag. Die beiden heiraten. Anja verfällt nach der Geburt ihres Sohnes Daniel in Depressionen, doch Marlene spricht ihr Mut zu. Bald wird allerdings deutlich, dass Leonhard und Anja sehr unterschiedliche Auffassungen von ihrer Zweierbeziehung haben. Ob Anja sich beim Sex in ihrer Emotionalität „wie eine Nutte“ aufführt oder in Bezug auf Kindeserziehung und Haushaltsfragen Anlass zu seinen pedantischen Maßregelungen gibt. Oft reagiert Leonhard trotz seiner sprichwörtlichen Beherrschtheit sehr heftig, um sich tags darauf für sein Verhalten zu entschuldigen. Wenn sich die beiden mit ihren Freunden Marlene und Jan treffen, ist es meist Leonhard, der in seinem rigorosen Ordnungsanspruch wie ein Außenseiter wirkt. Denn Anja wird in ihrer Spontaneität und Unberechenbarkeit von den betont lockeren Freunden eher unterstützt. Anja fühlt sich zunehmend eingesperrt in dem schönen, aber kalten Haus, das in seiner strengen Rechtwinkeligkeit so gut zu Leonhard passt. Als sie erwähnt, dass man „traurig und glücklich zugleich sein kann“, deutet sie ihren Frust an, doch damit kann ihr Mann nichts anfangen. Schon als Daniel gerade laufen gelernt hat, muss er sich Leonhards strikter Hausordnung unterwerfen. An ihrem Geburtstag vermeidet es Anja bewusst, Leonhards morgendliche Gratulation über sich ergehen zu lassen. Erst nachdem er das Haus verlassen hat, schaut sie sich die Geschenke an. Sie ist fasziniert von einer venezianischen Maske, die sie von Marlene und Jan bekommen hat. Sie bemerkt nicht, dass Daniel den pfeifenden Wasserkessel in der Küche besonders interessant findet: Er klettert zur Herdplatte hinauf, stößt den Kessel um und erleidet schwere Brandverletzungen. Entsetzt rast Anja mit ihm ins Krankenhaus und vergisst völlig, Leonhard zu informieren, der erst abends von Marlene erfährt, was geschehen ist. Nachdem die Ärzte der jungen Mutter versichert haben, dass Daniel überleben und keine bleibenden Schäden davontragen wird, entlädt sich ihre aufgestaute Anspannung: Sie bricht zusammen und betrinkt sich. Erst spät kommt sie nach Hause, fleht Leonhard an, mit ihr zu reden. Doch er verlangt nur, sie solle sich beherrschen. Er lehnt es ab, seinen Sohn im Krankenhaus zu besuchen. Stattdessen kauft er Anja ein Auto, damit sie jederzeit zu Daniel fahren kann. Marlene ist der unglücklichen Mutter in dieser schweren Zeit eine große Hilfe — Anja weint sich bei ihr über Leonhards Kaltherzigkeit aus. Oft denkt sie darüber nach, ob ihr Leben vorbestimmt ist. Marlene beruhigt sie und tut Daniels Unfall als Zufall ab, bringt aber viel Verständnis für Anjas Gefühle auf. In einer ruhigen Minute stellt Anja Marlene eine Frage, die sie schon länger bewegt: War Marlene einst mit Leonhard zusammen? Anja hat nämlich Urlaubsfotos der drei gefunden, und Leonhard hat seiner Frau dasselbe Parfüm geschenkt wie einst Marlene. Marlene gesteht, dass sie Leonhard wegen seines besten Freundes Jan verlassen hat. Jan war damals bereits verheiratet — er hat eine Tochter in Dänemark, die er aus Scham nie besucht. Nach diesem Gespräch merkt Marlene deutlich, dass Anja Jan jetzt mit anderen Augen wahrnimmt. Marlene denkt daran zurück, wie sie einst Jans Ehe zerstört hat, um ihn zu heiraten. Jetzt fürchtet sie, dass sich die Affäre mit umgekehrtem Vorzeichen wiederholt. Die vier Freunde verbringen einen gemeinsamen Urlaub in Südafrika. Während Leonhard wie üblich über seine Vorstellungen einer auf Prinzipien fußenden menschlichen Existenz doziert, argumentiert Jan erfolgreich mit buddhistischer Philosophie dagegen: „Alles ist nur um seiner selbst willen da. Die Gegenwart ist das Einzige, was zählt.“ Diese lebenszugewandte Auffassung findet nicht nur seine Frau Marlene erotisierend — Anja richtet es ein, unangekündigt zu verschwinden und dann Jan am einsamen Strand zu verführen, während die anderen nach ihr suchen. Die beiden setzen ihre Affäre daheim in Köln fort, Jan mietet eine Wohnung als Liebesnest für ihre Seitensprünge. Nicht nur Leonhard fällt auf, dass Anja oft spät nach Hause kommt, auch ihre Mutter wirft ihr vor, sie vernachlässige Daniel. Bei ihren Rendezvous sprechen Jan und Anja über ihre Vergangenheit. Anja gesteht, dass sie Leonhard nicht aus Liebe geheiratet hat, sondern weil sie Angst hatte, ihm einen Korb zu geben. Jan leidet darunter, dass sein Vater die Familie früh verlassen hat. Anja glaubt in der Beziehung zu Jan die Erfüllung zu finden, hasst aber die damit verbundenen Heimlichkeiten und greift immer öfter zur Flasche. Hilflos beobachtet Leonhard das unerklärliche Unglück seiner Frau und schlägt ihr eine Urlaubsreise zu zweit vor. Stattdessen „überfällt“ Anja Jan sogar zu Hause. Er fühlt sich von ihrem Liebeswunsch, der ausschließlich ihr Glück zu zweit verlangt, zunehmend überfordert und stößt sie ungehalten zurück. Er kann sich nicht radikal von Marlene trennen und gibt zu: „Ich weiß nicht, was ich will.“ Jan spürt, dass Marlene etwas gemerkt hat, und tatsächlich stellt sie ihn zur Rede, weil sie zufällig die Existenz des Liebesnestes entdeckt hat. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung, und als Leonhard anruft, weil Anja verschwunden ist, erzählt Marlene ihm ohne Vorwarnung von der Affäre. Leonhard ist völlig überrascht. Jan fährt zu Anja in die (nicht mehr) geheime Wohnung und berichtet, dass nun alle Bescheid wissen. Anja ist erleichtert: „Alles klar. Dann packen wir die Koffer, und weg sind wir.“ So hat Jan das allerdings nicht gemeint, denn er kann seine Verantwortung für seinen Beruf nicht einfach vergessen. Er liest das seitenlange Gedicht, in dem Anja ihren eigenen absoluten Anspruch auf Jan formuliert. Während die beiden eine letzte leidenschaftliche Liebesnacht erleben, formuliert Leonhard bereits seinen Abschiedsbrief und kündigt die Scheidung an — Daniel will er für sich behalten. Er übergibt den Sohn Anjas Mutter, mit der er sich in seinem Sinne gegen die unverantwortliche Anja verbündet hat. Der ernüchterte Jan macht am nächsten Morgen mit Anja Schluss. Verzweifelt und wütend schickt sie ihn fort. Im Trubel des Karnevals beobachtet Anja zufällig, wie Jan mit seiner Kollegin Sybille (Floriane Daniel) flirtet. Jan wünscht sich, nach der Trennung von Anja die Ehe mit Marlene zu kitten, doch die hat kein Interesse und sucht ihre Ruhe im Landhaus, wo Leonhard sie besucht — die beiden kommen sich wieder näher. Trotz seiner Rationalität freut sich Leonhard, dass Jan beide Frauen verliert: „Das hat er verdient.“ Auf einer Abendveranstaltung zu Leonhards Ehren, auf die Marlene ihn begleitet, taucht auch die betrunkene Anja auf und benimmt sich so daneben, dass Marlene sie nach Hause fährt. Am nächsten Morgen will Marlene Anja in ihrer neuen Wohnung besuchen, doch die öffnet nicht. Marlene lässt die Tür aufbrechen und verhindert Anjas Selbstmord. Sie bemüht sich um ihre Freundin, die einer Therapie zustimmt. Trotzdem kommt für Anja jede Hilfe zu spät. Sie flieht aus der Therapie, fährt nach Cuxhaven. Niemand weiß, wo sie ist, als sie sich einsam in der Hochhauswohnung betrinkt.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.
 

Teilen

 

Filmsuche