Filmkritik - Der Hals der Giraffe (2004)
 
 

Der Hals der Giraffe

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,8)
Original: Le Cou de la Girafe
Regie: Safy Nebbou
Darsteller: Claude Rich, Maurice Chevit
Laufzeit: 84min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Belgien, Frankreich)
Verleih: Schwarz-Weiß Filmverleih
Filmstart: 17. August 2006
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die neunjährige Mathilde (Louisa Pili) verlässt eines Nachts heimlich das Haus, in dem sie allein mit ihrer Mutter Hélène (Sandrine Bonnaire) wohnt, um ihren Großvater Paul (Claude Rich) aus dem Altersheim zu entführen. Mit ihm will sie ihre verschollene Großmutter finden, die vor 30 Jahren Paul und die gemeinsame Tochter Hélène verlassen hat. Wo sich diese aufhält, glaubt Mathilde aus einem Stapel ungeöffneter Briefe zu wissen, mit denen ihre Großmutter wieder mit ihrem Exmann Paul, ihrer Tochter Hélène und der ihr unbekannten Enkelin in Kontakt kommen wollte. Mathildes Großvater hatte die Briefe aus verletztem Stolz nie geöffnet und sie zuerst vor seiner Tochter und später auch vor seiner Enkelin verheimlicht. Erst bei seinem gesundheitsbedingten Umzug ins Altenheim werden sie zufällig von Mathilde entdeckt. Als seine Enkelin mitten in der Nacht vor ihm steht und vehement seine Unterstützung bei ihrer Suche nach der verschollenen Großmutter fordert, ahnt Paul, dass er einen Fehler gemacht hat. Derart von seiner Vergangenheit eingeholt, und von seiner Enkelin genötigt, bricht Paul mit ihr nach Biarritz auf, den Ort, an dem sich vor 30 Jahren die Wege der Familie getrennt hatten. Während Pauls Mitbewohner im Altersheim seinen Ausflug einige Zeit vertuschen können, entdeckt Hélène bereits am nächsten Morgen das Fehlen ihrer Tochter. Bei der Suche nach Hinweisen, die das Verschwinden von Mathilde erklären könnten, entdeckt Hélène im Zimmer ihrer Tochter die Briefe ihrer Mutter, die auch an sie gerichtet sind. Auch für Hélène sind diese Briefe ein Schock, denn sie hatte, nachdem ihre Mutter sie und ihren Vater mit seinem besten Freund und Kompagnon verlassen hatte, und ihr Vater aus verletztem Stolz mit seiner Tochter aus der alten Heimat geflohen war, irgendwann aufgehört, ihren Vater nach ihrer Mutter zu fragen. Da die Briefe größtenteils aus Biarritz kommen und auch ihr Vater aus dem Altenheim verschwunden ist, ahnt Hélène, was ihre Tochter und ihr Vater vorhaben – weiß jedoch etwas mehr als die beiden und reist ihnen nach. Mathilde und Pauls Suche nach der Großmutter und Exfrau in Biarritz verläuft wenig erfolgreich. Zwar finden sie den alten Buchladen, den Paul mit seiner Frau geführt hatte. Er heißt immer noch „Der Hals der Giraffe“, weil Pauls Großvater das Lesen für so sinnlos wie den langen Hals einer Giraffe hielt, und nicht - wie die aktuellen Betreiber als Legende verbreiten -, weil Salvador Dali ihn in einer Eingebung so genannt hat. Und sie finden auch Pauls ehemaligen Freund und Kompagnon, für den seine Frau ihn und seine Tochter verlassen hat. Doch der alte Mann, der wie Paul in einem Altenheim lebt, weiß noch nicht einmal, ob Pauls Exfrau überhaupt noch lebt, weil seine Beziehung zu Mathildes Großmutter nur 4 Jahre dauerte. Als Großvater und Enkelin dann der letzte Zug nach Hause vor der Nase wegfährt und Hélène, die sich bereits auf dem Weg nach Biarritz befindet, über ihren Ausflug informiert werden muss, wird Paul immer klarer, dass diese Reise in die Vergangenheit Folgen haben wird. In der Nacht, nachdem alle drei in einem Hotel untergekommen sind, stellt Hélène ihren Vater zur Rede, ob er eine Vorstellung davon hätte, was es für sie als Tochter bedeutet hat, dass ihre Mutter spurlos aus ihrem Leben verschwunden sei, und dass man irgendwann aus falscher gegenseitiger Rücksichtnahme aufgehört hätte, über sie zu reden. Was dann in der Notlüge Hélènes gegenüber ihrer Tochter gipfelte, dass die Großmutter schon lange verstorben sei. (In den ersten Szenen des Films, als Mathilde für die Zuschauer noch nicht erkennbar die Reise in die Vergangenheit vorbereitet, malt sie an ihre Mutter gerichtet das Wort „Lügnerin“ auf eine beschlagene Fensterscheibe.) Paul erkennt, dass er aus gekränkter Eitelkeit, Rachsucht und der Angst auch noch seine Tochter zu verlieren, zu weit gegangen ist und seiner Tochter den Kontakt zu ihrer Mutter hätte ermöglichen müssen. Weil er weiß, dass seine Tochter Zeit brauchen wird, bis sie ihm verzeihen kann, beschließt er am nächsten Morgen nach Paris zurück zu kehren und die weitere Suche seiner Tochter und seiner Enkelin zu überlassen. Aber Paul wird nicht ins Altenheim zurückkehren, sondern zurück in seine Pariser Wohnung und wieder in seinem Buchladen arbeiten. Vielleicht, weil er im Leben - um seine Spuren gegenüber seiner Frau zu verwischen - zu oft umgezogen ist, macht er wenigstens den letzten Umzug rückgängig, vielleicht möchte er auch einfach nicht im Altenheim wegdämmern, um wenigstens diesen Triumph gegenüber seinem Freund, an den er seine Frau verloren hat, zu haben. Am nächsten Morgen setzen Hélène und Mathilde die Reise fort. Jetzt übernimmt Hélène die Führung, denn sie weiß mittlerweile aus einem der letzten Briefe ihrer Mutter, dass diese sich in ein kleines Dorf (St. Eulalia bei Huesca) in den spanischen Pyrenäen zurückgezogen hat. Safy Nebbous Film ist ein Roadmovie, das äußerlich von Paris bis in die spanischen Pyrenäen führt, und innerlich eine Reise in die Vergangenheit einer Familie darstellt. Durch die Initiative ihrer Tochter bzw. Enkelin, Mathilde, arbeiten Hélène und Paul blinde Flecken in ihrer Familiengeschichte auf. Die Auseinandersetzung dreier Generationen miteinander ermöglicht es, dass sich die Protagonisten von überholten Verhaltensmustern befreien und neue Beziehungen zu einander finden.

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