Filmkritik - Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie (2005)
 
 

Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie

DVD / Blu-ray / iTunes :: IMDB (6,3)
Original: Prime
Regie: Ben Younger
Darsteller: Meryl Streep, Aubrey Dollar
Laufzeit: 106min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Komödie, Romanze (USA)
Verleih: Tobis Film
Filmstart: 19. Januar 2006
Bewertung: 8,0 (2 Kommentare, 2 Votes)
Rafi (Uma Thurman) ist 37, sieht blendend aus, hat einen gutbezahlten Job, bewohnt ein schickes Apartment in Manhattan und ist frei und ungebunden. Kurzum: Man möchte neidisch werden. Rafi selbst jedoch hört die biologische Uhr tinitusartig in ihren Ohren ticken: Du bist alt, Dein Körper verfällt, keiner mag Dich, Du wirst für den Rest Deines Lebens allein bleiben, Du wirst niemals Mutter sein. Mein Gott, wie soll es nur mit Dir weitergehen? Ruhig, wir werden jetzt erst einmal ganz ruhig. Wir atmen ein ... und wieder aus ... und wieder ein ... und ganz langsam wieder aus. Wir entspannen uns und atmen tief durch. Wir sind jetzt schon ganz ruhig und werden immer ruhiger. Unsere Atmung geht ganz ruhig und gleichmäßig. Und jetzt äußern wir einmal ganz angstfrei, was uns auf der Seele liegt und bedrückt ... Wie gut, dass es Dr. Lisa Metzger (Meryl Streep) gibt, bei der Rafi seit einiger Zeit in Therapie ist und die einen so positiven und beruhigenden Einfluss auf sie ausübt. Lisa, eine gestandene Frau mütterlichen Typs, strahlt Ausgeglichenheit und Stärke aus und hat stets weise Ratschläge auf Lager. Zum Beispiel diesen: Du bist eine Frau in den besten Jahren, gehe aus, triff Dich wieder mit Männern und genieße Dein Leben! Und Rafi - ganz folgsame Patientin – zieht los und verliebt sich prompt: in David (Bryan Greenberg), einen Traummann der Kategorie supersüß und supersexy. Die Sache hat nur einen Haken: Ihr Romeo ist erst 23, wohnt noch bei seinen Großeltern und äußert Sätze, die mit „Meine Mom sagt immer ...“ beginnen. Rafi ist unsicher. Ist David in ihrer gegenwärtigen Verfassung der Richtige für sie? Der Sex ist ja zweifellos ganz toll, und wunderbar reden kann man mit ihm auch, aber wird so etwas auf die Dauer gut gehen? Sicher weiß Lisa auch hier wieder Rat. „Was ist denn dabei? Warum suchen Sie denn schon wieder das Haar in der Suppe“? „Er ist zehn Jahre jünger als ich …er könnte mein Bruder sein!“ „Auch wenn er nur ein Jahr jünger wäre, könnte er durchaus Ihr Bruder sein.” „Aber er bringt alles durcheinander.“ „Bringen Sie Ihr Leben doch einmal richtig durcheinander, dann merken Sie wenigstens, dass Sie überhaupt leben. Er ist 27, schön! Sie haben einen 27-jährigen Mann verdient. Ich selbst hätte einen 27-Jährigen verdient. Nehmen Sie es doch als Geschenk an.“ Solchermaßen aus berufenem Munde bestärkt, setzt Rafi ihre Amour fou mutig fort. Und eine wunderbare, glückliche Zeit bricht an, Tage in rosarot, angefüllt mit Leidenschaft und rauschhafter Erotik. David wirkt auf Rafi wie ein Jungbrunnen, wie eine vitalisierende Vitaminspritze, die ihr gar nicht oft genug verabreicht werden kann. Von Midlife-Crisis ist nun gar keine Rede mehr. David wird demnächst sogar bei ihr einziehen. „Es geht Ihnen schon viel besser, wie ich sehe, Sie wirken ja wie das blühende Leben.“ „Es geht mir auch blendend. Ich bin Ihnen ja so dankbar für Ihren Rat. Es stört mich wirklich gar nicht mehr, dass er erst 23 ist.“ „Sagten Sie nicht neulich, er sei zehn Jahre jünger als Sie?“ „So? Sagte ich das? Nun, ich muss mich wohl vertan haben, David ist tatsächlich erst 23.“ „Ach, David ist sein Name.“ „Ja und – unter uns gesagt – der Sex mit ihm ist wirklich atemberaubend. Es gibt wohl keine Stelle in meiner Wohnung und keine Stellung, die wir noch nicht ...“ „Ach tatsächlich, und wo wohnt dieser David noch gleich?“ „Aber das sagte ich doch bereits, er wohnt noch bei seinen Großeltern, weil das Verhältnis zu seiner Mutter wohl nicht das allerbeste ist.“ „Soso, wirklich sehr interessant!“ „Und, im Vertrauen, sein Penis ist wirklich der allerschönste, den ich je ... „Gut, gut, ich glaube unsere Sitzung geht langsam ihrem Ende entgegen.“ „Sicher, aber vorher muss ich Ihnen noch erzählen, was wir neulich ... aber Lisa, ist Ihnen nicht gut? Sie sehen ja ganz blass aus?“ Während Rafi nicht müde wird, ihre sexuellen Eskapaden mit David in allen nur erdenklichen Einzelheiten zu referieren und die erotischen Qualitäten ihres neuen Liebhabers zu lobpreisen, wird der Therapeutin immer klarer, dass es sich bei diesem Romeo um keinen anderen als ihren eigenen Sohn handelt. Nachdem Rafi endlich die Behandlungscouch verlassen hat, ist Lisa einer ausgewachsenen Panikattacke nahe: Ihr eigen Fleisch und Blut in den Fängen einer 37-jährigen Psychopatin! Jetzt heißt es erst einmal, sich wieder zu sammeln. Ich verliere jetzt nicht die Nerven, ich werde wieder gaaaaanz ruhig. Ich atme ein ... und langsam wieder aus, ich atme tief ein ... und wieder aus, ich atme schööön tief durch, mein Atem geht ganz leicht und regelmäßig, ich atme ruhig ein und aus, mein Herz schlägt wieder ganz gleichmäßig im Takt, mein Puls beruhigt sich ... ich werde jetzt nicht hysterisch ... Während Lisa versucht, wieder einigermaßen die Fassung zu finden, beginnt in Rafis schöner Wohnwelt einiges aus dem Ruder zu laufen. Denn David sitzt den ganzen Tag zu Hause, vergnügt sich mit seiner Spielekonsole, verursacht Unordnung und kümmert sich einen Dreck um seine eigene berufliche Zukunft. Man könnte meinen, er ist nicht 23, sondern erst 15, so dass sich Rafi bald vorkommt, als sei sie nicht 37, sondern mindestens 47, mit anderen Worten: wie seine Mutti! Als sich Davids wirkliche Mutti Rafi in der folgenden Therapiesitzung dann auch noch als solche offenbart, führt das – vorsichtig gesagt – nicht gerade zu einer Entspannung der Großwetterlage. Diese macht vielmehr Miene, als sei ein Hurrikan der Kategorie fünf im Anzug. Da kommt eine freundliche Einladung, die sicher für eine Klimaverbesserung sorgen wird, gerade recht: Lisa bittet ihren Sohn und dessen neue alte Freundin zum Dinner im trauten Kreis der jüdischen Großfamilie. Tausend Dank, wir freuen uns unbändig, das wird bestimmt ein ganz reizender Abend ...

Kommentare

(2) engel67 vergibt 7 Klammern · 09. Juli 2015
Hier wird mal ein außergewöhnliches Thema beleuchtet ("ältere" Frau lässt eine Beziehung zu einem deutlich jüngeren zu). Es werden viele Klischees bedient und der Film ansich ist eine typisch amerikanische Produktion. Ansich mag ich solche Filme, die humorvoll sind und dennoch zum nachdenken anregen, daher kann ich ihn dennoch weiterempfehlen.
(1) Smaz vergibt 9 Klammern · 07. Juli 2006
Unerwartet lustig.
 

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