Filmkritik - Cars (2006)
 
 

Cars

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,2)
Regie: John Lasseter
Laufzeit: 112min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Familie, Komödie, Animation (USA)
Verleih: Buena Vista International
Filmstart: 07. September 2006
Bewertung: 7,9 (9 Kommentare, 9 Votes)
Der Moment, der den Motor jedes Boliden im Land vor Vorfreude aufheulen lässt, ist gekommen. Tausende von Autos haben sich versammelt, um dem Dinoco 400 beizuwohnen – dem wichtigsten Rennen des Jahres, bei dem sich endgültig entscheiden wird, wer den begehrten Piston-Cup gewinnen und Geschichte schreiben wird. Drei PS-starke Flitzer kommen für den Sieg in Frage: Favorit ist natürlich Strip Weathers, ein Plymouth Superbird, Baujahr 1970, der sich seinen Spitznamen „The King“ mehr als verdient hat – kein anderes Auto hat mehr Rennen beim Piston-Cup gewonnen. Der Gewinn des Dinoco 400 soll der Karriere des in die Jahre gekommenen Champs nun die Krone aufsetzen, damit er im Anschluss seinen Rücktritt vom Profizirkus verkünden kann. Sein ärgster Konkurrent, Chick Hicks, hat dagegen noch lange nicht genug – aber die Nase voll davon, immer nur die Nummer zwei zu sein. Und um es in diesem Jahr auf Platz eins zu schaffen, ist dem fiesen Typen jedes Mittel recht. Wenn ihm nur Lightning McQueen keinen Strich durch die Rechnung macht: Denn er ist als Grünschnabel, als absoluter Neuling auf dem besten Weg, den beiden Favoriten den Schneid abzukaufen und jüngster Sieger des Piston-Cups überhaupt zu werden. Und dabei geht es ihm neben Ruhm und Ehre auch um das ganz große Geld: Lightning weiß genau, dass ihn der Sieg finanziell ganz nach vorne bringen und Werbeverträge mit den angesagtesten Sponsoren – vor allem mit Dinoco –, die gegenwärtig noch den „King“ beschäftigen, bescheren würde. Der schnelle Erfolg und seine Träume von Kohle, Groupies und dem Jubel der Massen haben den auf höchste Drehzahl getunten Rennwagen schnell ein bisschen großspurig und arrogant werden lassen. Genau das wird Lightning beim Finish des Dinoco 400 zum Verhängnis: Eigentlich sah er die meiste Zeit mit seinem haushohen Vorsprung vor dem „King“ und Chick wie der sichere Sieger aus. Aber dann rächt es sich doch, dass er die Aufforderung seiner Crew in der Boxengasse in den Wind geschlagen hat, neben dem Auftanken auch noch einen Reifenwechsel vornehmen zu lassen. Lightning hat das Ziel bereits vor Augen, als seinen Reifen die Puste ausgeht und nur mit allerletzter Kraft kann er sich über den Zielstrich retten – muss aber mit ansehen, wie der „King“ und Chick absolut zeitgleich mit ihm das Rennen beenden. Die Entscheidung der Veranstalter kommt prompt: In einer Woche wird es ein letztes Rennen mit den drei Siegern geben, das über die Vergabe des Piston-Cups entscheidet – auf der anderen Seite des Landes, 5.000 Kilometer entfernt. Lightning gibt sich keine Blöße vor den Gegnern und tönt sofort lautstark, dass er als Erster bei der Rennstrecke ankommen wird. Sofort fährt er los in die Nacht, bequem geparkt im Laderaum seines Transport-Trucks Mack – bloß keine Pause machen, damit man die Nummer eins vor Ort sein kann. Schon wieder wird Lightning seine Überheblichkeit zum Verhängnis: Nicht nur er schlummert sanft ein, auch Mack fallen auf der eintönigen Strecke die Scheinwerferaugen zu. So merkt dieser nicht, dass sich durch einen Zufall seine Laderampe öffnet und seine wertvolle Ladung auf die Autobahn rollt. Bis Lightning richtig wach und Herr der Verkehrslage ist, ist Mack bereits weit weg. Der rote Flitzer nimmt die Verfolgung auf, folgt aber den falschen Rücklichtern und wird so von der Autobahn direkt auf die legendäre Route 66 weggelockt, die sich scheinbar endlos durch die felsige Einöde des Landes windet. Schließlich landet Lightning in Radiator Springs, einem winzigen und heruntergekommenen Wüstenkaff mit nur einer Hauptstraße, nur einer Kreuzung und nur einer Ampel, wo er seinen Irrtum feststellt. Mit Vollgas will Lightning zur Autobahn zurückkehren, wird aber vom Polizeiwagen des Dörfchens wegen Geschwindigkeitsübertretung nach kurzer, aber intensiver Hatz, bei der der rote Flitzer die komplette Hauptstraße der Stadt umpflügt, verhaftet. Lightning selbst merkt es nicht, aber wieder einmal sind es seine Überheblichkeit und Arroganz, die ihm das Leben schwer machen. Denn nachdem Lightning eine Nacht in Gewahrsam verbracht hat, ist der altehrwürdige Bürgermeister der Stadt, Doc Hudson, ein Hudson Hornet, Baujahr 1951, der den wenigen verbliebenen Bewohnern von Radiator Springs vor allem als Dorfdoktor ans Herz gewachsen ist, bereit, den jungen Hitzkopf wieder laufen zu lassen. Doch ein paar allzu flapsige Bemerkungen bringen die kesse Autodame Sally sofort auf die Palme – und Sally hat nicht nur ein schnittiges Chassis, sondern auch jede Menge Grips unter der Motorhaube: Sie beantragt, dass Lightning das Dorf erst dann wieder verlassen darf, wenn er den angerichteten Schaden wieder in Ordnung gebracht hat. Für Lightning McQueen ist das der Super-GAU: Eigentlich wollte er längst in Kalifornien sein und sich auf das allesentscheidende Rennen vorbereiten. Und jetzt soll er hier bleiben? In diesem Kaff in der Mitte von Nirgendwo? Bevölkert von ein paar kauzigen Verlierern und dieser – zugegebenermaßen – rasant anzusehenden Autolady? Aber alles Zetern ist vergebens. Doc Hudsons Entschluss steht fest: Lightning muss in Radiator Springs bleiben. Und so hat Lightning jede Menge Zeit, sich mit den Gewohnheiten in der kleinen „Geisterstadt“ sowie ihren Bewohnern vertraut zu machen. Er weiß nicht, wen er mehr bedauern soll: Den hippiemäßigen VW Bully, Baujahr 1960, der nichts lieber tun würde, als sein organisch hergestelltes Benzin zu verkaufen? Leider gibt es niemanden mehr, der den umständlichen Weg durch Radiator Springs nimmt, seitdem die Autobahn gebaut wurde. Oder seinen Nachbarn, den gestrengen Militaristen Sarge, einen 1942 gebauten Army-Jeep, dem nichts mehr am Herzen liegt, als den Stars and Stripes zu huldigen und endlos mit Bully zu streiten? Oder wie wäre es mit dem aufgedrehten Luigi, einem Fiat 500, Baujahr 1959, der mit großem Stolz und der Hilfe seines kleinen Gabelstaplerfreundes Guido, aber mit wenig Erfolg das Reifengeschäft „Casa Della Tires“ betreibt und davon träumt, einmal in seinem Leben einen echten Ferrari auszustatten? Gar nicht zu reden von dem 59er Impala Ramone, der einen Bodyart-Shop betreibt und sich aus Ermangelung an Kunden jeden Tag selbst eine neue Lackierung verpasst, sowie seiner Angetrauten, der kessen Flo, die das V-8-Café betreibt, in dem es immer noch die größten Portionen Motoröl gibt. Und dann gibt es auch noch Hook, einen sichtlich heruntergekommenen Abschlepptruck, dem der Rost über die Jahre ziemlich zugesetzt hat. Hook ist ein echtes Landei mit einfachem Gemüt und einem ganz großen Herzen, und so ist für ihn auch ganz schnell klar: Lightning soll sein bester Freund werden. Der weiß allerdings nicht, was er schlimmer finden soll: Die ärgerliche und lästige Fronarbeit, die er täglich beim Teeren der Straße zu leisten hat und die sich als schwieriger und anstrengender entpuppt, als er sich das gedacht hat – oder die ewigen Versuche von Hook, Freundschaft mit ihm zu schließen. Doch nach weiteren vergeblichen Ausbruchversuchen und verzweifelten Bemühungen, die sehr wenigen vorbeikommenden Autos davon zu überzeugen, dass er gegen seinen Willen festgehalten wird, geschieht etwas Eigenartiges mit Lightning: Er fängt an, sich zu entspannen und – er will es sich selbst gar nicht so recht eingestehen – findet Gefallen an dem einfachen, aber herzlichen Leben in Radiator Springs: Die nächtlichen Streiche mit Hook machen ihm Spaß, sein Respekt vor Doc Hudson wächst, als er entdeckt, dass dieser bis zu einem schlimmen Unfall selbst mehrfacher Gewinner des Piston-Cups war. Und er kann nicht leugnen, dass ihm Sally immer besser gefällt. Bei einer gemeinsamen Landpartie verliebt er sich regelrecht in sie – und beginnt zu verstehen, warum Radiator Springs nicht mehr die leuchtende Kleinstadt von einst ist, es sich aber dennoch lohnt, weiter in ihr zu leben und für ihren Fortbestand zu kämpfen. Tatsächlich beginnt Lightning zu vergessen, dass es für ihn in wenigen Tagen um die Zukunft seiner Karriere geht. Und als der spurlos Verschollene schließlich doch noch in Radiator Springs ausfindig gemacht wird und zum entscheidenden Rennen um den Piston-Cup antreten soll, muss er eine folgenschwere Entscheidung treffen: Was ist ihm wichtiger? Der Erfolg, auf den er so lange hingefiebert hat? Oder seine neuen Freunde, die ersten, die er jemals im Leben hatte?

Kommentare

(9) Hubsi3 vergibt 10 Klammern · 05. Oktober 2006
Ein weiteres Meisterwerk der Pixar-Schmiede. Natürlich muss man animierte Filme mögen um diesem Film etwas abzugewinnen, aber wie alle seine Vorgänger ist auch dieser mit so viel Liebe zum Detail gemacht, dass man einfach ins Kino gehen muss.
(8) k245293 vergibt 10 Klammern · 14. September 2006
also ich habe den Film letzte Woche gesehen und fand ihn super lustig. mir hat vorallem der italienische Alpha und sein Stapler Guido gefallen. einfach super!
(7) Apolike vergibt 8 Klammern · 14. September 2006
Zwar hatten "Findet Nemo" und "die Unglaublichen" etwas mehr Charme, aber die Macher haben es geschafft einen handwerklich gut gemachten Film zu produzieren. Die Story hat im großen und ganzen keine Schwachstellen. - Ich sag' nur Trecker-Erschrecker -
(6) djdiabolo vergibt 10 Klammern · 14. September 2006
Also ich finde den Film witzig und gut gemacht. Durch die Star-Besetzung bei den Synchronsprechern der deutschen Fassung wurde bei weitem nicht gespart, und das verleiht dem Film so etwas wie Wiedererkennungswert für alle, die sich jemals die Formel 1 angeschaut haben.
(5) Zubaks vergibt 1 Klammer · 13. September 2006
Schon wieder ein Film über Autos
(4) bigmcmurph vergibt 10 Klammern · 12. September 2006
Absolut super genialer Film. Der Flm schafft es, jedem Auto seinen individuellen Charakter zu verpassen und den auch glaubhaft rüber zubringen. Die Story, mag vieleicht vorhersehbar sein, aber dass ist in diesem Film nicht so wichtig. Es ist klasse gelungen, die beabsichtigte Botschaft (Freundschaft) rüber zu bringen (Da kommt total viel Liebe rüber, Mann)und den Kinobesucher die meiste Zeit an die Leinwand zu Fesseln. Ein Kissen oder öhnlich braucht man sicher nicht. Fazit: Sehenswert!!
(3) noidea-hh vergibt 10 Klammern · 12. September 2006
Großartiger Film! Ich habe gelacht und geweint... und das schaffen wirklich nicht viele Filme. Die "Cars" wachsen einem einfach ans Herz und es gibt soooo viele kleine Details zu entdecken. Das ist Pixar at it's best!
(2) k38775 vergibt 4 Klammern · 07. September 2006
Also ich weiß nicht. Die Trailer finde ich todlangweilig und absolut unwitzig. Kurz vor Start kam noch ein neuer Trailer. Der ist genauso todlangweilig und unwitzig. Mag sein, dass die Animationstechnik sehr gut ist, so wie es aussieht, vielleicht ist der Film ja auch gut. Die Trailer sind es aber nicht. Ich glaube, ich würde vorsichtshalber ein Kissen ins Kino mitnehmen.
(1) verhoeven vergibt 8 Klammern · 03. September 2006
Sehr schön gemachter Film um Werte zu vermitteln (Freundschaft und Zusammenhalt). Der Film hat kurzzeitig kleine Längen, aber das mag auch an meinem Alter liegen (bin wohl nicht ganz die Zielgruppe). Aber die kleinen Schwächen reißt "Luigi" der Reifenverkäufer locker wieder raus.
 

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