Filmkritik - C.R.A.Z.Y.: Verrücktes Leben (2005)
 
 

C.R.A.Z.Y.: Verrücktes Leben

DVD / Blu-ray :: IMDB (8,0)
Original: C.R.A.Z.Y.
Regie: Jean-Marc Vallee
Darsteller: Natasha Thompson, Michel Cote
Laufzeit: 122min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Kanada)
Verleih: Concorde Filmverleih
Filmstart: 25. Mai 2006
Bewertung: 6,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Ausgerechnet beim Weihnachtsfest 1960 erblickt der junge Zachary in Québec das Licht der Welt. Als zweitjüngstes Kind unter vier ungleichen Brüdern scheint Zac so gar nicht in die bürgerliche Vorstadtfamilie Beaulieu zu passen. Sein älterer Bruder Raymond schleppt unter den wohlwollenden Blicken des Vaters ständig neue Eroberungen ins Haus, während die anderen drei als Sportskanone, Bücherwurm und Nesthäkchen ihren geradlinigen Weg gehen. Zac, der sensible Freigeist, ist anders. Für die fromme Mutter ist er allein durch seine Geburt an Weihnachten mit einer besonderen Begabung gesegnet. Auch die wahrsagende Nachbarin schreibt ihm heilende Kräfte zu. Selbst der engstirnige Vater ist maßlos stolz auf seinen schmucken Zögling. Für Zac beginnt eine idyllische Kindheit voller kleiner Wunder. Sein Vater lässt ihn das Auto waschen, nimmt ihn mit auf heimliche Spritztouren zur Pommes-Bude, weiht ihn ein in die Geheimnisse seiner heiligen Plattensammlung und schmettert zu allen festlichen Anlässen unermüdlich Aznavours Chanson "Emmenez-moi au bout de la terre". Der Horizont scheint grenzenlos. Noch genießt Zac die familiären Geborgenheit, die Rituale und seine Stellung als Vaters Liebling. Aber das Glück ist von kurzer Dauer. Denn als Zacs Hormone beginnen, verrückt zu spielen, geht der einst so stolze Vater auf Distanz. Seine Konflikte mit den Eltern und die Rivalität mit dem älteren Bruder, der im Rausch der Drogen immer unberechenbarer wird, halten ihn in Atem. Nichts ist mehr wir früher: Die ersten Erfahrungen mit Liebe, Sex und Drogen machen sein Leben als Teenager zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Eine Zeitreise durch Mode, Musik und Lebensgefühl der 70er Jahre beginnt. Am liebsten würde er sich mit Hilfe seines Helden Bruce Lee aus der spießigen Umgebung herausboxen. Immerhin erlaubt ihm seine blühende Phantasie oft genug, aus dem Alltag abzuheben. Und mit "Sympathy for the devil" im Ohr kann er selbst bei der obligatorischen Weihnachtsmesse seinen Träumen näher kommen. Zuhause, in seinem Kinderzimmer, träumt er tanzend von Rebellion, Freiheit und seiner frühreifen Cousine Brigitte. Denn während seine Mutter ihn noch als "kleinen Jesus" hätschelt und ihm auch die kleinsten Wunden leckt, ist sein pubertierendes Blut längst in Wallung. Draußen, im Schatten der phallisch aufragenden Fabriktürme, raucht er heimlich Joints und versucht, mit Motorradtouren den Mädchen imponieren. Vor allem aber kämpft er darum, die Anerkennung seines charismatischen Vaters zurückzuerobern. Im aufreibenden Stellungskrieg der beiden hat sich mittlerweile auch der musikalische Graben vertieft: Während sich Papa Gervais - unbeeindruckt von allen gesellschaftlichen Umwälzungen - weiter von den Balladen Patsy Clines einlullen lässt, flüchtet Zac in Songs, in denen Aufbruchsstimmung und die sexuelle Ambivalenz seiner Epoche pulsieren. Pink Floyd und die Rolling Stones werden Zacs ständige Begleiter. Die schillernden Verwandlungen seines androgynen Halbgottes David Bowie machen ihm Mut, mehr eigenen Willen, mehr modische und sexuelle Extravaganz zu wagen. Die "Space Oddity" wird Zacs Hymne. Als John Lennon stirbt und seine Freundin ihm zum 20. Geburtstag einen Blowjob schenkt, spürt er, dass er sich von seiner verträumten Kindheit verabschieden und erwachsen werden muss. Die Suche nach seinen lange verdrängten Wünschen und Begierden führt Zacs Leben voller Musik, Humor und Revolte auf eine mystische Reise nach Jerusalem. Beinahe "bis ans Ende der Welt", so wie es sein Vater sang. Er wird im gelobten Land flirten, durch die Wüste gehen und gerettet werden, aber dann nicht als verlorener Sohn, sondern männlich gereift und selbstbewusster nach Hause zurückehren. Seine verschrobene Sippe ist inzwischen so von Hochzeiten und Beerdigungen gebeutelt worden, dass die alten Fronten bröckeln. Selbst der sture Vater zeigt sich wieder von seiner versöhnlichen Seite. Zac spürt das Gefühl von Freiheit. Genießt das Anderssein. Jetzt, nach vielen Umwegen, findet er schließlich seinen eigenen Weg.

Kommentare

(1) angeleyed vergibt 6 Klammern · 29. Mai 2006
Der Filmtitel ist Programm. 5 Brüder & viele andere, die sehr chaotisch, verrückt, aber liebenswert sind. Hauptsächlich gehts um das Erwachsenwerden, Andersein, Homosexualtiät und wie man in den 60/70er damit umging. Stellenweise sehr witzig, z.T. etwas abgedreht, aber gute Schauspieler und Umsetzung des Themas, nur ein bißchen kürzer hätte es sein können :)
 

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