Filmkritik - Bobby - Sie alle hatten einen Traum (2006)
 
 

Bobby - Sie alle hatten einen Traum

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,1)
Original: Bobby
Regie: Emilio Estevez
Darsteller: Harry Belafonte, Nick Cannon
Laufzeit: 117min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (USA)
Verleih: Kinowelt Filmverleih
Filmstart: 08. März 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Es ist der 4. Juli 1968, der Tag der Präsidentschaftsvorwahlen in Kalifornien: Der Sieger, das steht fest, hat die besten Chancen, von der Demokratischen Partei zum Präsidentschaftskandidaten ernannt zu werden. Das altehrwürdige Ambassador Hotel in Los Angeles bereitet sich auf einen großen Tag vor: Sollte Senator Robert F. Kennedy die Vorwahlen für sich entscheiden, wird er hier, wo sein Lager vorübergehend das Hauptquartier aufgeschlagen hat, seine Siegesrede halten. Doch noch ist es nicht so weit. Gerade konnte der engagierte Hotel-Manager Paul Ebbers (WILLIAM H. MACY) mit ansehen, wie eine Feuerwehrübung abgeschlossen worden ist. Jetzt kann seine Belegschaft wieder zum Tagesgeschäft übergehen und mit den Vorbereitungen für den Abend beginnen, während die ersten Gäste für die Party ins Hotel strömen. Hochbetrieb herrscht vor allem in der Küche, wo in erster Linie Schwarze und Latinos arbeiten, für einen Mindestlohn - von den zahllosen Doppelschichten, die ihnen ihr bigotter Boss Timmons (CHRISTIAN SLATER) aufbrummt, gar nicht zu reden. Besonders schwer trifft das am heutigen Tag den jungen Küchenarbeiter Jose (FREDDY RODRIGUEZ), der zwei der begehrten Tickets für das Baseball-Spiel der Dodgers am heutigen Abend ergattern konnte: Mit seinem Vater wollte er Zeuge werden, wie Werfer Don Drysdale seinen Rekordlauf fortsetzt. Entsprechend sauer ist er, dass er im Hotel bleiben muss, während das Spiel läuft. Sein Kollege Miguel (JACOB VARGAS) kann ihm nur zustimmen, dass Timmons nicht nur keinen Respekt zeigt, sondern seine Demütigungen offenbar vorsätzlich plant. Längst keinen Stress mehr hat John Casey (ANTHONY HOPKINS), der jüngst in den Ruhestand geschickte Portier des Ambassador. Täglich kehrt er zurück an den Ort, an dem er einen Großteil seines Lebens verbracht hat: Er hat die Anfangstage in den 20er Jahren miterlebt, die glanzvolle Zeit, in der sich die Stars zuhauf in den Coconut Grove Nightclub des Hotels drängten, in der die Präsidenten im Ambassador abstiegen, wenn sie an die Westküste kamen. Der Lack von einst ist längst ab. Und doch zieht es den alleinstehenden Casey wie magisch zurück – und sei es nur, um den Gästen beim An- und Abreisen zuzusehen oder, wie heute, eine Partie Schach mit seinem langjährigen Freund Nelson (HARRY BELAFONTE) zu spielen und dabei über das Leben zu philosophieren. Keine Zeit für Philosophie haben die jungen Kennedy-Volunteers Jimmy (BRIAN GERAGHTY) und Cooper (SHIA LEBEOUF), die im Café des Hotels über Filme, Musik und Drogen reden und auch einem Flirt mit der neuen Bedienung Susan (MARY ELIZABETH WINSTEAD) nicht abgeneigt sind. Natürlich kriegen sie nicht mit, dass sich nur wenige Meter entfernt ein kleines Drama abspielt: Hotelmanager Ebbers legt sich mit Küchenchef Timmons an, weil dieser seinen Leuten nicht erlaubt, kurz zur Wahl zu gehen. Ebbers findet, dass seine Angestellten ein Recht darauf haben, dass Timmons ihnen das sofort mitteilen soll – und dass er gefeuert sei, weil Ebbers nicht mit Rassisten arbeiten wolle. Ebbers ist ein guter und aufrechter Mann, aber er hat auch Schwächen: Seit Wochen unterhält er eine Affäre mit der Telefonistin Angela (HEATHER GRAHAM), die sich – ganz zum Entsetzen ihrer Kollegin und Freundin Patricia (JOY BRYANT) – berufliche Vorteile durch die Liaison erhofft. Vermeintlich ganz obenauf befindet sich die Lounge-Sängerin Virginia Fallon (DEMI MOORE), die kurz vor dem Ende ihres Engagements im Coconut Grove Club steht und am heutigen Abend die Ehre haben soll, den hoffentlich siegreichen Senator Robert Kennedy der Menge zu präsentieren. Dass Virginia das rechtschaffen egal ist, merkt nicht nur ihr leidgeprüfter Ehemann Tim (EMILIO ESTEVEZ), der hilflos mit ansehen muss, wie sich seine Frau bereits zur Mittagszeit mit hartem Alkohol in Stimmung bringt. Auf Granit beißt auch die junge Journalistin Lenka (SVETLANA METKINA), die extra aus der Tschechoslowakei angereist ist und sich bereits seit Tagen ohne eigenes Zimmer im Hotel aufhält, um ein Exklusivinterview mit Kennedy zu machen, jenem Mann, der für einen Sinneswandel auf der Welt eintritt – was auch in den liberalen Teilen des Ostblocks mit Interesse verfolgt wird. Doch der erfahrene Kennedy-Volunteer Wade (JOSHUA JACKSON) lässt sie abblitzen: Der Senator habe nun wirklich kein Interesse, Journalisten aus kommunistischen Ländern Interviews zu geben, und der Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus interessiere ihn auch nicht sonderlich. Im Frisörsalon berät Chefin Miriam (SHARON STONE) eine neue Kundin: Die junge Diane (LINDSAY LOHAN) lässt sich für ihre bevorstehende Hochzeit stylen. Doch Diane gesteht Miriam, dass sie den jungen William Avary (ELIJAH WOOD) nur heiraten wird, damit er nicht nach Vietnam eingezogen werden kann – und dass ihr Vater keinerlei Verständnis für ihre Entscheidung hat: Der hält den Verlobten für einen Feigling und Drückeberger. Miriam hat derlei Probleme nicht. Ihre Ehe mit Hotelchef Ebbers ist glücklich, glaubt sie… Vor dem Ambassador herrscht rege Betriebsamkeit: Wade instruiert die weiteren Kennedy-Volunteers, wie und wo sie jetzt noch Wähler mobilisieren können, während der junge Schwarze Dwayne (NICK CANNON) Zweifel äußert, dass bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugehe und den Verdacht hegt, dass Minderheiten daran gehindert würden, ihre Stimme abzugeben. Jimmy und Cooper sollen eigentlich in den Schwarzenvierteln an die Arbeit gehen, aber sie stehlen sich davon, weil sie eine andere Verabredung haben – bei einem ausgeflippten Hippie-Dealer (ASHTON KUTCHER), der sein Lager in einer Suite des Ambassador aufgeschlagen hat und dort seine Kundschaft mit Drogen aller Art verwöhnt. Jimmy und Cooper überredet er zu einem Acid-Trip, auf den sich die beiden neugierigen Jungs begierig einlassen. Dass Drogen auch im Leben von Jack Stevens (MARTIN SHEEN) und seiner Frau Samantha (HELEN HUNT), einem Ehepaar aus der feinen Gesellschaft Manhattans, das angereist ist, um im Ballsaal Kennedys Triumph zu feiern, eine Rolle spielen könnten, ist zumindest Samantha nicht bewusst: Die beklagt, dass sie die falschen Klamotten eingepackt habe – und bemerkt nicht, dass ihr stets so souverän wirkender Ehemann längst mit einer schweren Depression zu kämpfen hat. In einem Zimmer des Hotels trifft Diane ihren Zukünftigen William. Der spürt ihre Unsicherheit und weckt damit auch bei ihm Zweifel, ob die Zweckheirat richtig ist. In einem anderen Zimmer trifft Hotelmanager Ebbers seine Geliebte Angela. Doch das Techtelmechtel ist nicht unbemerkt geblieben. Ausgerechnet Küchenchef Timmons wird zufällig auf das geheime Treffen aufmerksam. Er ahnt nicht, dass Ebbers die Affäre nach diesem Schäferstündchen beenden wird: Zu sehr belastet diesen, dass er seine Frau Miriam hintergeht, die er immer noch liebt. Timmons weiß außerdem nicht, dass die Wut seiner mexikanischen Angestellten mehr und mehr hochkocht: Gerade Miguel ist ungehalten und fühlt sich unterdrückt. Er will seinem Zorn Ausdruck verleihen. Beim Mittagessen beschuldigt er den schwarzen Chefkoch Edward (LAURENCE FISHBURNE), er sei der perfekte Knecht, höflich und geschmeidig, und er solle mehr Widerstand gegen Timmons leisten. Edward antwortet ihm mit der Erfahrung des Älteren, als er ihm erklärt, warum er mit seiner Art für seine Untergebenen mehr herausholt. Und dass er immerhin nicht derjenige sei, der eine Doppelschicht machen müsse. Wenig später wird Jose dem Chefkoch seine Tickets für das Baseballmatch überlassen, der sich mit einer unerwarteten Reaktion für die noble Geste bedankt. „The once and future king“ schreibt er an die Wand der Küche – und meint damit Jose, von dem er glaubt, er sei für Höheres bestimmt... ... er könnte aber auch Bobby Kennedy meinen, der endlich am Ambassador ankommt, um sich auf den Ausgang der Vorwahlen vorzubereiten und dann vor die Massen zu treten. Bis es so weit ist im Ambassador, werden sich noch Schicksale entscheiden, werden Tränen vergossen, wird gelacht, kommt es zu gewalttätigen Konfrontationen, zu Streits und zu Versöhnungen, werden folgenschwere Entscheidungen getroffen und Weichen für die Zukunft gestellt, Hoffnungen geäußert und Pläne geschmiedet... ... bis um 0:15 Uhr Schüsse fallen in der Küche des Ambassador Hotel. Und die Welt nicht mehr dieselbe sein wird.

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