Filmkritik - 11 Men Out (2005)
 
 

11 Men Out

Original: Eleven Men Out | Strákarnir okkar
Regie: Robert I. Douglas
Darsteller: Lilja Nott, Arnaldur Ernst
Laufzeit: 90min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Finnland, Großbritannien, Island)
Verleih: Salzgeber & Co. Medien
Filmstart: 02. August 2007
Bewertung: 6,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Óttar ist der unangefochtene Star des Reykjavíker Fußballerstligisten KR. Das Lifestyle-Magazin MANLIFE plant eine Story über ihn, doch der eitle Stürmer muss einsehen, dass sein gerade verwandelter Elfmeter ihn nicht auf die Titelseite bringt – welcher stilbewusste Isländer interessiert sich schon für Fußball? Also verkündet er der erstaunten Journalistin in der Kabine vor seinen Mannschaftskollegen mal eben, was er selbst gerade erst herausgefunden hat: der verheiratete Vater eines pubertierenden Sohnes, Traum aller jugendlichen Autogrammjäger, Meisterschütze und Sohn eines KR-Aufsichtsratsmitgliedes ist schwul. Seine Mitspieler halten das zunächst für einen Scherz und ziehen sich schnell was über. Dennoch trifft die Frage, die sie an Ottar richten: „Für wen hältst du dich, glaubst du, du bist was Besonderes?“, ins Schwarze. Dass ein schwuler Fußballer was Besonderes ist, erfährt Óttar sehr schnell. Vor allem in einem Land, das einen besonderen Männlichkeitskult pflegt. Wozu vor allem gehört: wenig reden, viel trinken und Frauen nach Möglichkeit zum Schweigen zu bringen. Da kann der Fußballpsychologe noch so sehr behaupten, ‚wissenschaftlich’ gesehen sei jeder zweite Mann schwul, für den Aufsichtsrat des KR und Óttars Familie ist Homosexualität eine womöglich ‚ansteckende Schweinerei’. Óttars Ex-Frau Gugga und sein Sohn Magnús erfahren erst nach den Mannschaftskollegen und der Presse die Neuigkeit. Was der ohnehin durch Guggas Alkoholismus und Magnús’ Pubertät belasteten Kleinfamilie zunächst einmal den Rest gibt. Sein Bruder Orri, der in einer Videothek arbeitet, kennt wenigstens PHILADELPHIA – den „Film mit dem mutigen Homo, der am Schluss abkratzt“. Beim KR wird Óttar vom Training suspendiert – angeblich zum Schutz der Kinder und Jugendlichen. Da kommt ihm das Angebot des alten Freundes Pétur, zu einem Amateurverein überzuwechseln, nur recht. Als er erfährt, dass dort auch zwei andere Schwule mitspielen, bestellt er erst mal einen ‚Hard & Sweet’, geht zum nächsten Training und verliebt sich direkt in einen Mitspieler. Das Team erlebt durch Óttars Engegement einen ungeahnten Aufschwung: Man erfährt vom überproportional hohen Anteil schwuler Spieler, immer mehr Heteros verlassen die Mannschaft, talentierte neue Spieler tauchen auf, die T-Shirts wie „I did Beckham“ tragen, andere Mannschaften trauen sich nicht mehr, gegen die ‚Homos’ anzutreten, und plötzlich steht man mit dem neuen Namen „Pride United Reykjavík“ als Amateurligen-Meister da. Was Óttars private Probleme nicht geringer macht. Sein Sohn wird in der Schule gehänselt, seine Frau lässt sich völlig gehen, aber auch sein Freund verlässt ihn, weil Óttar am liebsten nur in den eigenen vier Wänden schwul ist. „Du denkst immer nur an dich!“, wirft Magnús ihm vor, als auch noch das MANLIFE-Heft erscheint, mit seinem Vater auf der Titel-Seite. Jetzt wissen sogar die Fischer in Rauferhöfn, welche Mannschaft da bei Ihnen zum Auswärtsspiel erscheint. Der KR hat zwischenzeitlich andere Probleme: sie verlieren nur noch und haben ohne Stürmerstar keine Werbeeinnahmen mehr. Also soll Óttar jetzt doch zurückkommen – man muss ja alles nur „gut vertuschen“. Dazu aber ist er nicht bereit – er will ein Match Pride United gegen den KR, und das zur Gay Pride Parade in Reykjavík. Endlich steht ein glückliches Coming-Out in Aussicht: mit Unterstützung seiner Frau (die eine Entziehungskur hinter sich gebracht hat), seines Sohnes (der dank ‚Gleichberechtigungs-Unterricht’ kein Schwulenhasser geworden ist) und sogar seines Vaters, der endlich Ruhe will im „Irrenhaus“, läuft Óttar gegen seine alte Mannschaft auf. Und verliert natürlich am Ende 0:8. Schwulsein heißt ja nicht automatisch, dass man besser Fußball spielen kann. Am Ende bleibt die Weisheit des Trainers übrig, die alle Spaltungen rückgängig macht und alle Gräben schließt: „Es ist doch einfach nur Fußball – ein Mann, ein Ball!“

Kommentare

(1) Smani vergibt 6 Klammern · 21. August 2007
Joah ganz witziger Film, auch wenns teilweise ziemlich gestörte Verhältnisse sind. Sicherlich eher für Homosexuelle (ich bin keiner, nur um das klar zu stellen... fand den Film aber trotzdem ok) oder daran interessierte Mitmenschen aber auch jeder andere kann sich den Film mal angucken. Aber wer denkt dass es ein Fußballfilm in dem Sinne ist wird enttäuscht sein. Leider werden keinerlei Fußballspiele gezeigt. mal 2 kleine Szenen und ne halbe Prügelei. Na dann viel spaß beim gucken
 

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