Alt 09.11.2017, 23:10:57   #1 (permalink)
aka Lisa Simpson
Benutzerbild von Mockingbird

ID: 212189
Lose-Remote

Reg: 20.04.2006
Beiträge: 558
Standard Pflegeberufe - Respekt?

Hallo,

nachdem diese Woche bei RTL wieder ein Undercover-Bericht über die Zustände in einem Heim kam, möchte ich hier mal eine Diskussion zu dem Thema der Pflegeberufe starten.

Vorneweg sei gesagt, dass ich natürlich eine Menge Respekt vor den Menschen habe, die diesen Beruf wirklich so ausfüllen, wie man es machen sollte, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet.

Dennoch finde ich es mittlerweile sehr erschreckend wie viele Undercover-Berichte es vor allem in sozialen Einrichtungen gibt und bin doch sehr schockiert, wie Pfleger sogar gegenüber Praktikanten ihr teilweise asoziales Verhalte offen darstellen, ohne Hemmungen oder ohne auch nur zu merken, dass das eigene Verhalten gerade schlichtweg menschenverachtend ist. Ich verstehe bei diesem Punkt auch nicht, dass Kollegen nicht dagegen vorgehen, muss echt immer erst ein TV-Sender kommen, damit Probleme behoben werden bzw. wie hoch mag dann erst die Dunkelziffer sein?

Keine Frage, der Beruf des Pflegers ist physisch wie psychisch belastend und natürlich ist man etwas abgebrühter mit der Thematik, wenn man damit täglich zu tun hat. Aber so abgebrüht, dass man einfach nur böse ist? Ist der Mangel an Pflegekräften mittlerweile so groß, dass man sozial komplett inkompetente Menschen nehmen muss? An dem Gehalt kann es, denke ich, nicht liegen. Lange Zeit habe ich Berichte verfolgt, in denen Pfleger über zu mangelnde monetäre Entlohnung geklagt haben. In einem Bericht des ZDF wurden dann mal Zahlen genannt, seit dem weiß ich, die sind nicht so schlecht dran.

Woran liegt es also? Sind die Arbeitsbedingungen so schlecht? Ist der Mangel an Pflegekräften so groß, dass beide Augen bei der Pflege zugedrückt werden? Kehren die Einrichtungen lieber alles unter den Teppich, bevor etwas öffentlich wird, damit nicht die "Kundschaft" ausbleibt? Ist die Angst vor dem eigenen Arbeitsplatzverlust so groß, dass man lieber die Kollegen walten lässt, bevor man nachher selber die Kündigung erhält? Sind die Verwandten zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, dass es dem Opa/der Oma im Pflegeheim wirklich nicht gut geht und die Beschwerden nicht nur auf das Alter oder die Demenz zurückzuführen sind?

Ich finde es halt echt schade, in meinem blauäugigem Menschenbild wählen halt die Menschen einen sozialen Beruf, die auch sehr sozial eingestellt sind. Generell stehe ich z.B. Altenheimen sehr positiv gegenüber, da ich denke die Älteren sind dort unter sich, haben Beschäftigung und werden auch beaufsichtigt. Alles Dinge, die berufstätige Verwandte so nicht unbedingt gewährleisten können. Aber kann man heutzutage wirklich noch ruhigen Gewissens seinen Vater/seine Mutter oder sein behindertes Kind in die Obhut von Pflegeeinrichtungen geben?

Ich stelle in meine Überschrift die Frage nach dem Respekt:
Kann man so wirklich noch allen Pflegern gegenüber Respekt haben?
Haben die Pfleger noch gegenüber den Patienten Respekt?

Ich weiß, dass vor allem ältere Menschen oft sehr anstrengend sein können, aber rechtfertigt es ein solches Verhalten?
Damn! How much damage can you do with a pen?
Mockingbird ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2017, 13:11:56   #2 (permalink)
4½ Finger-Joe
Benutzerbild von darkkurt

ID: 35967
Lose-Remote

Reg: 20.04.2006
Beiträge: 12.841
Standard

Zitat:
Zitat von Mockingbird Beitrag anzeigen
Woran liegt es also? Sind die Arbeitsbedingungen so schlecht?
Jepp. Zu wenig Personal und zuviel Stress.

Zitat:
Ich finde es halt echt schade, in meinem blauäugigem Menschenbild wählen halt die Menschen einen sozialen Beruf, die auch sehr sozial eingestellt sind. Generell stehe ich z.B. Altenheimen sehr positiv gegenüber, da ich denke die Älteren sind dort unter sich, haben Beschäftigung und werden auch beaufsichtigt. Alles Dinge, die berufstätige Verwandte so nicht unbedingt gewährleisten können. Aber kann man heutzutage wirklich noch ruhigen Gewissens seinen Vater/seine Mutter oder sein behindertes Kind in die Obhut von Pflegeeinrichtungen geben?
Aus einem Stein kannst du kein Wasser pressen. Irgendwann bleibt der softeste alles "Skills" eben auf der Strecke.Das soll keine Entschuldigung für solche Vorkommnisse sein, aber eine Erklärung. Das Personal in Pflegeeinrichtungen ist oft schlichtweg überfordert. Und da passiert, was mit allen Menschen passiert. Man sucht sich Kompensation und (vermeindlich) Schuldige. Es wird gebrüllt, man wird unfreundlich - im Schlimmsten Fall kommt es zu Übergriffen.

Zitat:
Ich stelle in meine Überschrift die Frage nach dem Respekt:
Kann man so wirklich noch allen Pflegern gegenüber Respekt haben?
Haben die Pfleger noch gegenüber den Patienten Respekt?
Die Frage stellt sich so nicht. Wir [die Gesellschaft] HAT keinen Respekt gegenüber den Pflegeberufen. Sonst würden Sie besser bezahlt werden. Soziale Verantwortung ist eine Belastung, die wir a) gerne Abschieben (warum gibt es Altenheime und andere Pflegeeinrichtungen) und b) nicht bezahlen wollen.

Zitat:
Ich weiß, dass vor allem ältere Menschen oft sehr anstrengend sein können, aber rechtfertigt es ein solches Verhalten?
Rechtfertigt der Aufwand und die Belastung, die Menschen in Pflegeberufen haben, nicht eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen? Unsere Gesellschaft hat genau den sozialen Standart, den sie sich leisten will. Von daher finde ich die Frage zynisch gegenüber denen, die unter ihrem Arbeitsdruck zusammenbrechen. Keiner wird Altenpfleger, weil er Misanthrop oder Sadist ist.
Wenn man jetzt noch mit der Einstellung einer Pfelgekraft gegenüber tritt, er sei ein potentieller Misshandler, wird das Problem sicherlich noch verschlimmern.
darkkurt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2017, 15:03:21   #3 (permalink)
Hakuna Matata
Benutzerbild von Wasweissdennich

ID: 96572
Lose-Remote

Reg: 21.04.2006
Beiträge: 10.732
Standard

Also ich bin ja selbst in der Behindertenhilfe unterwegs, liegt zwar eigentlich dicht dran an der Pflege aber von genau dieser halte ich mich natürlich persönlich fern und lasse das Andere machen

Das Thema Gehalt ist so ein Sache, wenn man ein Gehalt bekommt das angelehnt ist an dem öffentlichen Dienst und das zu annähernd 100 % diesem Gehalt entspricht dann hat man auch ein gutes Gehalt, besonders dann wenn man noch Schichtzuschläge bekommt. Bei vielen Trägern bekommt man aber einfach mal so z.B. 40 % weniger als das und dann ist man eben auf einem Niveau auf dem man sich Großstadtmieten nicht mehr leisten kann und das eben auch Respekt vermissen lässt.

Die meisten Menschen die ich in diesem Bereich kennen gelernt habe waren tolle Menschen, es gab aber erhebliche Ausreißer nach unten und das diese relativ kleine Gruppe das Bild leider stärker prägt - als es ihnen anteilsmäßig zu Stünde - ist leider so, aber natürlich ziehen Menschen die Mist bauen eben mehr Aufmerksamkeit auf sich.

An Respekt mangelte es mir in dem Bereich aber eigentlich nie, man bekommt dauernd von allen möglichen Seiten Respekt, das Gehalt muss man sich aber trotzdem selber erkämpfen.
 

Geändert von Wasweissdennich (11.11.2017 um 15:09:30 Uhr)
Wasweissdennich ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.11.2017, 16:10:41   #4 (permalink)
Chef vom Dienst

ID: 334648
Lose-Remote

netter_mller eine Nachricht über ICQ schicken
Reg: 01.03.2009
Beiträge: 711
Standard

Ehrlich?

Ich arbeite in der Pflege und kann sagen, hier sind teilweise die Betriebe Schuld, welche das ein oder andere Schlupfloch ausnutzen um zum Beispiel den Pflegeschlüssel austricksen. Aber hier sind die Kassen mit Schuld, welche die Schlupflöcher gewähren.

Auf das oben genannten Problem folgt dann Problem Nummer 2:
Wenig eingestelltes Personal = Personal das für das fehlende Personal mit arbeiten muss und am Ende total ausgebrannt ist, gestresst und dann solchen Reportagen ordentlich Futter geben. ( Dies ist nur meine Meinung )

Auch hier gibt es aber tatsächlich auch wirkliche Schwarze Scharfe an Betrieben die tatsächlich nur das Geld sehen ( Hauptsache die Zimmer sind voll, am besten 30 m² 5 Personen ) und 2 Minuten Zeit für das Personal.

Der obere Text spiegelt nur meine Meinung, Erfahrung wieder, welche ich in der Zeit als Altenpfleger kennenlernen durfte.
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