Blog von Taladius
 
Eintrag #12, 04.07.2005, 23:04 Uhr

Wir sind die Guten: Entwicklungshilfe

Ich hatte mal überlegt, einen kleine Weblog-Reihe mit dem Titel 'Wir sind die Guten:' zum Thema Gutmenschentum und Realitätsignoranz zu starten.
Ein Interview(http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,363375,00.html) beim Spiegel hat mich wieder daran erinnert und so starte ich heute doch endlich einmal diese Reihe.
Jedoch muss ich einwerfen, daß vieles bereits im Interview gesagt wurde von jemandem, der die Realität klar vor Augen hat und die Folgen gutgemeinter und hart umkämpfter, jedoch unsäglich dummer und schädlicher westlicher Politik und Ignoranz tagtäglich erleben muss.
Noch heute streiten und kämpfen selbsternannte Weltverbesserer darum, daß eine Uno-Richtlinie, die vor Ewigkeiten verabschiedet wurde auch umgesetzt wird: Es geht dabei um die Vereinbarung, daß sämtliche Industrienationen 0,7% ihres Nettonationaleinkommens als Entwicklungshilfe für die 3. Welt bereitstellen sollen.
Viele verschriene internationale Organisationen wie die Weltbank, der IMF oder die WTO haben sich der Aufgabe verschrieben, die dritte Welt zu entwickeln. Und dafür brauchen sie Geld. Je mehr, desto besser die Idee.
Denn erst neulich hat z.B. die Weltbank festgestellt, daß von den ca. 2$, die theoretisch pro Afrikaner in die Entwicklungshilfe effektiv gerade einmal 3Cent ankommen. Der Rest versickert in Bürokratie und Korruption.
Wer meint nach logischer Überlegung als Resultat daraus könne man ziehen, daß die Entwicklungshilfe vollkommen ineffektiv ist und lieber eingestellt oder komplett verändert werden sollte, der mag zwar seine 7 Sinne beisammen haben, liegt jedoch leider nicht in Linie mit der herrschende Ideologie. Denn als ob dieses verschwendete Geld, diese 1,97$, einfach eine magische und logische Barriere seien, die es einfach nur zu überbieten gilt heißt die offizielle Forderung, die Entwicklungshilfe zu verdoppeln, damit am Ende endlich mehr Geld wirklich bei den Armen ankäme und endlich wirklich effektiv die Armut bekämpft werden könnte.
Ein Schelm, wer anmerken möchte, daß dadurch nur mehr im System hängenbliebe und kaum mehr bei der Bevölkerung ankäme...
Aber wir sind die Guten! Wir zahlen unsere Entwicklungshilfe, spenden Geld an Hilfsorganisationen, stopfen alte Sachen in Sammelcontainer und können beruhigt in dem Gewissen schlafen, daß wir ja etwas gegen die Armut tun und das wir nur noch ein bißchen weiter warten müssen bis wirklich etwas geschieht.
Dass wir derweil korrupte und verbrecherische Regime finanzieren, unsere Nahrungs- und Kleidungslieferungen die heimische Grundlagenwirtschaft zerstören und wir damit einer ewigen Abhängigkeit in Armut den Weg bereiten, das haben wir ja mal irgendwo am Rande gehört, es hat uns vielleicht kurz verstört, aber letztlich ist doch die angebliche Alternative noch viel schlimmer und wir schwimmen lieber in unserem latenten Chauvinismus, daß die 3. Welt nicht alleine bestehen kann, als das wir der harten Realität einmal ins Auge blicken...
Egal! Wir sind die Guten! Mit dieser Lüge schläft es sich doch soo gut. Gute Nacht!

Edit: Kleiner Nachtrag eines weiteren interessanten Spiegelartikels zum Thema:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,363374,00.html
 

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