Blog von freefly
 
Eintrag #2, 30.03.2005, 17:44 Uhr

Sprung #149, Saisonbeginn Gransee, 19.03.2005 Teil 2

Ich bereite meine Ausrüstung weiter vor. Helm, Brille, Höhenmesser, akustischer Höhenwarner usw. Währendessen packt ein nervöser René seinen Schirm und scheint allmählich die Lust verloren zu haben. Ich versuche mit blöden Sprüchen zu helfen: "Immer noch nicht fertig, ja?", "Wird Dir eigentlich kalt?"
Leider läßt er sich nicht aufheitern und sagt mir das er heute nicht mehr springen möchte.
Man soll ja keinem zu seinem Glück zwingen, aber so geht's nun auch nicht!
Also beschliesse ich seinen "Hackysack" - einen kleinen Stoffball, gefüllt mit Reis - ungefragt aus seiner Tasche zu befreien. Sobald er dann endlich mit Packen fertig ist, zwinge ich ihn sich ein wenig warm zu spielen. Das Spiel darf nur mit dem ganzem Körper gespielt werden, ausser den Händen. Der Ball darf den Boden nicht berühren. Ein spektakulär peinliches hin- und hergekicke beginnt seine Laune allmählich wieder zu heben. Als Harry zu uns stößt und "mithackt", wird's schneller und noch lustiger.
Ich muss René nicht mehr überzeugen, denn ein Blick in den blauen Himmel läßt ihn doch noch zum Manifest rennen und sich für den nächsten Flieger eintragen.

Der Aufruf kommt dann auch schnell:"20min. für Load 2". Ca. 14 Namen folgen durch die Lautsprecheranlage und glücklich hört man seinen eigenen. Alles stimmt, die Neue im Manifest hat nichts durcheinander gewürfelt und wir 3 sind alle in der selben Absetzmaschine.
Nun heißt es durchatmen und fertig machen. Ich ziehe  mich dick an, denn die Warnung vor Minusgraden in der Höhe erinnert mich an ein Sprung vom letzten Jahr, bei dem ich anschliessend meine Hände als Gefrierfach hätte missbrauchen können.
Nachdem mein Fallschirmsystem auf meinem Rücken ist, der Brust- und die Beingurte geschlossen sind checke ich bei mir selbst routiniert, aber mit beschleunigtem Herzschlag ob auch alles an seiner richtigen Stelle ist. Dann Steigen wir in den Flieger, schnallen uns an und machen das kleine Rolltor zu aus dem wir in ca. 20min austeigen werden...

Der Pilot läßt den Rotor an und der unverkennbare Geruch von verbranntem Kerosin steigt uns in die Nase. Ich brauche keinen anzuschauen - ich spüre das grinsen im Flieger von jeder einzelnen Person. Er steuert langsam auf die Graspiste zu. Wie ein Stier der mit der Hufe scharrt, bevor er losrennt gibt der Pilot mehr Power auf die Turbine. Dann wird sie losgelassen und rollt über die Graspiste. Schnell wird Geschwindigkeit aufgebaut und der Schatten der Tragfläche verändert sich plötzlich. Ich weiss das wir gerade abgehoben sind, aber leider spüre ich das nicht mehr wie noch bei meinen ersten Flügen. Irgendwann gewöhnt sich der Magen daran.

Schnell beginnt unter uns alles kleiner zu werden und in 300m fangen die ersten an sich abzuschnallen. Die Gurte sind nun unnötig, denn sie sollen nur bei Start und Landung vor Unfällen schützen.
Während des Steigflugs geniesse ich entweder die schöne Aussicht oder schliesse die Augen, um mein Sprungplan noch mal durch zu gehen. Gar nicht so leicht sich darauf zu konzentrieren, wenn einem nach so langer Zeit diese ganz spezielle frische Luft scheinbar überall berührt. Fast schon so als wäre man selber der Flieger.
Ein Blick auf den Höhenmesser erklärt die aufkommende Hektik - 3500m, noch ca. 500m bis zum Exit. Die erste Gruppe steht auf und checkt noch einmal die Ausrüstung. Ich sehe noch wie sie mit lächelnden Blicken und auf ganz persönliche Art und Weise handshakes austauschen. Der Sprung der Gruppe soll gelingen, also wird dieses "Abschwören" immer gemacht. Dann stehe ich auf und drehe mich langsam um. Das Flugzeug ist nicht besonders hoch, also ist nur eine leicht gebeugte Haltung möglich. Ich checke mich selbst und schaue meinem Vater direkt ins Gesicht. Er wirkt aufgeregter als ich, aber kann sich auch ein Grinsen abringen. Ich lächle Ihn an und wir machen unseren Handshake. Dann drehe ich mich zu René und mache das selbe. Ein paar andere Springer schwören auch noch mit uns ab, dann gibt der Pilot grünes Licht und die kleine Rolltür wird nach oben ins Flugzeuginnere geschoben und befestigt. Der Wind sorgt dafür, das meine beschlagene Brille wieder endlich wieder durchsichtig wird. Die Gruppe vor mir zählt ein und mit einem kleinen Ruck spürt man wie sie das Flugzeug verlassen. Gut so, mehr Platz für mich.
noch ein kleines 2er Team verschwindet richtung Planet. Nur noch ein Einzelspringer vor mir, der nach ca. 6 sekunden abspringt und mich stabil im sitzen angrinst. Ich gebe Ihm noch schnell ein "Peace"-Zeichen, bevor er zu weit weg ist und es nicht mehr sehen kann. Dann bin ich an der Reihe...

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Ende Teil 2
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