Blog von Joschilein
 
Eintrag #2, 31.03.2005, 20:12 Uhr

"Sie haben das Recht zu leben !"

Terri Shiavo ist nun also gestorben. Da lässt sich kurz und knapp ein erleichtertes "Endlich!" sagen.

In den letzten Tagen habe ich mir so sehr gewünscht, dass sie es endlich schafft, bevor ihre blöden Eltern doch noch ein Gericht finden, das den Teufelskreis wieder von vorne anfangen lässt. 15 Jahren sind einfach genug.

Stellt euch doch mal vor, dass Sigourney Weaver in ihrer wohl bekanntesten Rolle als Ellen Ripley in der Alien-Reihe eine strenge Christin gewesen wäre. Sie läuft durch eine große Halle einer Station auf einem weit entfernten Planeten, sucht nach Überlebenden und wird fündig. Ein qualvoller Kopf bewegt sich und bringt unter Anstrengung die Wort "Töten Sie mich, bitte" über die Lippen, während bereits ein kleines Alien von innen den Bauch desjenigen auffrisst und daraufhin seinen kleinen blutverschmierten Kopf aus der Bauchdecke stößt. Was soll diese Ellen Ripley dann sagen? "Nein tut mir leid, sie haben das Recht zu leben!" ?? :wall: :doh: Ist sie Mörderin oder Retterin, wenn sie den Gnadenschuss setzt?

Dieser Vergleich gefällt mir, da er sich auf so vieles übertragen lässt. Es muss kein Alien sein, das die Qualen erzeugt.

Die Qual kann der eigene Körper sein, wenn er zum Gefängnis wird, in diesem Fall für 15 Jahre, selbst verurteilte Mörder haben es da besser. Die Qual kann währenddessen auch schon ein harmloser aber andauernder Schmerz sein, selbst eine juckende Stelle des Körpers, die man nicht selbst mit einem Kratzen entschärfen kann und über die man niemanden in Kenntnis setzen kann. Die Qual können die eigenen Gedanken sein, denn ist der eigene Körper zum Gefängnis geworden, kann man nur drei Dinge tun. Schlafen, denken oder sich kurzfristig über Besucher freuen. Nur ist dieser Besuch wirklich so viel wert, dass man diese elenden Qualen erleiden muss? Dass auch die nahestehenden Personen Qualen erleiden müssen, weil sich die Situation einfach nicht bessern will? Die Qual mitzubekommen, dass irgendwelche Christen mit Leibeskräften verhindern wollen, dass die Qualen endlich ein Ende haben?

Welches Lebensglück hier überwiegen soll, muss mir erstmal einer der vielen Möchtegernchristen erklären. Und natürlich sind diese Qualen vorhanden, das kann man gar nicht unterbinden. Und sollte sie gar nicht "da" sein, stellt sich die Diskussion gar nicht, dann ist es einfach nur eine weitere Dummheit totes Fleisch zu ernähren.

Diese Menschen möchte ich eigentlich gar keine Christen oder gar Menschen nennen, das sind Teufel im Pelz eines Christen - um das Sprichwort mit dem Wolf im Schafspelz zu verwenden. Sie verraten das, für was ihr Glaube eigentlich steht, sie verraten das, an das Millionen normale Christen glauben, sie verraten sogar das, was selbst für Atheisten eine Selbstverständlichkeit ist: Die Menschenwürde.

Was ist die Menschenwürde wert, wenn man von fremden aufgezwungen bekommt, dass man leben muss, auch wenn der Tod durch die Qualen erstrebenswert geworden ist? Wenn man sich den Tod herbeisehnt? Wenn das kleine gefräßige Qual-Alien schon sattgefressen ist und sich seinen Weg ins Freie sucht, aber von diesen Fremden in penetranter, hirnloser und  menschenverachtender Weise zurückgeschoben wird?

In diesem Fall ist übrigens jeder ein Fremder, der nicht im eigenen Kopf sitzt, auch die Eltern sind hier nicht entschuldigen. Viel schlimmer sind aber noch die Leute, die vor dem Krankenhaus sitzen und diesen einen Pfarrer als Quasi-Gott ansehen. Auch die Idee mit dem Wasser bringen und seine eigenen Kinder dazu anzustiften, zeugt nur von reinster Dummheit

Der Weg mit dem Verhungern ist garantiert nicht richtig oder erstrebenswert. Ein "Gnadenschuss" in Form einer Spritze wäre die humanste Lösung gewesen. Doch selbst ein qualvoller Tod innerhalb von 10 Tagen ist erstrebenswerter, als für weitere 40 Jahre nicht erlöst zu werden.

Mir liegt das Thema ziemlich schwer im Magen, diese Menschen, die eigentlich gar keine sind, sind mir einfach unbegreiflich. Aber ich bin froh, dass Terri es nun überstanden hat und hoffe, dass bei uns bald die Sterbehilfe legalisiert wird, damit ich diese Qual niemals selbst erleben muss.
 

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