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Blog von Taladius
 
Eintrag #9, 19.06.2005, 02:44 Uhr

Nur nachts...

Die Stunde nach Mitternacht ist gemeinhin bekannt als Geisterstunde. Die Geister kommen mit dem 12-Uhrschlag der Kirchenuhr aus ihren Gräbern hervor und plagen die Lebenden.
Doch Punkt 1 Uhr ist der Spuk wieder vorbei und dem ewigen kosmischen Gesetze folgend verziehen sich die Geister wieder.
Manchmal jedoch da stürzt diese Regel für mich einfach in sich zusammen. Und anstatt eine Stunde lang Radau zu machen sammeln sich meine Geister Minute zu Minute, rekrutieren ihre Armee aus meinen Gedanken und lassen ihre Heerschau an mir vorbeidefilieren.
Dann sitze ich allein in meinem Zimmer, das einzige Geräusch mag das Summen meines Computers sein und die Gedanken stürzen auf mich ein.
Ich sehe mich um und sehe das Chaos, welches mein Zimmer fest im Griff hat und gegen das mein Vater seinen verzweifelten Kampf längst eingestellt hat.
Nun ja, er wird nicht mehr lange zu kämpfen haben.

Es ist für mich ein altbekannter Rhythmus: Geht die Sonne unter so blühen meine Gedanken auf. Während die Schatten aus ihren Winkeln hervorkriechen und die Dunkelheit die Welt verschluckt sammeln sich in meinem Kopf die Fragen.
Das war schon immer so, alle meine Pläne, alle toll erscheinenden Ideen hatte ich nachts, in der Dunkelheit, vergraben in mir selbst und den Abgründen meines Wesens.
Dann werfe ich einen Blick auf manche Aspekte meines Lebens - kalte, abschätzende, bewertende Blicke und ich weiß, daß die Bewertung nicht positiv ausfällt. Ich kenne meine Schwächen, ich kenne meine Abgründe und wenn dann jener hoffnungsvoll-idealistische Teil in mir aufschreit: Tu dies! Mache das! Ändere jenes! dann lacht jener Teil von mir, dem der distanzierte Blick gehört kurz auf; ein zynisches Lachen, ein totes Lachen.
Denn ich weiß, daß doch nichs draus werden wird.
Dass ich den Sprung doch nicht waagen werde, egal welches Ziel ich mir in jenem Augenblick wieder gesetzt haben mag. Dass ich nicht plötzlich um 2 Uhr nachts aufspringen und mich und mein Leben dauerhaft ändern werde.
Ich werde nicht das Chaos beseitigen, ich werde nicht ausgiebig für die Uni lernen, ich werde nicht jenes großartige Projekt verwirklichen, ich werde nicht anfangen, einen Roman zu schreiben, ich werde nicht plötzlich und offensiv rausgehen und mir eine Beziehung suchen, ich werde nicht aus der erstarrten Mittelmäßigkeit ausbrechen, in der ich es mir so behaglich eingerichtet habe!

Ich werde ins Bett gehen. Ich werde meine Augen schließen, werde die Gedanken, die Geister und Dämonen an mir vorbeiziehen lassen und werde schlafen.
Und wenn ich aufwache, dann wird die Sonne scheinen. Sie wird die Schatten vertrieben haben. In ihrem Lichte wird sich die innere Kritik zur Ruhe legen und verstummen.
Ich werde mich faul im Bett rumlümmeln, werde irgendwann aufstehen und werde auch diesen Tag wieder mit Belanglosigkeiten vergeuden wie jeden anderen Tag auch. Und es wird mir dabei gutgehen.
Bis es wieder nacht wird und ich wach liege und das alte Spiel von vorne beginnt.

Doch heute nacht ist etwas anders. Heute nacht bin ich wieder aufgestanden und habe mehr getan als nur zu denken: Ich habe geschrieben. Habe die Worte aus meinem Kopf genommen und sie dir zum Fraß vorgeworfen.
Das ist ein Anfang, oder nicht? Daraus kann sich mehr entwickeln, daraus wird sich mehr entwickeln!

Ich sehe in den Spiegel und sehe ein verächtliches Lachen auf meinem Gesicht.
Und ich weiß: Das denkst du doch immer! Aber nur nachts...
 

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