Blog von LordIntruder
 
Eintrag #6, 04.01.2007, 01:03 Uhr

Kinder

Kinder sind etwas wunderschönes. Sie zu zeugen mit dem Menschen, den man liebt, sie auf der Welt zu begrüßen, sie aufwachsen zu sehen. Bindung vom ersten Tag an, vom ersten Tag der Schwangerschaft an. Das Wissen: Da wächst Leben heran, das von mir ist.

Auch wenn es komisch erscheinen mag: Väter haben tatsächlich eine deutlich festere Bindung zu ihren Kindern, als die Wissenschaft behauptet. Sicher, wir tragen die Kinder nicht bis zu 9 Monate in unserem Bauch. Neugeborene orientieren sich eher am Geruch der Mutter als am Geruch des Vaters. Und dennoch ist da seine Stimme, die nicht unbekannt ist, seine Berührungen, die man durch Mamas Bauchdecke schon gespürt hat.

Was aber, wenn ein Kind niemals die Stimme seines Vaters in der Zeit im Mutterleib vernommen hat, wenn es niemals Papas Hand auf Mamas Bauch gespürt hat? Wenn dieses Kind nicht einmal geplant war, keine Beziehung zwischen Vater und Mutter bestanden hat, die den Wunsch erweckte, Leben zu zeugen?

Ist dann etwas anders? Was ist dann anders?

Ich für meinen Teil aus Sicht des Vaters kann sagen: Ja, da ist dann eine ganze Menge anders. Ich komme mir vor wie der Mann in der Sparkassenwerbung, seit ich seit gestern weiß, daß es da ein 6 Wochen altes Mädchen gibt, dessen Erzeuger ich bin. Keine 9 Monate Schwangerschaft, in denen ich mich vorbereiten kann, in denen die Freude wachsen kann auf ein Kind, das aus Liebe entstanden ist. Ich sehe dieses Kind an, mit dessen Mutter mich nicht mehr verbindet als eine Nacht. Und dieses Kind sieht mich an.

Und ich stelle mir die Frage: werde ich jemals eine Beziehung zu ihr aufbauen? Was erwartet die Mutter von mir? Was erwartet das Kind von mir? Was wird sein, wenn das Kind ein Alter erreicht hat, in dem es nach Erklärungen dafür sucht, wieso da zwischen Mama und Papa nichts ist und auch nie etwas war, was Eltern sonst verbindet?

In meinen Armen liegt ein fremdes Kind, dessen Vater ich bin. Ich sehe sie an. Sie sieht mich an. Ich wollte immer eine Tochter, habe immer nur Jungs "zustande bekommen". Ich habe mir so oft vorgestellt, wie es ist, eine Tochter in meinen Armen zu halten. Eine Tochter, für die ich nicht nur Erzeuger bin, sondern auch Vater.

Nichts ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Da ist gar nichts. Keine Freude, keine Wärme, keine Liebe, absolut nichts. Ich halte ein Kind auf meinem Arm, das von mir ist, und dennoch ist da nicht mehr in mir, als würde ich ein fremdes Kind auf meinem Arm halten.

Verzeih mir, kleine Lucy Marie, denn Du kannst nichts dafür. Die Zeit seit Deiner Entstehung fehlt mir, und ich weiß, ich werde diese Zeit nicht aufholen können. Ich werde niemals unmittelbar daran beteiligt sein, wie Du aufwächst, was Du tust, was Du lernst. Ich werde sicherlich da sein. Hier mal eine Stunde, dort mal eine Stunde. Denn Deine Mutter und mich verbindet nichts außer Dir.

Verzeih mir, kleine Lucy Marie, aber ich komme mit dieser Situation nicht zurecht und ich weiß nicht, ob ich jemals damit zurechtkommen werde.
 

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