Blog von Leon03
 
Eintrag #8, 08.02.2005, 16:48 Uhr

Herr Osterheld!

Wir leben in einer konsumgesteuerten, verrückten und herzlosen Welt. Liebe Kinder, ich muss euch enttäuschen, aber es ist leider so.
Konsumgesteuert ist sie, weil ich gestern einen Werbe-Anruf bekommen habe. Irgendein Typ von einer Werbeagentur wollte mir ein Abo einer berühmten deutschen Fernsehzeitung aufschwatzen und von mir wissen, was ich sonst so lese. Das Ganze fand unter dem Deckmantel statt, noch einmal "Daten für ein Gewinnspiel abzugleichen", an dem ich aus Langeweile beim Warten auf einen Zug in Hannover mal teilgenommen habe. Schlaftrunken wie ich damals war, hätte ich nicht meine eigene Telefonnummer auf den Teilnahmezettel schreiben sollen. Und schon gar nicht ein auf 1986 heruntergefälschtes Geburtsdatum. Na ja, macht nichts, die Brüder haben's nicht gemerkt ("Äh, ja, ich bin natürlich '86 geboren, hatte ich gerade vergessen..." mit der Antwort "Ja, sicher, das hat man ja schnell mal durcheinander, Herr Osterheld!"), gewinnen werde ich (den Mini) eh nicht und TV Movie werde ich ganz bestimmt auch nicht abonnieren, diese kapitalistische Fernsehhetze... Was aber eigentlich erst wirklich schlimm bei dem Telefongespräch war, war nicht so sehr der Gesprächsinhalt, sondern der oberflächliche Grinsepickel am anderen Ende. Der Typ verdient echt einen Preis in der Kategorie "So oft, wie es geht, in einem Gespräch den Begriff 'Herr Osterheld' einbauen" mit einer Zusatzmedaille für "Dumme Fragen, deren Intention jeder nicht ganz konsumvermüllte Vollidiot durchschauen kann".
Und verrückt ist unsere Welt ständig. Besonders, wenn ich mir die Frage nach dem Sinn stelle. Der Reiz dabei ist, dass man sich jedes Mal bei ihrer Beantwortung so herrlich im Kreis dreht. Und dann wieder von vorne anfängt. Hier nun ein kleiner Abriss der größten Hightlights in meiner Gedankenwelt der letzten vier Wochen: Gibt es einen Masterplan? Steckt da tatsächlich ein Prinzip, ein Wille und ein Ziel hinter? Hoffentlich nicht, denn einige Menschen und Ereignisse kommen mir manchmal wie Willkür einer übergeordneten Instanz mit schlechtem Humor vor. Aber wenn keine Macht dahinter steht, ist das etwa alles nur Zufall? Kann ich mir mit der Wissenschaft alles hier erklären? Leben wir in einem chaotischen System? Vielleicht, aber das wäre auch gemein- und so sinnlos. Dabei bin ich es doch in meinem menschlichen Denken gewohnt, alles mit einem Sinn versehen zu können. Was stelle ich also fest? Ich kann und werde die Antworten auf meine Fragen nie erfahren. Und sicher ist nur das Ende. Zwei Stunden später. Gibt es eigentlich einen Masterplan? [...] Und so geht das dann weiter.
Warum nehme ich mir zum Abschluss auch noch heraus, die Welt als herzlos zu bezeichnen? Deprimiert bin ich nun wirklich nicht, alleine fühle ich mich auch nicht mehr. Herzlos ist vielleicht sowieso das falsche Wort. Gemein trifft es möglicherweise eher. Ach, egal, beziehen wir es lieber gleich auf die Menschen: Die meisten Menschen sind dumm. Und dumm sind sie deswegen, weil sie mir auf die Nerven gehen.
Beispiel: Mathe- und Chemielehrer seit Montag krank. Morgen Chemie in der ersten Stunde. Einige kein Französisch in der zweiten Stunde. Hoffnungen, zur erst dritten Stunde Unterricht zu haben. Zusage von der morgigen Rückkehr des Chemielehrers bei Vertretungsplanlehrer: Unglaube. Idee: Anruf bei Chemielehrer zur Befriedigung der kindischen Neugier. Allerdings Angst im Weg. Lösung: Klassensprecher nach Meinung der wenigen in der Pflicht, Lehrer privat anzurufen. Der: keinen Bock, weil Nichtanerkennen der Situation. Reaktion der wenigen durch Hysterie, Beleidigungen und Vorwürfe der Pflichtvernachlässigung.
Kommentar: Eigenverantwortung ist denen ein so geläufiges Wort wie mir der Terminus "Stützstrümpfe". Der Vorwurf "Du hast dich freiwillig zum Klassensprecher wählen lassen" ist überdies reiner Hohn (die letzten beiden Worte dieses Satzes vor der Klammer ergeben einen lustigen Wortwitz). Und ansonsten bin ich als Klassensprecher sowieso eine endlos faule Socke, die überhaupt nichts für die Klasse tut. Ich mache den ganzen Tag nur sinnlose Sachen wie die Organisation vom Skilanglauf-Ausflug im Harz und ähnlichen nihilistischen Nonsens (doppelt gemoppelt?). Es würden mir natürlich noch viele schöne vulgäre Titulierungen für meine Gegenredner einfallen, aber, wie Metallica schon sang: "I ain't gonna waste my hate on you!"
Feierabend!
 

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