Blog von ErMi
 
Eintrag #11, 08.04.2005, 10:42 Uhr

Geschlechterdifferenzen (Teil 1)

Weibliches und Männliches Gehirn von Doreen Kimura

in: Beiträge aus Spektrum de Wissenschaft, Biologie des Menschen, Hrsg. Volker Sommer, 1996; dort: S. 104

•     Hormonale Einflüsse in der Gehirnentwicklung sind für kognitive Unterschiede zwischen den Geschlechtern verantwortlich.


Unterschiede:
•     Unterschiede in: körperlichen Merkmalen, Fortpflanzungsfunktion und darin, wie sie abs-trakte Aufgaben lösen  Art der Intelligenz unterschiedlich
•     Feinbau des Gehirns schon früh (durch Hormone bedingt) unterschiedlich verschaltet.
      Erfahrungseinflüsse stark mit physiologischer Disposition verbunden.
•     Geschlechter unterscheiden sich zwar in spezifischen kognitiven Fähigkeiten, nicht aber in der Gesamtintelligenz ( IQ im Mittel bei beiden Geschlechtern gleich)
•     Männer haben besseres Räumliches Vorstellungsvermögen („Objektrotation im Geiste“), sind den Frauen überlegen bei mathematischen Schlussfolgerungen oder bei Folgerungen die Orientierung über einen Weg verlangt. Werfen und Auffangen (= Zielgerichtete Moto-rische Fähigkeiten) gelingt Männern auch leichter als Frauen.
•     Frauen erkennen besser Zusammenpassende Objekte und haben eine höhere Wahrneh-mungsgeschwindigkeit. Höhere Verbale Gewandtheit (Wortflüssigkeit), können schneller Wörter finden, die einer Gewissen Bedingung genügen (gleicher Anfangsbuchstabe, etc.). Auch sind Frauen Männern bei Rechenaufgaben überlegen und beim Erinnern von mar-kanten Punkten entlang eines Weges. Feinmotorik besser (= manuelle Präzisionsaufga-ben).
•     Geschlechtsunterschiede sind auch schon vor der Pubertät vorhanden!
•     Orientierungsvermögen: Beim „Weglernen“ sind Männer schneller und besser, jedoch erinnern sich Frauen an mehr Einzelheiten.  Frauen orientieren sich eher an markanten Punkten. Strategie der Männer noch nicht geklärt!
•     Gegenstandslokalisierung (Szenario mit darin verteilten Dingen) gelingt Frauen besser.

•     Unterschiede sind teilweise nicht groß, aber durch Streubreite dann doch bedeutsam! (d.h. 100-110 || 95-105 wäre ein größerer Geschlechterunterschied als 50-150 || 45-145)
•     Maß für die Streuung von Einzelwerten = Standardabweichung.
•     Für die Größe des Geschlechtsunterschieds teilt man die Differenz der Durchschnittswerte der beiden Ge-schlechtergruppen durch die Standardabweichung = Effektstärke. Ist die Effektstärke kleiner 0,5 so ist der Unterschied gering.

•     Keine Unterschiede bei Wortschatztest (0,02), nicht- (0,03) und verbalem Schlussfolgern (0,17).
•     Kleine/Geringe Unterschiede zu Gunsten der Frau bei Bilder zuordnen (0,25), Wörter mit ähnlichen An-fangsbuchstaben finden (0,22) oder gedankliche Beweglichkeit / Ideenflüssigkeit (0,38).
•     Größter Unterschied zugunsten der Männer bei den Effektstärken bei mentaler Rotation (0,7) und motori-scher Zielgenauigkeit (0,75).


Ursachen / Differenzierung der Geschlechter:
•     Genetische Basis (bis auf Geschlechtschromosomen) identisch  Hormonale Einflüsse auf das sich entwickelnde Gehirn bedingen die spezifischen Fähigkeiten!
•     Geschlechtliche Differenzierung geschieht in der Embryonalphase durch männliches (An-drogen) und weibliches (Östrogen) Sexualhormon.
•     Am Anfang ist das Säugetierembryo so angelegt, dass es sowohl männlich als auch weib-lich werden könnte. Es hat jeweils zwei Wolffsche und Müllersche Gänge, die sich erst später zu männlichen bzw. weiblichen Geschlechtsorganen entwickeln. Y-Chromosom bewirkt im zweiten Monat die Ausbildung der Hoden beim Mann. Die Hoden produzieren dann Testosteron und das lässt die Wolffschen Gänge zu Samenleiter und Samenblase werden sowie die Bildung von Hodensack und Penis anstoßen. Ein weiteres Hormon (An-ti-Müller-Hormon) veranlasst die Rückbildung der Müllerschen Gänge, die sich sonst zu Eileiter und Gebärmutter entwickelt hätten. Bilden die Hoden keine männlichen Hormone, so entsteht - sozusagen als Grundform – ein weiblicher Organismus. [vgl. Defeminisie-rung und Maskulinisierung]
•     Gleichzeitig kommt es sehr früh zu Differenzierungen (durch Geschlechtshormone) im Gehirn; diese sind für späteres Auftreten von männlichen Verhaltensweisen wichtig!
•     Fehlt der maskulinisierende Einfluss durch Hormone, tendiert die Entwicklung zu weibli-chen Verhaltensmustern.
•     Männliche Ratten die nach der Geburt durch Kastration (oder Blockpräparat) ihrer männ-lichen Hormone (Androgene) beraubt werden, zeigen später weniger männliche Verhal-tensweisen (wie Aufreiten), dafür mehr weibliche, wie Lordosis (Emporrecken des Hinter-teils). Umgekehrt gilt das gleiche. Verabreicht man einer weiblichen Ratte nach der Ge-burt Androgene, so zeigt sie später eher männliche Sexualverhaltensweisen.
•     Hypothalamus steuert das Fortpflanzungsverhalten. Dieser ist mit Hypophyse (= endokri-ne Drüse) verbunden. Eine bestimmte Region des Hypothalamus ist bei männlichen Säu-gern größer als bei weiblichen. Dies ist durch das Androgen bedingt und geschieht beim Menschen schon während der Fetalentwicklung.
 

Wer war da?

 
 (36) United98
 (48) MoonmanXL
 (??) Nachbarslumpi
 (??) Chaosomi
 (??) Muebarekking
 (25) brothauer
 (??) DaBu33
 (29) Anklam
 (34) Taurus
 (27) Hotwave

... und 19 Gäste
Wer war da?

Blog-Suche

 
ID/Nick