Blog von Taladius
 
Eintrag #15, 01.08.2005, 00:05 Uhr

Eine kurze Geschichte über den Niedergang Teil 3

Es wurde wirklich fast nichts anders gemacht und besser wurde schon gar nichts gehandthabt! Und so wuchsen Arbeitslosigkeit und Verschuldung immer weiter, wuchsen die Sozialabgaben usw.
Ein Krieg und dessen Verweigerung sowie ein Hochwasser waren notwendig, um die Regierung zu einer zweiten Amtszeit zu verhelfen.
Und ganz am Rande stand auch ein kleines, aber feines und gutklingendes Konzept, was auf den schönen Namen Hartz-Reform lautete.

Eine Reform, die dann auch umgesetzt wurde, naja, so in etwa zumindest...
Der eigene Mut zur Courage hat die SPD wohl doch ein wenig erschreckt, und was nicht bereits im Voraus in der SPD intern zerredet wurde, das zerpflückte die immer stärker werdende Opposition schließlich im Verhandlungsausschuss.
Als Ergebnis kam eine Reform, die als Jahrhundertwerk gepriesen wurde und doch im Grunde genommen die wirklichen Probleme aussparte.
In Gedanken habe ich diese Reform einmal als Trabbi bezeichnet, der als Sportwagen geplant worden war.
Und trotzdem ging ein beispielsloser Aufschrei durch die Bevölkerung und endlose Protestreihen marschierten durch die Republik.
Ein Resultat davon war, daß wir jetzt mit der Linkspartei eine Vereinigung am linken Rand besitzen, die wohl rund 10% der Stimmen erreiche könnte bei der Wahl, und das, obwohl bei der vorigen Wahl die PDS nichtmal mehr in Fraktionsstärke in den Bundestag einziehen konnte.
Eine Partei, die sich gegen den hier so diffamierten Neoliberalismus stellt, der uns doch angeblich in den Untergang treibt. Dabei kann man deren Programm doch folgendermaßen abkürzen: Weiter so, noch mehr davon!

hm...
Ich glaube, ich habe jetzt ca. 2 Stunden mit dem Schreiben dieses Postings verbracht. Trotz allem konnte ich gerade einmal einen grundlegenden Überblick der wirtschaftspolitischen Geschichte unseres Landes liefern, wichtige Details wie z.B. die Rolle der Gewerkschaften habe ich nichtmal wirklich angeschnitten, man möge es mir verzeihen.

Doch was kann man als Essenz des ganzen Geschreibsels mitnehmen?
Nun, eines wohl ganz sicher:
Wir sind kein Land, daß der neoliberalen Doktrin folgt!
Wir sind sogar weit davon entfernt!
Wir waren einmal dort, wir haben sie einmal umgesetzt und von dem Erfolg, von der damals erschaffenen Substanz zehren wir noch heute!
Doch die Politik der folgenden Jahrzehnten hat sich dieser Substanz immer stärker bemächtigt, hat sie immer mehr aufgezehrt und vereinnahmt.
Im Zuge der Globalisierung mag es uns erscheinen, als sei die Wirtschaft freier denn je und dass uns diese Freiheit unsereres Wohlstandes, unserer Arbeit beraubt.
Doch nichts könnte ferner von der Wahrheit entfernt sein, als diese Annahme, denn der staatliche Zwang und Einfluss ist hierzulande höher als je zuvor, die Freiheit ist längst im "sozialen Netz" verheddert, welches sich immer mehr als Zwangsjacker entpuppt.

Gegen den Neoliberalismus, den wir schon seit Jahrzehnten nicht mehr praktizieren?
Gegen Freiheit, Wohlstand und Arbeit?
Wollt ihr das wirklich?
Wollt ihr wirklich in einem Land leben, in dem die Reichen die Sündenböcke und Bösewichte sind, obwoh sie es sind, die das Land am Laufen halten, die das System finanzieren, obwohl es sie dafür mit Verachtung bestraft und ihnen noch mehr und mehr von ihrer erwirtschafteten Leistung wegnehmen möchte?
In einem Land, in dem wir die belohnen, die nichts tun und sich darin so wunderbar eingenistet haben, in einem Land, in einem System, welches uns die Luft zum Atmen nimmt und Jahr für Jahr mehr die Möglichkeit zu arbeiten, sich eigenständig und unabhängig von anderen sein eigenes Leben verdienen zu können?
Ist das das Land, in dem ihr leben wollt?
Das Land, welches sich dem bösen Neoliberalismus tapfer in den Weg stellt im Namen der sozialen Gerechtigkeit, einem Schlagwort ohne Inhalt, einer leeren Floskel ohne reale Bedeutung?
Wenn ihr das wollt, so geht diesen Weg.
Doch seid euch bewußt, daß er zu Stagnation und Untergang führt.
Und seid euch bewußt, daß viele, auf deren Schultern dieses System ruht, vielleicht irgendwann nicht mehr mitmachen werden...
Spätestens dann, wenn ihr aufgrund des Bewußtseins errungener sozialer Gerechtigkeit mit stolzgeschweller Brust, aber mit leerem Magen zwischen heruntergekommenen Bauten elendig zugrunde geht, erkennt ihr hoffentlich eure Irrtümer.
Und erkennt, daß die Welt nunmal nicht das Paradies ist und es auch niemals sein wird, egal was eure Heilsbringer euch versprochen haben und egal wie sehr sie auch den Gegner verteufelt haben mag.
Schade, daß es dann zu spät sein wird...


So, ein Dank an alle, die sich bis hierhin durchgekämpft haben und noch nicht eingeschlafen sind.
Verzeiht mir bitte, daß ich dieses Weblog dazu mißbrauche, etwas zu duplizieren, was ein interessierter Leser auch anderswo leichter nachlesen könnte.
Aber dies ist genauso mein Werk wie alle anderen Einträge und ich finde, er hat ein genauso großes Anrecht darauf, hier zu stehen.
Gut N8
 

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