Blog von Taladius
 
Eintrag #10, 20.06.2005, 00:35 Uhr

Die nächste Nacht

Manchmal überfällt mich das perverse Bedürfnis, der ganzen Welt meinen Spott und Hohn, meine Abscheu und mein Befremden ins Gesicht zu schleudern.
Es ist ein Gefühl gepushten Selbstbewußtseins, einer aggressiven Grundstimmung, die deutlich in Überheblichkeit übergeht.
Es ist ein Gefühl der gespannten Konzentration, einer gewissen Kälte im Kopf und einer gewissen Hitze im Bauch.
Angeblich sollen sich so Leute fühlen, die sich ne Line Koks reingefahren haben.
Ich kokse aber nicht und somit kann ich das nicht als erbärmliche Ausrede vorschieben.
In dieser Stimmung streife ich dann manchmal durch die Nacht, sitze hinterm Lenkrad auf dem Weg zu Freunden oder auch wieder zurück nach Hause.
Ich surfe durchs Forum, auf der Suche nach einem armen Trottel, der mir eine Reibungsfläche gibt, an der ich mich entzünden kann.
Beobachte die Oberflächlichkeit der Menschen, die hohle Fassade der Werbung und ihrer Scheinwelten, beobachte die Inhaltslosigkeit der Menschen und ihr verzweifeltes Bedürfnis, diese Leere zu füllen.
Gut möglich, daß ich gerade auch von mir selbst rede...
Ich kann mich immer nur in dieses brodelnde Nichts werfen, wenn ich alles hinter mir lasse, meinen Verstand, mein Denken, mein Gleichgewicht. Wenn ich mich betrinke und voller Abscheu ins das ewige Gewimmel werfe.
Es ist ein verwirrender Reigen, der sich da vor einem ausbreitet und mein Urteil ist immer wieder vernichtend, wenn ich heraustrete, zurücktrete aus dem Licht, einen tiefen Zug klarer, kalter Luft nehme.
Denn ist es nicht merkwürdig, daß einen die Umwelt nur dann wahrzunehmen scheint, wenn man doch eigentlich unzufrieden ist, wenn man innerhalb schreit und tobt und kämpft.
Ich kann es immer wieder beobachten:
Bin ich schlecht gelaunt, bin ich wütend, verzweifelt, angepisst und frustriert, evtl. noch betrunken und scheisse auf das, was mich umgibt... dann stehe ich im Zentrum... Dann lerne ich Frauen kennen, nur dann bin ich für Unbekannte interessant, nur dann erscheine ich attraktiv für die gesichts- und hirnlose Masse.
Bin ich jedoch entspannt, zufrieden und in Balance, bin ich ruhig und zurückhaltend, dann bin ich auch Luft. Dann bin ich der Langweiler, der auf einer Party in einer Ecke sitzt und mit leicht ironischem Lächeln das Treiben der Umstehenden verfolgt.
Was ist das also für eine Welt, was sind das für Menschen, die zu dem streben, der ab Abgrund balanciert und den ignorieren, der Ruhe besitzt?
Sind diese Menschen glücklich? Können diese Menschen denken? Was denken sie?

Alle meine guten Freunde schätzen das letztere Ich. Sie sind befreundet mit dem ausgeglichenen Dennis, sie lieben und teilweise bewundern meine Gelassenheit.
Und die meisten verstehen auch den anderen Teil von mir, auch wenn ihn einige nicht wirklich kennen, denke ich.
 

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