Blog von DerWahreKeks
 
Eintrag #22, 06.07.2006, 15:26 Uhr

Das Nerd-Tagebuch Teil 2

26. Januar 2006

Die Tage, sprich irgendwann in der letzten Woche, trat ich nach längerem Aufenthalt in meinem auf angenehme sechzehn Grad temperierten Kellerzimmer hinaus ins Freie. Etwas später stand ich vom Boden auf, auf dem ich mich gekrümmt habe, sobald die Strahlen der grellen Abendsonne meine Augen getroffen hatten.

Die Sonne muss es gewesen sein, oder auch die so genannte Frischluft, die anschließend in mir einen Anflug von Kindlichkeit auslöste. Also rannte ich breit grinsend, mit einem großen Schnoddertropfen an der Nase, auf den Kirschbaum in unserem Garten zu. Mit einer unerklärlichen Sehnsucht im Herzen, ein beigekariertes Hemd, eine kurze braune Hose mit Hosenträgern und eines dieser drolligen bunten Käppchen mit Propeller obendrauf zu tragen, beschleunigte ich meine Schritte noch mehr, drückte mich mit beiden Beinen vom Boden ab und landete mit beiden Füßen auf dem untersten Ast.

Dort stand ich dann. Für etwa eine Tausendstelsekunde. Dann glitten meine Füße in entgegengesetzte Richtungen auseinander und mein Körper folgte widerstandslos den Forderungen der Schwerkraft. Das führte dazu, dass gewisse Körperteile von mir, die, wenn sie denn schon irgendwo landen müssen, es wenigsten möglichst sanft tun sollten, sehr unsanft auf dem Ast landeten. Dieser Ast diente meinem Körper als eine Art Achse, um die er sich drehen konnte. Dank der hervorragenden Physik-Engine des Planeten Erde tat er das auch physikalisch korrekt, zunächst langsam, dann plötzlich schneller werdend. So schnell, dass eine 360°-Drehung in den Bereich des Machbaren gerückt wäre, hätte der harte Boden meines Körpers kühnes Spiel mit der Schwerkraft nicht schon nach einer Dritteldrehung ein Ende gesetzt. Mit – nach subjektivem Empfinden – enormer Wucht erreichte ich mit dem Kopf voran den Bode, auf dem ich vorerst liegen blieb.

Irgendwann wachte ich auf. Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen, ich lag nur da mit geschlossenen Augen und unendlichen Schmerzen im ganzen Leib. Meine Trefferpunkte den kritischen Bereich längst unterschritten, sah ich schon den Game-Over-Bildschirm des Lebens vor meinem geistigen Auge, Life over sozusagen. Ich wartete auf die Credits. Wartete.

Wartete.

Ich kam zu dem Schluss, dass die Credits wohl nicht kommen würden und dass ich mir den Game-over-Bildschirm wirklich nur eingebildet haben musste. Ohne Head-Up-Display ist es schwer zu sagen, wann das Ende gekommen ist.

Ich wurde mir nun meiner Schmerzen bewusst und beschloss, etwas dagegen zu unternehmen, denn angenehm war das nicht. Immer noch nicht fähig zu laufen, kroch ich ins Haus zurück. Zahlreiche Minuten später führte eine Spur aus Dreck, Blut und Urin vom Kirschbaum in die Küche, in der ich mit letzten Kräften und abermals schwindenden Sinnen auf den Tisch zu klettern versuchte. Endlich oben angelangt, schleppte ich mich über die Obstschüssel hinweg. Meine Verfassung, die sich nicht besserte – tatsächlich fühlte ich mich immer noch immer schlechter – rief mir in Erinnerung, was ich vor drei Tagen erfahren aber schnell wieder vergessen habe: Der gewünschte Effekt eines Items tritt im Real Life nicht durch drüberhinwegbewegen ein. Kurz zögerte ich, dann griff ich unsicher nach einem Apfel und führte in zitternd zum Mund. Ich biss rein, einmal, widerwillig, zweimal. Es schmeckte ganz anders als Pizza. Die Schmerzen wurden nicht weniger. Also aß ich sogar noch eine Banane, doch es half nichts. Schließlich wurde mir schwarz vor Augen.
 

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