Blog von S.a.N.d.R.a
 
Eintrag #18, 01.05.2007, 22:24 Uhr

1. Mai - Was für ein Tag!

Die Vorbereitungen liefen seit längerer Zeit - heute war es nun soweit.
1. Mai - NB Nazifrei.

Wie jedes Jahr hatten die Nazis ihre Demonstration für den heutigen Tag angemeldet; wie jedes Jahr so auch die Gegendemonstranten.

Um 9.30 Uhr ging es am Rathaus los mit einem offenen Mikro. Menschenmassen sammelten sich an, erfreute mich. Wir verteilten noch ein paar Flyer mit Telefonnummern des Ermittlungsausschusses und ein paar Infos.
Kurz nach 10 Uhr sollte es dann auf zum Reitbahnsee gehen, eine riesige Demonstration, angeführt von den Normalbürgern bis hinten zum schwarzen Antifablock, es war eine geniale Stimmung.

Mehrere Versuche des Durchbruchs durch die Polizeibarrikaden erfolgten, zwecklos. Es stand von Anfang an fest, dass wir eingekesselt werden.

Am See erklärte man die Demonstration für beendet.

Für alle war natürlich klar, dass sie es für uns nicht ist.

Eingekesselt von der Polizei schmiedeten wir den Plan "Sickergrüppchen" zu bilden. In einem geringen minütlichen Abstand verließen kleine Grüppchen auf enormen Umwegen das Gelände und bewegten sich in Richtung Zebra Jugendclub, an welchem die Nazis vorbeikommen sollten. Die Route wurde geändert, was das ganze verkomplizierte.
Unser Sickergrüppchen kam durch und bei strahlendem Sonnenschein warteten wir. Die einen unterhielten sich ein wenig mit den freundlichen Grünen, die anderen genossen das Wetter.

Dann war es so weit - Man hörte die ersten Trommeln, sah die ersten Flaggen.
Eine Stunde nachdem die Nazis eigentlich auftauchen wollten, kamen sie dann.
Unser aufwändig eingefedelter Plan funktionierte: Ganz vorne standen Kurt und ich mit Fanfaren (Tröten, welche oft beim Fußball zum Einsatz kommen). Und tatsächlich - Man hörte sie durch die halbe Stadt und niemand verstand mehr die irrsinnigen Parolen der Braunen. :)

Sie zogen weiter.
Erneut bildete sich unser Sickertrupp und wir eilten zurück zum See.
Gutes Herankommen zuerst, größere Abgrenzungszone dennje folgte.
Doch dort war nun der Platz der Kundgebung der Nazis und dauerhaft waren unsere Tröten im Einsatz. Unangenehm nur die Tatsache, dass sie arg kalt werden nach zu langem Benutzen, klappte aber alles.
Die Leute jubelten, ich sah am heutigen Tage viele Däumchen. Niemand konnte hören, was für irrsinnige Parolen die Nazis von sich gaben, wenigstens etwas.

Und wieder die Kehrtwende, die Nazis zogen weiter.

Mittlerweile dürfte es so 14 Uhr gewesen sein, der Sickertrupp nahm den alten Weg. Diesmal war das Problem der Polizeibesatzung weitaus größer. Mitten durch die bewachte Zone ging es. Von hinten hörten wir nur noch ein "Hey!", wir gingen weiter, Kurt und ich, die anderen kehrten zu den Grünen um.

Dann kamen wir an den Ort, wo auch letztes Jahr ein Sitzstreik stattfand. Die Leute saßen in der Sonne und unterhielten sich - Warteten.
Dann auf einmal kam eine Horde Polizisten auf uns zugerannt. Schnell wurde sich auf die Straße gesetzt  - Sitzblockade.
Ich räumte vorher noch meine Sachen zu einem Kumpel der in der Nähe saß.
Doch sie lösten nichts auf, sie stellten sich um uns und warteten.
Nicht alle konnten schnell reagieren und viele wurden eingekesselt.
Um 15 Uhr hingegen wurden sie rausgelassen. Man frug sich nun warum. Wurde die Route der Nazis umgeleitet? Sitzen wir doch am falschen Ort?
Nun kamen wir nicht weg, ein Großteil der nun "Freigelassenen" setzte sich zu uns auf die Straße. Es wurde gesungen, es wurde geschrien. Es kam eine Oma, die sich direkt neben mich setzte, so entstanden Parolen wie "Omi ist die Beste, shalalalala [...]", war schon toll, dass auch Ältere direkt mit aktiv werden. :) Andere Sprüche des Chors waren "Ob Ost, ob West - Nieder mit der Nazipest", "Hitzefrei - für die Polizei"´, uvm.

Nun hörte man nach einer Stunde auf der Straße die Trommeln der Nazis. Das Polizeiauto fuhr weg, man sah sich. Es war klar, dass wir nicht an sie rankommen würden, jedoch haben wir ihre Route erheblich verkürzt und sie mussten einen kurzen Abschnitt hinter dem Jugendclub gehen, viele Minuten ihrer Parolen blieben Neubrandenburg erspart. Nicht zuletzt durch das Horn. :mrgreen:
So nett ich meinen Sitzblockadenachbarn auch fand, er stand auf, ich sah wie groß er war und war erstaunt und das war wohl das letzte Mal, dass ich ihn sah, aber immerhin war er nett. Da hakt man sich doch gern mal ein. :whistle:

So gingen dann alle.
Ich suchte ewig nach meinen Sachen und fuhr eben noch ins benachbarte Dorf um sie dort abzuholen, auch wieder ein Aufstand, weil ich nicht wusste, wo er wohnt. :roll: Aber geschafft!

Circa 700 Nazis marschierten heute, Frauen, junge Menschen, viele Männer.
Über tausend Gegener dessen, Antifaschisten, Punks uvm. marschierten ebenso.
Ein wunderbares Gefühl gemeinsam für etwas zu "kämpfen", sich gemeinsam für etwas einzusetzen.

Es hat sich gelohnt und ich hoffe, dass es eines Tages so sein wird, dass wir diese alljährliche Demonstration vollends stoppen können, aber man wird sehen.

Ich hoffe ihr hattet einen angenehmen freien Tag.
 

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